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Wolfgang und Ulrike <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Wolfgang&nbsp;Bittner)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>53</div><div class='bid' style='display:none;'>5673</div><div class='usr' style='display:none;'>157</div>

Wolfgang 2018 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Wolfgang&nbsp;Bittner)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>53</div><div class='bid' style='display:none;'>14749</div><div class='usr' style='display:none;'>157</div>

                                 Sie  kennen  ... ... uns beide kaum oder noch gar nicht? Dann sind Sie auf unserer Willkommen-Seite am rechten Ort.
Dort erhalten Sie erste Informationen zu uns, unserer Arbeit, unserem Leben – aber auch zu unseren Tätigkeiten und Freunden. Von dieser Seite aus finden Sie gut zu allen weiteren Hinweisen.

... Ulrike Bittner noch nicht und wollen mehr über sie wissen? Dann führt sie diese Seite weiter.

... Wolfgang J. Bittner noch nicht und möchten sich über ihn informieren? Dann klicken Sie hier.

... bereits uns beide?! Dann ist diese Seite mit den untenstehenden Neuigkeiten wahrscheinlich das Richtige für Sie. Lesen und Blättern Sie doch. Sie erfahren dabei, wo und wozu wir in letzter Zeit unterwegs waren.

Auf  dieser  Seite  ... ... informieren wir Sie in der Form eines Journals über Neuigkeiten, die es bei uns bzw. in unserem beruflichen Umfeld gibt: was wir erleben, was uns auffällt, was wir beobachten und was uns fragend macht. Interessiert? Echos freuen uns. Schreiben Sie an ulrike.bittner@bluewin.ch oder an wbittner@bluewin.ch. Wir antworten gerne und so schnell wir können.

Immer  wieder  Neues  ... Mittwoch, 3. März 2021
Ulrike schreibt: Wer heute um 19.30 Uhr bei unserem Zoom-Treffen "Wohin mit der Angst?" dabei sein möchte, findet links unter demselben Titel die Zugangsdaten. Die einfach anklicken und dabeisein. Heute wird mein methodistischer Kollege Stephan Gassler über Menschen mit Angst in biblischen Geschichten referieren.


Sonntag, 28. Februar 2021
Wolfgang schreibt: Es gibt Geschichten in der Bibel, auf die man immer wieder zurück kommt. Man kann sie nicht genug betrachten, nicht genug erzählen. Warum ist das so? Es geht bei diesen Geschichten um Grundfragen der Menschlichkeit, ja sogar der Menschseins. Immer wieder taucht die Frage vor uns auf und fordert uns zur Antwort heraus: WAS HEISST: »DAS RICHTIGE TUN«? Ulrike hat heute über die beiden Hebammen Schifra und Pua (2. Mose 1,15-22) gepredigt. Da gibt es das eine, das den beiden Frauen von aussen her befohlen wird. Und da gibt es das andere, von dem die beiden Frauen in ihrem Inneren wissen. Es steht viel auf dem Spiel. Was heisst in diesem Fall, das Richtige zu tun? Die Szene hat sich geändert, aber die Frage ist quer durch die Geschichte dieselbe geblieben. Und die Antwort? Eigentlich ist auch sie schlicht. Sie setzt keine Bildung voraus, wahrscheinlich nicht einmal Glauben, wohl aber den freien Zugang zu dem, was man die unverrückbare Menschlichkeit im eigenen Inneren nennen kann.



Ganz unten auf dieser Seite [dort, wo die Buchstaben blau werden] können Sie diese Predigt herunterladen unter: 2021-WAS HEISST DAS RICHTIGE TUN.



Samstag, 27. Februar 2021
Ulrike schreibt: Morgen feiern wir in Liestal um 9.30 Uhr Gottesdienst. Im Mittelpunkt steht die Erzählung von den beiden Hebammen Schifra und Pua (2. Mose 1,15-21). Die beiden Frauen weigern sich, einer staatlichen Anordnung zu folgen und die neugeborenen hebräischen Jungen zu töten. Die Geschichte scheint mir ein guter Einstieg in die kommende Woche zu sein. Da werden wir per Zoom über ‹Angst› reden.


BEOBACHTUNGEN ZU 2. MOSE 1,15-21

«Und der König von Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schifra hiess und die andere Pua: 16 Wenn ihr den hebräischen Frauen bei der Geburt helft, dann seht auf das Geschlecht. Wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist's aber eine Tochter, so lasst sie leben. 17 Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern liessen die Kinder leben. 18 Da rief der König von Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst? 19 Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren. 20 Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und das Volk mehrte sich und wurde sehr stark. 21 Und weil die Hebammen Gott fürchteten, gab er auch ihnen Nachkommen.»


EINE SITUATION VERÄNDERT SICH

Durch Joseph war Israel (= Jakob) nach Ägypten gekommen. Einige Generationen später ist seine Nachkommenschaft gross geworden, die Israeliten sind stark und das Land ist voll von ihnen (1,7). Die Ägypter bekommen Angst, erinnern sich nicht mehr an das gute Miteinander und beginnen die Israeliten gezielt klein zu halten.


WO ERLEBEN WIR DRUCK?

Der König befiehlt den Hebammen, die neugeborenen israelitischen Buben zu töten. Er macht ihnen Druck durch seine Autorität.
Woher kennen wir das, dass zum Beispiel ein Arbeitgeber den Angestellten Druck macht: Ihr müsst das jetzt so und so machen....? Zugunsten von mir, zu Ungunsten von .... euren Familien/ unseren Kunden/ eurer Gewissensbindung, ... eurem kollegialen Miteinander???


...UND SIE TATEN NICHT

Die beiden Hebammen machen das einfach nicht. Sie beugen sich nicht dem Druck.
Die betroffenen - das heisst die gebärenden - Frauen erleben bei den Hebammen eine ganz grosse Klarheit. Wie fühlt sich das an, wenn man Menschen trifft, die aus einer inneren Klarheit heraus leben? Die nicht um ihrer selbst willen Zugeständnisse machen? Die keine Unsicherheiten und Skrupel ausstrahlen? Ich stelle mir vor, dass das für die gebärenden Frauen rundum gute und unglaublich erleichternde Begegnungen sind.

Und auch wir sind von Herzen froh, wenn wir auf solche innerlich klaren Menschen treffen. Oder wie geht es euch?


WEM BIN ICH VERPFLICHTET?

Woher haben die Hebammen ihre Klarheit? Die Antwort wird in äusserster Kürze gegeben: „Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte.“ (Vers 17)

Das Handeln der Hebammen ist eigentlich keine Frage des Glaubens. Es ist eine Frage der Menschlichkeit. Um die Wahrheit zu WISSEN braucht es Menschlichkeit. Es braucht dafür keinen Glauben, keinen jüdischen, keinen christlichen, keinen muslimischen. Es genügt der innere Zugang zur Menschlichkeit. Um an der Wahrheit auch FESTZUHALTEN, ist der Glaube (die Gottesfurcht; die Überzeugung, dass es etwas Grosses gibt, das unser Menschsein übersteigt … ohne das man die Menschlichkeit verliert …) eine entscheidende Voraussetzung.


DIE LÜGE GEGEN DEN PHARAO

Es kommt bald ans Licht, dass die Hebammen den Anordnungen nicht folgen. Sie werden zum Pharao gerufen. Sie lügen ihn dreist an. Dreist, weil leicht zu durchschauen: „Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren.“ Die beiden Frauen geben kein «Zeugnis» ihres Glaubens. Das haben sie mit ihrem Handeln bereits getan. Offensichtlich meinen sie, dem Pharao in dieser Hinsicht nichts zu schulden. Das ist in anderen biblischen Geschichten anders: zum Beispiel bei Daniel (Daniel 3,17-18).


ES IST EINE VORLÄUFIGE HILFE

Pua und Schifra verweigern das Unrecht für eine bestimmte Zeit. Die bedrängende Situation setzt sich aber fort. Die endgültige Wende wird durch jemand anderen kommen – durch Mose. Und damit durch das Verlassen des Landes. Die beiden Hebammen bekommen aber ihren Platz in der grossen Geschichte von Befreiung und Aufbruch Israels. Ihre Namen, ihr Handeln wird erinnert.


Donnerstag, 25. Februar 2021
Ulrike schreibt: Seit gestern steht es fest: Unsere Offenen Abende in der nächsten Woche «Wohin mit der Angst?» werden ausschliesslich über ZOOM stattfinden. Treffen im Kirchgemeindehaus in Liestal sind leider noch nicht möglich.

Links auf unserer Homepage haben wir den Zugang zu den einzelnen Abenden - und zu meinem Vortrag am Samstag Morgen - verlinkt. Wir starten am Dienstag, dem 2. März, 19.30 Uhr, mit einem Vortrag von Dr. Heidrun Kaletsch: Was ist das: «Angst»? Wozu dient sie? Und wie begegne ich ihr? ... Ich werde den Abend moderieren und wir laden - wie immer - dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Mich würde es freuen, wenn Sie Ihre Freundinnen und Bekannten aufmerksam machen. Man muss nicht Mitglied der Kirchgemeinde sein, um mitzumachen :-) Sie finden alle Zugangsdaten ebenfalls auf der Homepage unserer Kirchgemeinde: OFFENE ABENDE


Samstag, 20. Februar 2021
Wolfgang und Ulrike schreiben: Heute finden Sie auf unserer Seite den letzten Impuls zum Petrusbrief. Elf Wochen (seit dem 6. Dezember) waren wir bibellesend miteinander unterwegs. Für Wolfgang und mich war es eine gute Zeit: wir haben viel über einen unaufgeregten und kräftigen Glauben gelernt. Aus dem letzten Impuls - den Sie links unter Petrusbrief-Online - finden, ein paar Beobachtungen zum Schluss des Briefs.

DIE KRAFT DER GRÜSSE

Der Brief schliesst mit einigen Grüssen. Das sollte man - bis heute - nicht unterschätzen. Grüsse sind keine beliebige Floskel. Sie bedeuten: Da gibt es jemanden, der an mich bzw. der an uns denkt. Ich bin nicht vergessen. Wir sind nicht vergessen. Es gibt Menschen, denen unser Ergehen nicht gleichgültig ist. Es gibt Menschen, in deren Denken und Beten wir vorkommen. Petrus nennt „die Miterwählte in Babylon“ und meint damit wohl die Gemeinde in Rom. Ausdrücklich nennt er auch „Markus“, den er zudem „meinen „Sohn“ nennt. Wir vermuten, dass Markus einigen Gemeinden persönlich bekannt war, während die Gemeinde in Rom von den verstreuten Gemeinden in Kleinasien durch Erzählungen von Boten gehört hatten.

Grüsse sind für Menschen, die in der „Zerstreuung“ (1,1) leben, wichtiger, als wir vielleicht denken. Wir haben Kinder danach gefragt: „Wer ist es, der an dich denkt?“ In der Regel kam die Antwort sofort: meine Mutter, mein Bruder, meine Grossmutter … Verbunden war das mit einem Leuchten im Gesicht: Ich weiss, dass ich im Denken anderer Menschen vorkomme. Es ist nötig das zu wissen, damit man leben kann.

Was geschieht mit einem Menschen, der bei anderen vergessen geht? Wir denken konkret an Gemeinden im nahen und mittleren Osten. Für sie ist es teilweise sogar überlebenswichtig, dass sie von uns nicht vergessen werden. Es bedeutet ja: Andere Menschen beobachten es und nehmen es wahr, was mit uns „in der Bedrängnis“ geschieht.

Grüsse sind eine entscheidende Kraft gegen das Vergessen werden. Petrus nennt zwei Ausdrucksweisen, wie Grüsse Gestalt annehmen. Einmal der „Kuss“. Ein Kuss ist ein körperlich-intimes Zeichen dafür, dass man wahrgenommen wird, dass man bei jemand vorkommt, nicht vergessen ist und wird. Ein Kuss ist kein oberflächliches Zeichen von Nähe. Er ist ein Zeichen, in dem die Verpflichtung zum Ausdruck kommt: „Wir gehören zusammen.“ Darum schreibt Petrus von einem „Kuss der Liebe.“ Paulus nennt ihn „heiligen Kuss“ (1. Kor 16,20). Zum Gruss gehört gewiss auch das konkret ausgesprochene und verpflichtende Wort. „Friede sei mit allen, die in Christus sind!“ Es ist das Wort des Segens. In ihm tritt der lebendige Gott an unsere Seite und geht ganz gewiss seinen guten Weg mit uns weiter.


Mittwoch, 17. Februar 2021
Ulrike schreibt: Seit dieser Woche ist es für mich ruhiger in der Gemeinde. Seit gestern ist es frühlingshaft warm und Schnee und Eis sind geschmolzen. Jetzt kommt mein wunderbar gemähter Rasen vor dem Haus wieder ans Tageslicht. Kurz vor dem Schneefall habe ich einen Benzin-Freischneider in der Landi gekauft. Ich dachte, dass es schade ist, wenn bald die Narzissen und Tulpen herauskommen, und sich ihren Weg durch das hohe und verdorrte Wintergras kämpfen müssen. ... Dass ich das kann: einen Rasenmäher selbst zusammenbauen, und dass er dann auch noch funktioniert, macht mich sehr zufrieden!!

Glücklich macht mich, dass es mit dem täglichen Laufen immer noch gut geht. Laufen ist prima zum Nachdenken. Oder zum Hörspiel-Hören. Beim WDR (Westdeutscher Rundfunk) gibt es eine japanische Hörspielserie: "Jenseits der Zeit" - die höre ich gerade. Ich laufe ziemlich langsam vor mich hin. Vor ein paar Tagen hatte ich den Impuls, schneller zu laufen. Und bin überrascht, dass auch das geht, ohne dass ich mich dafür anstrengen muss.

In unserer Petrusbrief-Lese (siehe links bei Petrusbrief Online) nähern wir uns langsam dem Ende. Wolfgang wird noch einen Impuls zu "Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch" schreiben (1. Petrus 5,7) und ich etwas zum Schluss des Briefes. Gestern habe ich alle bisherigen Impulse durchgesehen und geordnet - das wären ca. 160 Buchseiten.


Mittwoch, 10. Februar 2021
Ulrike schreibt: Bei uns in Liestal liegt wieder dicker Schnee. Ich schüttle ab und zu die Bäume frei, denn unsere beiden jungen Feigenbäume sind von der Schneelast auf den Boden gedrückt worden. Ich habe ihnen ein paar Krücken gebaut, damit sie wieder aufrecht stehen und hoffe, dass sie den Frühling erleben.

Mit Gemeindegruppen treffe ich mich wenn möglich per Zoom. In der Gruppe Mt 11:28 lesen wir den Philipperbrief und heute die Verse Phil 4,4-7. Da kann einem auffallen, dass in jedem Satz die Wörter "alle", "immer" oder "nichts" stehen. Das ist Absicht.

"Freuet euch in dem Herrn zu jeder Zeit, und abermals sage ich: Freuet euch! 5 Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! 7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren." (Philipper 4,7-11)

Paulus will, dass wir nicht mehr unterscheiden müssen. Wir haben das - weil wir in Christus sind - nicht mehr nötig. Der Anlass für Freude ist uns bereits gegeben. Darum können wir uns zu jeder Zeit freuen. Natürlich gibt es manchmal auch besonderen Grund zur Freude, der noch vor einem liegt - aber darum geht es Paulus nicht. Der Anlass für die tiefste Freude, für die vollkommene Freude, ist uns bereits gegeben. Er ist da.

Wir sollen nicht "einteilen", mit welchen Menschen wir auf welche Weise umgehen. Denn auch Gott geht mit allen Menschen gut um. Wir sollen allen Menschen mit Güte begegnen - weil Gott gütig ist.

Um gar nichts sollen wir uns sorgen - und da denken wir an die Dinge bzw. Zustände, die uns tatsächlich beunruhigen. Allein, dass wir sie Gott nennen - sie im Gebet vor Gott aussprechen - das nimmt uns die Sorge. Nicht, dass alles "besser" wird dadurch. Aber es ist aufgehoben bei IHM. Schliesslich spricht Paulus der Gemeinde nicht ein bisschen Frieden zu, sondern einen Frieden, der eigenartig, ja kurios ist. Er ist umfassend. Der Friede, den Gott geschaffen hat, ist "grösser als alle Vernunft".


Sonntag, 7. Februar 2021
Ulrike schreibt: Die erste wichtige Nachricht vorneweg. Die SCHWEIGE-EXERZITIEN IN RASA vom 13.-18. März 2021 sind abgesagt worden. Das Campo Rasa, also der Hotelbetrieb, hat den Entscheid getroffen, die Kurse wegen Corona noch nicht im März beginnen zu lassen. Wolfgangs Schweige-Exerzitien sind ja immer der erste Kurs in jeder Saison. Wolfgang schreibt gerade an einem Brief an alle die, die sich angemeldet haben. Es ist ein Verlust, dass der Kurs nicht stattfinden kann, und zwar für uns alle.

Wolfgang wird euch auch sagen, welche Kurse mit ihm und mit mir in diesem Jahr - so Gott will - stattfinden. Vielleicht mag ja der eine oder andere in einem späteren Monat nach Rasa oder nach Moscia kommen. Zum Beispiel zum Kurs Segnende Seelsorge in Rasa [22.-25. April] oder zum Bibel-Urlaub in Moscia [4.-10. Juli].

Heute haben wir einen Kurs LESEN-BETRACHTEN-WEITERGEBEN vorbereitet. Es ist ein Praxis-Kurs, der an zwei Wochenenden stattfindet [10./11. und 17./18. April 2021]. Wolfgang und ich bieten an, das betrachtende Gebet kennenzulernen und zu üben. Betrachtung ist ein sehr alter christlicher Weg. Es ist auch der Weg, auf dem Wolfgang und ich uns biblischen Texten nähern, sie erschliessen und weitergeben. Die Zahl der Plätze ist begrenzt, es braucht eine verbindliche Anmeldung. Hier findet ihr den Flyer:

Heute haben wir in unserem KURS ZUM PETRUSBRIEF einen Impuls zu 1. Petrus 4,1-5 veröffentlicht (links bei Petrusbrief-Online). Wie verstehen sich die Gemeinden, an die Petrus schreibt und wie verstehen sich viele Gemeinden heute?

Wir meinen, dass wir Gemeinde heute kaum noch als Gemeinschaft erleben, die einen gemeinsamen Weg geht. Wir begegnen heute vielen einzelnen Christen, die je für sich ihren Weg durchaus ernsthaft gehen. Pastoren sind kaum mehr mit der Gemeinde als ganzer unterwegs. Sie werden von Einzelnen gerufen; sie sind Mediatoren in Beziehungsfragen, Zuhörerinnen für Menschen, die in seelische Not geraten sind, Mentoren in Lebensphasen. Das hat alles seine Berechtigung. Nur: Das sind lauter Aufgaben, die im Blick auf einzelne Menschen wahrgenommen werden. Werden diese Aufgaben gut gelöst, sind die Menschen vermutlich dankbar. Aber sie haben keinen Schritt in Richtung Gemeinschaft getan. Der Aspekt des Gemeinschaftlichen droht uns bei dieser Weise, die Arbeit in der Kirche zu verstehen, verloren zu gehen. ... Wie also würde es heute aussehen, wenn Menschen im Glauben miteinander unterwegs sind? Wie würde es aussehen, wenn wir einander im Bild von Herde und Hirten wahrnehmen würden?


Montag, 1. Februar 2021
Ulrike schreibt: Wolfgang hat mich auf den Rabbiner Dr. Abraham Twerski hingewiesen. Twerski war Psychiater und ist gestern in hohem Alter gestorben. Hier ist ein Beitrag von ihm. "Was wir von einem Hummer lernen können". Das Video dauert etwas mehr als eine Minute und ist wirklich interessant und einleuchtend:





Samstag, 30. Januar 2021
Ulrike schreibt: Gestern waren Wolfgang und ich in Basel, ein Paar neuer Schuhe abholen. Wolfgang kann keine handelsüblichen Schuhe tragen, wie man mit einem Blick auf seine Füsse schnell sieht. Es sind wirklich Kleinigkeiten, die der junge Schuhmacher zum Schluss noch korrigiert. Hier gibt er dem Fuss ein Paar Millimeter mehr Luft, da hat er eine Idee, wie sich der Verschluss leichter erreichen lässt. ... Die meiste Zeit sitzt man als Kunde daneben und wartet. Während der Schuhmacher arbeitet. Zum Schluss sage ich: "Das braucht schon ganz schön viel Zeit, nicht wahr?" Also: So viel Zeit für so kleine Sachen.

Am Abend hat sich das wiederholt. Unsere Heizung funktionierte plötzlich nicht mehr. Ein Handwerker kam, und hat den Schaden schnell entdeckt. Aber dann dauerte es lange mit dem Versuch, den Schaden zu beheben. Und ich dachte: Mein Gott, braucht das viel Zeit, so ein kleines Teil zu ersetzen.

Im geistlichem Leben und in der menschlichen Reifung erwarten wir ebenfalls, dass es "husch, husch" geht. Dass sich das Herz von heute auf morgen ändert. Dass sich Barmherzigkeit und Liebe ganz schnell und wie von selbst einstellen. Aber so ist das nicht. Dafür ist uns unser ganzes Leben gegeben. Wir haben die Zeit dafür bekommen. Dass wir im Glauben wachsen. Dass wir in der Liebe wachsen. Dass die Hoffnung in uns immer leuchtender wird.

Übrigens liess sich der Heizkessel gestern nicht reparieren. Da ist noch ein bisschen Wartezeit angesagt - und auch das kann ein Gleichnis sein. Der Monteur war da, aber er muss noch einmal wieder kommen; mit einem neuen Heizkessel :-)


Freitag, 29. Januar 2021
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich haben für Oktober 2021 (Sonntag, 3.10. bis Montag, 11.10.) zu einer Reise nach Israel eingeladen. Wir werden mit Assaf Zeevi sowohl die "Hauptorte des Glaubens" besuchen, wie auch selten besuchte biblische Orte. Drei Tage werden wir in einem Kibbuz direkt am Ufer des Sees Genezareth sein. Wolfgang und ich halten - so weit man es planen kann - an dieser Reise fest. Kultour-Reisen, der Veranstalter, ist zuversichtlich, dass Israel-Reisen im Herbst stattfinden können; einfach, weil Israel impftechnisch gut aufgestellt ist. ... Falls es im Herbst eine Quarantäne-Pflicht geben sollte (bei Einreise in die CH oder bei Einreise nach Israel), wird Kultour von sich aus die Reise annullieren. Falls es eine Impfpflicht für Einreisende nach Israel geben sollte, können diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, kostenneutral umbuchen. Vielleicht reicht auch ein negativer Test vor Reiseantritt. Das weiss jetzt noch keiner. Wer sich in diesen Wochen für unsere Israel Reise anmelden will, ist von der Anzahlung befreit.

Hier verlinken wir euch unseren Flyer: ISRAEL-2021-Flyer sowie ISRAEL-2021-Anmelde-Talon. Wolfgang und ich freuen uns auf die Orte, die wir als Gruppe besuchen werden. Ich möchte Sichem wiedersehen und Bethel, will noch einmal nach Shilo hochlaufen, wo die Stiftshütte stand, und möchte mit euch auf dem Garizim stehen. Und noch einmal lebendig werden lassen, was hier geschah.

Von Assaf Zeevi - unserem Reiseleiter - erscheint anfangs März 2021 ein Buch (Hardcover sowie als Kindle-E-Book): Lass das Land erzählen. Eine Reise durch das biblische Israel. Lass-das-land-erzaehlen Vielleicht mögen ja einige von euch das Buch mit uns zusammen lesen.


Donnerstag, 28. Januar 2021
Ulrike schreibt: Wir unterhalten uns jeden Tag über den 1. Petrusbrief. Die gemeinsame Beschäftigung mit diesem biblischen Text nimmt uns zeitlich und auch inhaltlich ganz schön in Anspruch. Danke für die Echos aus der Gruppe «PETRUSBRIEF-ONLINE». Im Impuls für heute geht es um BEZIEHUNGEN, um GLAUBEN und um LIEBE. Viele sagen von sich, dass sie eine Beziehung zu Gott haben. Was heisst das? Und was bedeutet es, wenn jemand sagt, er würde seinem Gegenüber glauben? Den Glauben gibt es in unserem Leben in unterschiedlichen Qualitäten. Es gibt verschiedene Weisen, Tiefen, Ernsthaftigkeiten des Glaubens, nach denen gefragt werden kann und die man beschreiben kann. … Dass Glaube unterschiedlicher Qualität sein kann, heisst nicht, dass man darum „mehr“ oder „weniger“ gerettet wäre. Es gibt nur eine Rettung. Glaube aber kann und soll sich vertiefen, soll reifen, reiner und schöner werden – was ein grosses Thema im ersten Petrusbrief ist. ... Die Liebe beschreibt die Weite und die Tiefe, in der wir unseren Glauben leben sollen. Mehr dazu findet ihr links bei Petrusbrief-Online.


Samstag, 23. Januar 2021
Ulrike schreibt: Wie geht es euch und Ihnen mit unseren Beobachtungen zur Persönlichkeitsbildung? Sie finden den Beitrag links bei Petrusbrief Online (unter dem Datum vom 21. Januar). Wir hatten gesagt, dass unsere Persönlichkeit auf dreifache Weise ausgebildet wird. Wir sind durch äussere Umstände herausgefordert, wie wir auch durch innere Bilder geprägt und bestimmt sind. Wie antworten wir auf diese Herausforderungen?

- Zum einen, in dem wir unser Handeln bzw. unsere Fähigkeiten ausbilden. Unsere Fähigkeiten werden ausgebildet, indem wir uns im konkreten Verhalten üben.
- Zum andern, indem wir uns an Jesus Christus orientieren. Unser Charakter wird dadurch gebildet, indem wir unseren inneren Blick auf Jesus richten. Wir schauen nicht nur auf sein Verhalten, also auf seine Tätigkeiten, sondern vor allem auf seinen Charakter, also auf seine Gesinnung.

Wolfgang hatte als Beispiel das Üben von Gastfreundschaft genannt, auf das hin die Gemeinde in 1. Petrus 4,9 angesprochen wird. Meine Wahrnehmung ist die, dass ich mich selbst und unsere Gemeinde als schwach im Handeln wahrnehme. Nicht, dass nicht alle irgendwie beschäftigt wären. Aktivitäten haben wir viele. Aber allein bezogen auf die Frage der Gastfreiheit: Wer ist bei uns in der Gemeinde und wer ist bei uns Zuhause zu Gast? Wer darf, kann, will eine Weile mit uns mitleben - und dann vielleicht weiterziehen? Warum klopft niemand an unsere Türen? Ist es so, dass kaum jemand etwas von uns und unserem Tun erwartet? Das ist jedenfalls meine Wahrnehmung.

Der dritte Bereich der christlichen Persönlichkeitsbildung ist der der Ziel- und Wegfindung. Ich meine, dass Wolfgang und ich hier schon lange einen Schwerpunkt in unseren Kursen und Vorträgen haben: Man kann lernen, von den Weg-Geschichten der Bibel her seinen eigenen Weg zu finden und dann zu gehen. Und man sollte das entschlossen und zuversichtlich tun.

An diesem Wochenende laden wir dazu ein, anstelle eines weiteren Impulses noch einmal den Beitrag vom 21. Januar zu lesen, zu vertiefen und darüber auszutauschen. Ziel: Wir kommen miteinander ins Gespräch über unsere Persönlichkeitsbildung. Was fällt euch zu den drei genannten Schwerpunkten auf? Was ist euch wichtig geworden? Viele von euch sind mit uns in einer WhatsApp Gruppe zum Petrusbrief verbunden. Da könnt ihr eure Gedanken, Wahrnehmungen und Vorschläge posten, oder ihr könnt uns ein Mail schreiben. — Mit dem nächsten neuen Impuls zum Petrusbrief geht es dann am Dienstag, 26. Januar, weiter.

Bald werden Wolfgang und ich aus Datenschutzgründen das Programm WhatsApp verlassen und voraussichtlich zum Messenger Dienst Threema wechseln. Wir geben euch früh genug Bescheid. Noch nicht sicher ist, ob wir auch das Programm Signal benutzen werden.



Mittwoch, 21. Januar 2021
Ulrike schreibt: Für heute hat Wolfgang einen Impuls geschrieben, in dem es um christliche Persönlichkeitsbildung geht. Ihr findet den links unter Petrusbrief-Online. Bei der Bildung bzw. Reifung unserer christlichen Persönlichkeit geht es um eine Art Ausbildung, bei der sich einige Stufen deutlich voneinander unterscheiden lassen. Petrus spricht in seinem Brief relativ deutlich davon.

• Es geht um unsere Fähigkeiten bzw. Handlungen: WAS kann und habe ich zu tun?
• Es geht um unseren Charakter, die Formung unseres christlichen Daseins: WER kann, soll und will ich sein?
• Es geht um die Wege, die ich wähle, sowie um die Ziele, die ich mir setze: WOHIN will ich kommen und WELCHE WEGE schlage ich dafür ein?

Wir meinen, dass der Hinweis auf drei Aspekte der Persönlichkeitsbildung einem auch die Augen über sich selbst öffnen kann. Wir werden in den nächsten Tagen - wahrscheinlich :-) - mehr dazu sagen.

Ich bin heute in drei ZOOM-Sitzungen unserer Kirchgemeinde. Zwei davon dienen der Planung, bzw. Vorbereitung von Veranstaltungen, eine dem Austausch. Für einen Geburtstagsbesuch werde ich einem Gemeindemitglied Blumen und Karte an die Haustür bringen.


Sonntag, 17. Januar 2021
Wolfgang schreibt: Es ist schon erstaunlich, wie man gerade bei bekannten Geschichten immer wieder überraschend Neues entdecken kann. So ging es mir heute, als ich Ulrikes Predigten in Liestal und in Seltisberg über die Hochzeit von Kana (Johannes 2,1-11) hörte. Wie zart doch die Geschichte ist. Jesus verhindert die ganz grosse Beschämung des Bräutigams. Der war für Verpflegung und für Wein verantwortlich. Eine unbekannte Zahl von Gästen ist während sieben Tagen zu bewirten. Die Hochzeitsfreude ist etwas Heiliges. Sie darf nicht verletzt werden. Doch nun geht der Wein aus. Was alles steht jetzt auf dem Spiel? Was alles wird plötzlich sichtbar?

Ihr könnt die Predigt (es ist die Fassung von Seltisberg) gleich hier anhören:



Ganz unten auf dieser Seite [dort, wo die Buchstaben blau werden] könnt Ihr diese Predigt herunterladen unter: 2021-Hochzeit von Kana.


Samstag, 16. Januar 2021
Ulrike schreibt: Eine dicke Schneedecke liegt über allem. Der Blick in den Garten, hinüber zum Passwang und hoch zum Schleifenberg ist wunderschön. Trotz des Schnees bin ich heute den Schleifenberg hochgelaufen - mit Spikes an den Schuhen, was wunderbar ging. Viele Bäume sind unter der Last des Schnees zusammengebrochen oder liegen schwer von Schnee über den Wegen, so dass man unter den Ästen durchkriechen muss.

Morgen feiere ich Gottesdienst in Liestal und Seltisberg. Ich halte mich an den vorgeschlagenen Predigttext Johannes 2,1-11., die Hochzeit zu Kana. Am Donnerstag war ich nach mehrwöchiger Pause einmal wieder zum Gottesdienst im Altenpflegezentrum. Wir haben die Gottesdienste in den Wohngruppen gefeiert, das heisst, parallel zueinander und nacheinander. Das ist eine grosse Leistung, die den alten Menschen abverlangt wird - mit so wenig Kontakten nach aussen hin zu leben.

Morgen Nachmittag - von 17 bis ca. 18 Uhr - laden Wolfgang und ich euch zum ZOOM ein. Wir möchten 1. Petrus 3,13-17 zum Ausgangspunkt des Gesprächs nehmen: Petrus erinnert die Christinnen und Christen in Kleinasien immer wieder an ihr Verhalten, an ihren "Way of Life". Er meint, dass an ihrer Art zu leben, etwas von der "Hoffnung" sichtbar wird, die sie durch Jesus Christus haben. Wir finden das spannend. Wie ist das bei uns heute? Was sehen Menschen an uns? An welchem Verhalten kommt unsere Hoffnung zum Ausdruck? Ihr findet den ZOOM Link links bei Petrusbrief Online.


Montag, 11. Januar 2021
Ulrike schreibt: Hier könnt ihr die drei Meditations-Impulse von gestern Abend zu Jesaja 44,1-4 anhören. Diese erste Abendfeier führt ins Hauptthema des Jahres «FÜRCHTE DICH NICHT!» ein. Sie steht unter dem Thema «Getröstet - Erwählt - Gesegnet».

Den Zugang zu diesen drei Impulsen gibt es also gleich hier:




Sonntag, 10. Januar 2021
Ulrike schreibt: Heute Abend ist in der Stadtkirche Liestal Abendfeier. Wir haben als Jahresthema das "Fürchte dich nicht", das Gott seinem Volk immer wieder zusprechen lässt. Unser Team hat sich verändert - als Gründungsteam der Abendfeier waren wir 12 Jahre miteinander unterwegs. Das ist wirklich lang. Wolfgang und ich werden an zwei Wochenenden im April einen Kurs anbieten. Da üben wir das Betrachten einer biblischen Geschichte, das Strukturieren und das freie Reden. Wenn Sie Interesse haben, merken Sie sich den 10./11. und 17./18. April 2021.

Heute Abend werden wir Jesaja 44,1-4 betrachten. Ein unglaublich schönes und starkes Trostwort. Die Impulse heissen GETRÖSTET - ERWÄHLT - GESEGNET.


Samstag, 9. Januar 2021
Ulrike schreibt: Wenn Sie links Petrusbrief Online klicken, finden Sie Impulse, um mit uns zusammen den ersten Petrusbrief zu lesen. In dieser Woche haben wir gefragt, in welchem gesellschaftlichen Setting die frühen christlichen Gemeinden in Kleinasien leben. In seinem Brief beschreibt Petrus ein Umfeld, das klar in „oben“ und „unten“ eingeteilt ist. Es scheint klar zu sein, wohin jede und jeder gehört. Petrus spricht vier verschiedene Beziehungsgefüge an. Viermal schreibt er den Gemeinden „Seid untertan!“ (2,13.18; 3,1 und 5,5). Als Einwohner sollen sich die Christinnen und Christen der Obrigkeit unterordnen, die christlichen Sklaven sollen sich den ‘Herren’ unterordnen, die christlichen Frauen ihren Männern, die christlichen jungen Leute den älteren.

Interessanterweise sind die Christinnen 'eigentlich', das heisst durch den Glauben an Jesus frei geworden. Sie sind nicht mehr an gesellschaftliche Einteilungen in "oben" und "unten" gebunden. Frei sind sie, weil der Glaube – das neue Leben, das durch Jesus begonnen hat – die Unterschiede zwischen ihnen aufhebt (Galater 3,26ff).

Petrus fragt also, wie durch den Glauben erneuerte Menschen (Christen) in der für ihre Zeit relevanten Gesellschaftsstruktur – z.B. im röm. Kaiserreich – leben sollen. Wie lebt man als Christin bzw. als Christ in der Ehe, in Sklaven/‘Herren‘-Beziehungen, im Staat, im Verhältnis von jungen und alten Menschen usw.? Das sind ja Strukturen, zu denen man sich verhalten muss. Im Impuls für Morgen denken wir darüber nach, was wir, die wir als Christinnen und Christen in einer demokratisch organisierten Gesellschaft leben, von Petrus lernen.


Sonntag, 3. Januar 2021
Wolfgang schreibt: Es hat sich in den letzten Jahren eingebürgert, dass zum Jahresanfang über die Jahreslosung gepredigt wird. Ulrike hat heute keine Ausnahme gemacht und über die neue Jahreslosung 2021 gepredigt: «Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist» (Lukas 6,36).

Sie ist befreiend und verpflichtend zugleich. Befreiend weil wir in unserem Verhalten zu anderen nicht mehr 'rechnen' müssen … Verblüffend der Hinweis, dass diese Botschaft nicht nur uns als Einzelne angeht, sondern auch uns als ganze Gemeinde. Wie reden die Menschen von uns, von unserer Gemeinschaft? Kann man an unserem Verhalten Gottes Barmherzigkeit lernen? Jesu Wort ist erstaunlich vielfältig, befragt uns ernsthaft und spricht uns ebenso ernsthaft frei. — Eine Predigt zu einem guten Jahresanfang. Ebenso und vielleicht vor allem eine Predigt, die man sich während des Jahresverlaufs immer wieder anhören muss: allein, als Freunde, im Gemeindekreis, als Kirchgemeinde. Immer wieder. Mit seinem Wort stellt Jesus in eine Freiheit, die wir nicht verlieren dürfen. Und gleichzeitig stellt er uns in eine Verpflichtung, aus der wir nicht aussteigen können.

Die Predigt könnt Ihr gleich hier anhören:


Ganz unten auf dieser Seite [dort, wo die Buchstaben blau werden] können Sie diese Predigt herunterladen unter: 2021-JAHRESLOSUNG: BARMHERZIGKEIT.


Mittwoch, 30. Dezember 2020
Ulrike schreibt: Ziemlich von jedem, mit dem ich rede, höre ich, dass dieses Jahr "schnell" vorbei gegangen ist. Auch Wolfgang und ich erleben das so. Vor einem Jahr - also Anfang Januar 2020 - haben wir begonnen, die Johannesoffenbarung mehrmals zu übersetzen und zu lesen. Im März haben wir mit vielen von euch die Gruppe Online-in-die Offenbarung gestartet, und bis in den Juni hinein miteinander gelesen ... Wolfgang und ich haben für uns selbst dann auch weiterhin jeden Tag übersetzt, vor allem Bücher des Alten Testaments. Morgen zum Beispiel werden wir das Buch Josua zu Ende gelesen haben. Dieses sorgfältige Lesen ist ungalublich nährend. Man kann vom Wortlaut her so viele Beobachtungen machen, die verblüffen, etwas verdeutlichen und noch einmal neu hinschauen lassen, wie Gott mit seiner Welt unterwegs ist. ... Seit Anfang Dezember lesen wir nun mit einigen von euch den ersten Petrusbrief. Hier habe ich neu sehen gelernt, wie die christliche Gemeinde ihren Weg vom Weg Israels her versteht. Die Sprache des Petrusbriefs ist voll von Anklängen, vor allem an die Exodusgeschichte. Man lernt an Gottes Weg mit Israel, auf welche Weise Gott mit Menschen unterwegs ist, wie er führt. Man lernt, worauf unbedingt Verlass ist, wo Gefährdungen liegen, wie sehr Zuspruch benötigt wird. ... Wer Interesse hat, kann links bei Petrusbrief-Online klicken und die Impulse nachlesen oder mitlesen.

Für mich gab es ausser dem Bibel-Lesen noch eine zweite Konstante in diesem Jahr. Ich war an fast jedem Tag laufen oder schwimmen. Und das nach 35 Jahren ohne Sport. ...Schwimmen war ich vor allem im Sommer im wunderbaren Freibad kurz vor Rheinfelden. Am schönsten waren die kalten Tage und die Regentage, wo man die Schwimmer/innen an einer Hand abzählen konnte. Das Laufen habe ich mittlerweile zu meinem Tagesschluss gemacht.

In der Kirchgemeinde habe ich in diesen Wochen Beerdigungsbereitschaft und bin ab und zu auf dem Friedhof. Morgen feiere ich Jahresschlussandacht - um 17.30 Uhr in der Stadtkirche. Ich will mit der Gemeinde das Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen" von Dietrich Bonhoeffer betrachten. Ich denke, man kann etwas daran lernen. Das "Geborgensein" setzt nicht erst ein, wenn alles gut geworden ist. Es ist schön und ein grosses Geschenk, wenn etwas gut werden darf ("noch einmal Freude haben, an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz"). Aber das ist für Bonhoeffer keine Bedingung. Er kann sich in einen grösseren Zusammenhang einordnen ("dann lass uns hören jenen vollen Klang: der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet"). ... Die Andacht morgen ist eine Fortsetzung der Heiligabend Predigt. Unsere Freude hängt nicht an einer Bedingung, nicht an einem "Wenn". Sie macht sich an dem fest, was Gott für uns bereits getan hat.


Freitag, 25. Dezember 2020
Wolfgang schreibt: So schnell vergeht die Zeit, und schon ist wieder Weihnachten. In aller Vergänglichkeit gibt es etwas, das bleibt. Es ist die Freude, die uns durch das Evangelium zugesagt wird. Ulrike macht in der Predigt über Lukas 2,10-11 auf einen grundlegenden Unterschied aufmerksam. Wir erwarten die Freude oftmals dann, wenn unsere Bedingungen erfüllt sind bzw. erfüllt werden. Es ist eine Freude WENN … Und daneben steht die Freude, wenn Gott uns ohne jede Bedingung reich beschenkt. Es ist eine Freude WEIL … Aber hören Sie selbst …





Donnerstag, 24. Dezember 2020
Ulrike schreibt: Wir wünschen euch von Herzen frohe Festtage. Ich, Ulrike, werde heute um 22.30 Uhr in der Stadtkirche einen Heiligabend Gottesdienst feiern. In unserer Kirchgemeinde feiern wir alle Gottesdienste wegen der beschränkten Teilnehmerzahl (maximal 50 Personen) parallel: in der Kirche und zeitgleich im Gemeindesaal.

Ich werde heute über die FREUDE predigen. Ich unterscheide zwischen einer «Freude, wenn ...» und eine «Freude, weil ...» Der Engel der Weihnachtsgeschichte sagt den Hirten an, dass die Freude «da» ist. DENN euch ist heute der Herr geboren. Die Weihnachtsfreude ist eine «Freude, weil ....»! Wir lesen zwei Verse der Weihnachtsgeschichte:

«Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Herr geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.» Lukas 2,10-11

Viele von uns machen ihre Freude von einem "Wenn" abhängig: Wenn dies und jenes eintreffen wird, dann werde ich mich freuen. Dann werde ich erleichtert sein und aufatmen. Dann wird es weit in mir werden. … Wer so denkt, macht seine Freude von einer Bedingung abhängig. Es muss sich etwas ändern für mich, und DANN werde ich mich freuen können. Machen wir uns klar: Für die Hirten auf den Feldern bei Bethlehem hat sich in dieser Nacht nichts geändert. Ihre Arbeitsbedingungen wurden nicht besser, sie haben keinen Lohnzuschlag bekommen in dieser Nacht, sie hatten auch nicht plötzlich Family-Time.

Wenn wir unsere Freude von einem «Wenn» abhängig machen, ist es fraglich, ob sie jemals eintreffen wird. Ich bezweifle das. Denn mit dem «Wenn nur dies zuvor anders wird ...» kommt man nicht zu einem Ende. Vielleicht trifft das Erhoffte ein - und einen kurzen Moment wird es leicht in einem. Bis schlagartig die nächste Sorge im Herzen Platz nimmt und ein neues «Wenn …» auftaucht.

Auf den GRUND der Freude, hören wir im zweiten Teil der Predigt. Es ist derjenige geboren, der Herr ist, der Christus/Gesalbter/Messias ist, der Retter ist, der in der Stadt Davids zur Welt kommt. Was heisst das? … Das sind lang erwartete Geschichten, die hier zum Ziel kommen. Weihnachten ist keine «plötzliche» Angelegenheit. Da kommt eine Geschichte zu ihrem Ziel und Höhepunkt, die «vor Grundlegung der Welt» (1. Petrus 1,20) ihren Anfang genommen hat.

Schluss der Predigt ist, dass die Hirten diesen Grund der Freude nun auch FINDEN. Sie gehen nach Bethlehem und schauen nach. Sie werden aufgefordert, zu verifizieren, was sie gehört haben. Auch wir finden Jesus in unserem Leben. Und das ist Freude!


Links bei Petrus Online findet ihr eine - meines Erachtens - extrem gute Beobachtung darüber, wie Petrus mit den Gemeinden redet. Verkürzt würde man sagen, dass er die Menschen sowohl tröstet als auch ermahnt. Und zwar andauernd, ständig. Im Griechischen ist das ein einziges Wort, da wird - interessanterweise - nicht zwischen trösten und ermahnen unterschieden. Petrus begegnet den Menschen mit einem "kräftigen Zuspruch". So nennen wir das in diesem Impuls. ... Für die Seelsorge ist der heutige Impuls meiner Meinung nach wichtig.


Sonntag, 20. Dezember 2020
Ulrike und Wolfgang schreiben: Im Impuls zum 1. Petrusbrief geht es heute um das Lieben, um Gottes Lieben und um unser Lieben. Wann hat alles angefangen? Wann bin ich Gott das erste Mal aufgefallen? Worüber verfüge ich und worüber verfüge ich nicht? Wie bleibt das Lieben lebendig? ... Der Text dafür ist 1. Petrus 1,20-25. Sie finden die Betrachtung links bei Petrusbrief Online. Wir wünschen euch einen schönen Sonntag und einen gesegneten vierten Advent.


Donnerstag, 17. Dezember 2020
Ulrike schreibt: Heute Vormittag war ich ein paar Stunden in der Kirchgemeinde unterwegs - ich habe von verschiedenen Gemeindemitgliedern etwas abgeholt. Und zwischendurch auf dem Weg habe ich für jemanden ein Tannenbäumchen gekauft, das dann noch geschmückt werden musste. XY hat gesagt, ich soll das Bäumchen doch in seiner Stube schmücken. Da sass ich dann in der Küche, der Ofen bollerte vor sich hin und es lief leise Schlagermusik im Radio. Nebenan haben die Männer einander beim Einrichten ihrer Computer geholfen. Das war SEHR weihnachtlich, sehr geschwisterlich. ... Und an vielen anderen Orten war es das heute auch.

Gestern haben wir mit einer Gruppe der Kirchgemeinde den Advent per ZOOM gefeiert. Ich fand es schön, einander zu sehen, aber ansonsten war es ziemlich mühsam. Gemeinsam - also vor den Bildschirmen - zu singen ist ja ein Ding der Unmöglichkeit; es sei denn, jeder schaltet sich auf "stumm" ...

Später am Abend haben wir uns per ZOOM zu einem Bibelgesprächskreis getroffen. Das geht deutlich besser, weil die Gesprächsstrukturen klarer sind. Heute Abend werde ich zum ersten Mahl an einem Abendmahl, das per per WhatsApp gefeiert wird, teilnehmen. Die beiden jungen Pfarrkollegen aus Gelterkinden, einem Nachbarort von uns, laden dazu ein. Abendmahl per WhatsApp klingt nicht sehr "attraktiv", aber es auszuprobieren und mitzufeiern, schadet nicht. Wer weiss, was man daran entdecken und lernen kann.

Sonntag findet ihr den Impuls zum 1. Petrusbrief, zum Ende von Kapitel 1, auf unserer Homepage (links bei Petrusbrief Online). Wolfgang und ich finden ihn ausgesprochen gut und leicht verständlich. Es geht um den Zusammenhang von Glauben und Lieben.


Montag, 14. Dezember 2020
Ulrike schreibt: Wenn Sie unsere Impulse zum 1. Petrusbrief mitlesen möchten, können Sie das links unter Petrusbrief Online tun. Wir veröffentlichen die Impulse - bis auf weiteres - jeweils am Sonntag, am Dienstag und am Donnerstag. Morgen beginnt mit Kapitel 1,13 ein neuer Abschnitt. Nach einem ausführlichen Lob Gottes fragt Petrus von nun an, wie ein entsprechender "Way of Life" aussieht. Luther übersetzt mit "euer ganzer Wandel". Wie also sollen wir leben? Was heisst es für unser Tun, dass Gott uns in ein neues Leben gerufen hat?

Ich finde es erstaunlich, dass Petrus (1,13) damit einsetzt, dass wir die "Lenden unseres Urteilsvermögens gürten und nüchtern" sein sollen. Die "Lenden zu gürten" meinte in der damaligen Welt, sich für den Aufbruch fertig zu machen. Man raffte das lange Kleid und steckte es oben in den Gürtel, damit man nicht darüber stolperte. Und dann ging man los. Christinnen und Christen sollen ihr Urteilsvermögen "gürten". Sie sollen sich durch gutes Unterscheiden gut fortbewegen können auf ihrem Weg. Was kommt von Gott her und was sieht nur so aus, als würde es von Gott her kommen? "Nüchtern" sollen sie ihren Weg gehen und nicht wie ein Trunkener unschlüssig in verschiedene Richtungen stolpern. ... Mehr dazu morgen.

Auf der Suche nach einem bestimmten Buch bin ich auf einen Ordner mit meinen Grundschul-, also Primarschulzeugnissen gestossen. Den habe ich seit dem Umzug nach Liestal nicht mehr in der Hand gehabt. Aus Neugierde habe ich das Zeugnis der ersten Klasse gelesen und bin verblüfft. Da schreibt meine damalige Lehrerin über das siebenjährige Kind, und ich fühle mich noch heute als 50+jährige angesprochen. "Ulrike beteiligt sich rege und kritisch am Unterricht .... Ihr Problemlösungsverhalten ist ausgeprägt und kreativ" usw.. Ich glaube schon, dass es nicht daran hängt und nicht immer stimmt, was andere an einem wahrnehmen. Aber es ist verblüffend und schön, wenn man merkt, dass man gesehen wurde bzw. wird. Mich hat dieses Zeugnis tatsächlich auf eine Spur gesetzt und lange Vergessenes wieder erinnert.


Sonntag, 6. Dezember 2020
Ulrike schreibt: Heute geht es los mit dem gemeinsamen Lesen des ersten Petrusbriefs. Ihr findet den Impuls zum Anfang des Briefs links, wenn ihr auf ‹Petrusbrief-Online› klickt. Wolfgang und ich machen es so, dass wir die Auslegungen für euch im Wechsel schreiben. Wer gerade nicht schreibt, liest gegen und fragt nach. An Wolfgangs Impuls für heute war mir einiges überraschend neu, zum Beispiel, dass Gottes erwählendes Handeln ein Warum, ein Wodurch und ein Wohin hat. Petrus ordnet das dem Vater, dem heiligen Geist, dem Sohn zu.

Ich habe verschiedene Menschen per Mail eingeladen, beim Petrusbrief Lesen mitzumachen. Eigentlich möchte ich vielen einzeln schreiben und nicht per Rundmail, aber ich schaffe es oft nicht. Manchmal bekomme ich Rückmeldungen, die beglückend für mich sind. Ich habe vor fünfzehn Jahren Frau XY in Eisenhüttenstadt taufen dürfen. So wie ich als Christin und Pfarrerin engagiert war, so war sie es als Sozialistin und Schulleiterin - eben mit Herzblut. Aus der Begegnung ist eine Freundschaft geworden, auch wenn wir uns nicht mehr oft gesehen haben. Nun schreibt mir XY, dass sie mittlerweile im Altenpflegezentrum wohnt: "Da niemand Fremdes ins Heim darf, übernehme ich mit einer Gitarre die Adventssonntage. Zum Fest bereite ich mich auf eine kleine Feier mit gemeinsamen Gebet vor. Du siehst, Deine Überzeugungsarbeit trägt noch am alten Baum Früchte. Ich umarme Euch in aller Herzlichkeit und wünsche frohe Weihnacht!"

Wer in Eisenhüttenstadt Christin ist, gehört zu denen "in der Verstreuung" - wie es im ersten Petrusbrief heisst. Der Anteil der Kirchenmitglieder (beider Konfessionen) liegt bei deutlich unter 10% der Einwohnerinnen und Einwohner.


Donnerstag, 3. Dezember 2020
Wolfgang schreibt: Am Montag, 30. November, hatten wir den dritten Abend unserer Reihe zu den 'Christian Basics'. Diesmal zum Glaubensbekenntnis. Die Lösung, diese Abende sowohl 'leibhaftig' im Saal des Kirchgemeindehauses als auch gleichzeitig 'online' über das Internet (über das Programm 'Zoom') anzubieten, hat sich bewährt. Bei den inhaltlichen Impulsen ging es um die Frage, was eigentlich ein Bekenntnis ist. Es ist ja schon eine spannende und vielfältige Geschichte: von den Evangelien bis zu den grossen christlichen Bekenntnissen, der theologischen Erklärung von Barmen (1934) und zur Leuenberger Konkordie (1973), in der die Kirchen der Reformation zur kirchlichen Einheit gefunden haben.

Eigentlich fehlen jetzt noch weitere Abende, damit wir uns in die vielfältigen Inhalte der klassischen Bekenntnisse vertiefen können: was bedeutet die Trinität, der Ausdruck 'Schöpfung', die Jungfrauengeburt, die Auferstehung, das Gericht usw. … Es gibt also noch genügend Themen für weitere Treffen an unseren BIBEL-SALON-Abenden.

Den Vortrag vom Montag können Sie gleich hier anhören:




Mittwoch, 2. Dezember 2020
Ulrike schreibt: Ab dem 6. Dezember 2020 - also ab Sonntag - laden Wolfgang und ich zum gemeinsamen Bibellesen ein. Wir veröffentlichen auf unserer Homepage kurze Impulse zum ersten Petrusbrief. Sie finden sie, wenn Sie links im blauen Feld auf PETRUSBRIEF-ONLINE klicken.

SICH AN JESUS ORIENTIEREN

Das Thema des ersten Petrusbriefs ist überraschend modern. Petrus schreibt an verschiedene Gemeinden in Kleinasien, dem Gebiet der heutigen Türkei. Sie leben verstreut als Minderheit in einem Umfeld, das den Glauben an Jesus nicht teilt. Die Gemeinden werden nicht wirklich verfolgt. Aber im Alltag werden sie in ihrem Glauben und vor allem in ihrer Lebensführung bedrängt. Soll man sich anpassen? Oder soll man sich zurückziehen und seinen Glauben verschweigen? Petrus geht in seinem seelsorgerlichen Rundbrief auf diese Spannung ein: Assimilation oder Isolation — Anpassung oder Abschottung? Wie lebt man mit seiner Umgebung im Frieden und bleibt trotzdem seinem Glauben an Jesus treu? Wie kann man Einschränkungen oder Schikanen, denen man wegen seiner christlichen Lebensweise ausgesetzt ist, freimütig auf sich nehmen, ohne sich dabei aufzureiben? Wo findet man Orientierung, um als Christ glaubwürdig leben zu können? Für Petrus war Jesus Christus in seinem Verhalten ein überraschend klares und überaus praktisches Vorbild.

MACHEN SIE SELBST EINE GRUPPE AUF

Vielleicht haben Sie vor Ort ein paar Menschen, mit denen Sie den ersten Petrusbrief lesen. Vielleicht ist das ein Hauskreis, vielleicht ist das die eigene Familie, oder es sind ein paar Freundinnen. Die Anregungen und seelsorgerlichen Hilfen, die Petrus den Gemeinden schreibt, sind sehr praktisch. Sie können sie miteinander ausprobieren, sie können füreinander beten.

AUCH WIR BIETEN EINE GRUPPE AN

Wie beim Lesen der Offenbarung im Frühjahr 2020 können Sie an einer WhatsAppGruppe teilnehmen. Sie heisst Petrusbrief-Online. Die Gruppe ist ein Ort, um miteinander ins Gespräch zu kommen: um Fragen zu stellen oder eigene Beobachtungen zum Gelesenen zu teilen. Oder auch um still mitzulesen. Für Rückfragen bzw. für die Anmeldung zu dieser WhatsApp Gruppe wenden Sie sich bitte mit Angabe Ihrer Handy/Natel-Nummer an Ulrike. Entweder in einem Mail (ulrike.bittner@bluewin.ch) oder Sie senden ein SMS/WhatsApp an Ulrike, [0041(0)775208869] Die Anmeldung für die WhatsApp Gruppe ist ab sofort möglich.


Montag, 30. November 2020
Ulrike schreibt: Wir laden heute zum dritten Abend des Bibel-Salons ein - um 19.30 Uhr in den Saal des Kirchgemeindehauses in Liestal. Wir befassen uns heute mit dem christlichen Bekennen: Wen oder was bekennen wir? In welchen Situationen war und ist ein Bekenntnis gefordert? Warum sind die reformierten Kirchen der Schweiz bekenntnisfrei? usw. Wer per ZOOM dabei sein möchte, möchte bitte die Zugangsdaten bei uns erfragen.


Sonntag, 29. November 2020 (1. Advent)
Wolfgang schreibt: Heute hat Ulrike über den 'offiziellen' Text zum ersten Advent gepredigt: Die Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem (Mt 21,1-11). Eigentlich gehört diese Geschichte zum Palmsonntag. Bereits die Alte Kirche hat dieselbe Geschichte auch am ersten Advent gelesen. Wie Jesus zu seinem Leiden und Sterben in Jerusalem einzieht (Palmsonntag), so zieht er ja auch in seiner Menschwerdung (Weihnachten) bei uns Menschen ein. Auf dieses Kommen Jesu bereiten wir uns in der Adventszeit vor. Wahrhaftig eine Geschichte mit einem doppelten Boden. Die Menschen jubeln Jesus bei seinem Einzug zu, erzählen von dem, was er tut und bekennen damit, wer er ist. Nur: Wissen sie wirklich, was sie damit sagen?

Sie können die Predigt gleich hier anhören:



Freitag, 27. November 2020
Wolfgang schreibt: Hier teilen wir mit Ihnen ein schönes Zitat über eine Eigenart jüdischen und auch biblischen Denkens. Zuerst die deutsche Übersetzung:

Jüdische Menschen haben immer versucht, das Stellen von Fragen voranzutreiben. Der Talmud selbst ist eine Sammlung von Fragen und Antworten. Der Rabbiner Jonathan Sacks erinnert uns in einem Aufsatz – ‘Die Kunst Fragen zu stellen’ – dass der jüdische Physiker Isidor Rabi, ein Nobelpreisgewinner, von seiner Mutter auf folgende Weise lernte, Wissenschaftler zu sein: «Jedes andere Kind würde von der Schule nach Hause kommen und gefragt werden: Was hast du heute gelernt? Aber meine Mutter fragte stattdessen: Izzy, hast du heute eine gute Frage gestellt?»

Sacks erklärt weiter: «In der Jeshiwa, dem Zuhause des traditionellen Talmudischen Lernens, ist das grösste Kompliment, das ein Lehrer einem Studenten machen kann, das: Du fregst a gutte kasha, ‘Du erhebst einen guten Einwand’ … Eine Frage zu stellen ist ein tiefgreifender Ausdruck des Glaubens.»

Und hier das Original. Es ist von Rabbi Johnny Salomon, A Daily Dose of Talmud [Daf Yomi], zu Pesachim 6, vom 27. November 2020: »Asking Questions is a Sign of Faith«

The Jewish people have always sought to promote questioning. The Talmud itself is a series of questions and debates. Rabbi Jonathan Sacks z’’l reminds us, in an essay titled “The Art of Asking Questions,” that the Nobel prize-winning Jewish physicist Isidore Rabi learned to be a scientist from his mother in this way: “Every other child would come back from school and be asked, What did you learn today? But my mother used to ask, instead, Izzy, did you ask a good question today?”

Sacks further explains: “In the yeshiva, the home of traditional Talmudic learning, the highest compliment a teacher can give a student is Du fregst a gutte kasha, ‘You raise a good objection’ … asking a question is itself a profound expression of faith.”


Samstag, 21. November 2020
Ulrike schreibt: Heute habe ich einen Artikel für die Zeitschrift Amen von Campus für Christus, Schweiz, geschrieben. Hätte ich ja früher nicht gedacht, dass ich das mal mache. Andreas Boppart hat mich gefragt, und seine Arbeit schätze ich sehr. Thema für ihr nächstes Heft ist die Frage nach der Bedeutung der ‹Kontrolle› im eigenen Leben. Wie ist es mit dem Bedürfnis, meine nächsten Schritte, aber auch Gott und sein Tun kontrollieren zu wollen? Vielleicht merke ich in Corona-Zeiten, dass ich weniger in den Händen habe, als ich bisher dachte. Wie ist das? Was ist mir gewiss und was nicht?

Diese Woche haben Wolfgang und ich einen Ausflug auf die Rigi - ein Bergmassiv am Vierwaldstätter See - gemacht. Wir waren in den ersten Jahren unserer Ehe mehrmals da und haben viele schöne Erinnerungen. Diesmal sind wir nicht von Arth-Goldau, sondern von Vitznau aus mit der Zahnradbahn nach Rigi-Kulm gefahren. Die Sonne schien, es waren 14°C. Wer sehen will, wie schön dieses Land ist, kann hier schauen:




Dienstag, 17. November 2020
Wolfgang schreibt: Gestern hatten wir also den zweiten Abend unserer Reihe zu den »CHRISTIAN BASICS«, diesmal zur Bedeutung der ZEHN GEBOTE für unseren Glauben. Während des Vortrages und erst recht danach dachten wir: Jetzt hätten wir viel, viel Zeit nötig, um über alles ausführlich zu sprechen. Allzu leicht sind Worte und vor allem Bilder bzw. Vergleiche missverständlich. Wie geht es Euch damit? Als Beispiel: Gilt das Arbeitsverbot für Christen auch am Sonntag? Anders: Wenn die zehn Gebote uns als Christen nicht gelten, warum sind sie für uns dennoch wichtig? Oder sind sie das gar nicht mehr? Das Gespräch darüber erscheint uns notwendig. Als Anregung zum eigenen Weiterdenken und zum Gespräch: Die zehn Gebote sind für eine christliche Ethik grundlegend wichtig. Wir halten uns an sie - jedoch NICHT, weil sie als Gebote auf uns gelegt sind. Warum dann? Weil wir Gott lieben und aus Dankbarkeit seinen Willen suchen und tun wollen.

Den Vortag zu den »ZEHN GEBOTEN« von gestern Abend können Sie gleich hier anhören:




Sonntag, 15. November 2020
Ulrike schreibt: Morgen Abend geht es weiter mit den Bibel-Salons - und zwar mit den Zehn Geboten. Wir fragen, worum es in den Zehn Geboten geht und für wen sie verbindlich sind: für das jüdische Volk oder auch für uns Christinnen und Christen? Es gibt - meiner Meinung nach - viel Neues zu entdecken!!

Wer morgen über ZOOM am Bibel-Salon teilnehmen möchte, kann mir ein kurzes Mail schicken, und ich schreibe euch dann die Zugangsdaten. Der Bibel-Salon findet auch ‹live› statt, im Saal vom Kirchgemeindehaus unter den bekannten Vorgaben (Maskenpflicht, Abstand halten). Wir freuen uns auf euch, ob ihr nun elektronisch oder leibhaft dabei seid.


Mittwoch, 11. November 2020
Ulrike schreibt: Ich habe einen Artikel, der gestern in DIE ZEIT erschienen ist, gleich mehrmals gelesen. Ich finde ihn grossartig. Der Journalist Thomas Assheuer beschreibt Donald Trump als «Symptom einer unbegriffenen Krise, ein Produkt seines Zeitalters: die Synthese aus Leben und Geld. Mit ihm haben die USA in einen Abgrund geschaut.»

Was wir heute in den USA beobachten, haben Assheuer zufolge die Soziologen Max Weber und Georg Simmel bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorausgesehen. Donald Trump verkörpert Max Webers ‹Geist des Kapitalismus›, oder mit Simmel gesagt: die Synthese aus Leben und Geld. Donald Trump ist kein Ausrutscher der Geschichte. Er hat das Potenzial, eine historische Gestalt zu werden, in dem Fall, dass seine Präsidentschaft tatsächlich das Ende einer Ära markiert. Das «Unbegreifliche muss man erst einmal begreifen: Drei Jahrzehnte nachdem die USA über den Kommunismus triumphierten, regierte im Herzland des ‹freien Westens› ein Mann, der bekennerhaft jene Prinzipien verachtet, mit denen die amerikanische Demokratie ihre Überlegenheit über den totalitären Gegner Sowjetunion einmal begründet hatte.» 


Ich empfehle euch, den Artikel selbst zu lesen. Ihr findet ihn hier: Assheuer, Der Geist des Kapitalismus in: DIE ZEIT vom 10.11.2020. Hier teile ich ein paar Auszüge mit euch:

«In seinem Jahrhundertbuch Philosophie des Geldes (1900) beschrieb Simmel die befreiende Wirkung des ‹Allvermittlers› Geld, denn wenn man es hat, emanzipiert es Menschen aus quälenden Abhängigkeiten und bedrückenden Traditionen. Es schenkt ihnen, jedenfalls zur vorvergangenen Jahrhundertwende, eine ‹unerhörte Bewegungsfreiheit›, eine individuelle Autonomie, so groß wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.» Aber es bleibt nicht dabei. Das Geld hat nicht nur Potenzial zum Befreien. «In der kapitalistischen Gesellschaft, so fürchtete er (= Simmel), gehen die Zirkulation des Geldes und die Bewegung des Lebens bruchlos ineinander über. Aus dieser Verschmelzung entstehe ein neuer Sozialcharakter, gerissen und gierig, ebenso geizig wie verschwendungssüchtig, extrem ‹selbstisch› und ohne jede Rücksicht ‹ethischer Art›. In Simmels Augen war dieser Zyniker wie geschaffen für die ‹Menschheitstragödie der Konkurrenz› mit ihrer ‹Wüstheit und Erbitterung›, denn selbst seine innersten Gefühle investiert er ins Geld. (...)

Vier Jahre nach Simmels Meisterwerk erschien Max Webers Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Auch Webers Gedanken kreisen um den Sozialcharakter der Zukunft, um jenen kalten, geistlosen Menschentyp, der auftritt, sobald der Kapitalismus die alteuropäische Tradition abgestreift und sich ohne Rest in eine kapitalistische Kultur verwandelt hat. Markt und Bürokratie bilden nun ein ‹stahlhartes Gehäuse›, aus dem der alte Geist gewichen ist».

Der Artikel führt in die interessante Beobachtung, dass die Pandemie Trump in die Quere gekommen ist. Denn sie lässt sich nicht beliebig umdeuten.

«Es war die Pandemie, die Trumps Mythisierung der Politik an ihre Grenzen brachte. Covid-19 ist eine tödliche Tatsache, man kann das Virus weder wegverhandeln noch durch eine One-Man-Show aus der Welt lügen. Dennoch hat der Meister des Framings versucht, die kollektiven Bedrohungsgefühle narrativ zu entschärfen und die Pandemie zu normalisieren. Erst war das Virus eine Erfindung seiner politischen Gegner, dann ein heimtückisches chinesisches Attentat, schließlich ein Naturphänomen im Darwinismus des geschichtlichen Lebens. Es treffe nur die Schwachen, während es die Starken verschont, und wenn es die Starken wider Erwarten doch treffe, dann mache es sie bloß stärker. Das war noch einmal perfid kalkulierte Mythenpolitik, denn Trump unterschlug den Unterschied zwischen einem vermeidbaren und einem natürlichen Tod. Sterben müssen wir alle, die einen leider früher, die anderen gottlob später. Inzwischen zählen die USA fast eine Viertelmillion Covid-Tote.

Donald Trump hat nicht nur die amerikanischen Institutionen verachtet, sondern auch etwas Ungeheures versucht, etwas, das in dieser Skrupellosigkeit noch niemand vor ihm versucht hat: Er wollte den Medienkapitalismus mit dem politischen System verschweißen und das, was man mit guten Gründen immer noch als Wirklichkeit bezeichnet, in einer Scheinwelt, einer gigantischen Show, einer neurechten Mythologie verschwinden lassen. Er wollte sie in einem Morast aus Trash, Propaganda und alternativen Fakten versenken, er wollte Klassenkämpfe unsichtbar machen, umlügen, manipulieren.»

Ich selbst bin immer noch mit der Offenbarung des Johannes unterwegs, die wir von März bis Juni 2020 mit vielen von euch gelesen haben. Die Impulse findet ihr links im Menü. Wir haben gelesen, dass das Böse - wie auch das Gute - heranwachsen muss. Dass es nicht von Anfang an zu erkennen und zu unterscheiden ist. Das Tier bzw. der Antichrist verhält sich ‹wie› der wirkliche Christus. Es ahmt Jesus nach, es bietet den Menschen Rettung und Hilfe an. Unter der Bedingung, dass sie ‹anbeten›. Es sind politische Mächte, die mit einem quasireligiösen Anspruch auftreten und Verehrung einfordern. Mit dem zweiten Tier - Offenbarung 13,11-18 - tritt eine Art Propagandaminister auf. Das Böse deutet die Wirklichkeit um und verbreitet seine Weltdeutung. Noch einmal Thomas Assheuer:

«Warum sonst waren Trump und seine spin doctors bis zur Besinnungslosigkeit besessen von Weltdeutungsmedien, von Fox News, Twitter, Facebook und allen anderen Social-Media-Kanälen? (...) Im pausenlosen diskursiven Kriegszustand sollte die Glaubwürdigkeit der Altmedien so lange perforiert und erschüttert werden, bis kein Leser und keine Zuschauerin mehr glaubte, dass die empirische Welt, auf die sie sich beziehen, überhaupt existiert. Die Wirklichkeit, von der sie berichten, gibt es angeblich gar nicht – sie ist bloß eine Erfindung, bloß die Realität der Medien. "Merkt euch", verkündete Trump im Jahr 2018 vor Kriegsveteranen, ‹was ihr seht und lest, passiert nicht wirklich. Glaubt einfach uns.›»


Dienstag, 10. November 2020
Wolfgang schreibt: Gestern hat also der angekündigte erste Abend des diesjährigen »BIBEL-SALONS« stattgefunden: im Saal des Kirchgemeindehauses und gleichzeitig über das Internet per ZOOM. Wir sind dankbar, dass die technische Seite geklappt hat. Je mehr Menschen aus gesundheitlichen Gründen zuhause bleiben bzw. zuhause bleiben müssen, desto mehr sind wir alle darauf angewiesen, diese elektronischen Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen. Wir sind gespannt, welche Erfahrungen wir damit machen werden. Den Flyer über diese dreiteilige Reihe zu den »CHRISTIAN BASICS« finden Sie hier: 2020-BASICS-FLYER

Den Vortag zum »UNSER VATER« von gestern Abend können Sie gleich hier anhören:



Mittwoch, 4.November 2020
Ulrike schreibt: Sehr gefreut habe ich mich über Rückmeldungen zur Feier des Abendmahls am letzten Sonntag. Der logistische Aufwand in Corona-Zeiten ist gewöhnungsbedürftig. Aber es bedeutet den Menschen etwas, ‹bei Jesus Christus› zu sein und ‹beieinander zu sein›. Und das ist schön. Jesus ist der, der uns empfängt, der uns vergibt, der sich selbst als unser ‹Zuhause› anbietet.

Ich bin gerade daran, mich im Umgang mit ZOOM zu üben. Heute am frühen und am späteren Abend haben wir Bibelgesprächskreise. Die Teilnehmenden treffen sich leibhaft im Saal vom Kirchgemeindehaus und die, die nicht kommen können oder wollen, beteiligen sich per ZOOM: Diese beiden Kreise sind heute mein Übungsfeld ... Ich hoffe, sie sind ein geduldiges Übungsfeld! 😇😎


Dienstag, 3. November 2020
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich werde in den nächsten Wochen - und vielleicht auch den nächsten Monaten - unsere Veranstaltungen per ZOOM zugänglich machen. Wir beginnen mit den drei Bibel-Salons, von denen der erste am Montag nächster Woche ist. Ihr erinnert euch:

9. November 2020
WIE WIR CHRISTLICH BETEN - UNSER VATER IM HIMMEL
Warum ist dieses Gebet zum gemeinsamen Gebet der Christinnen und Christen geworden? – Gottes Anliegen und unsere Anliegen – Wie beten wir ‹ganz praktisch› miteinander?

16. November 2020
WIE WIR CHRISTLICH LEBEN – DIE ZEHN GEBOTE
Wem sind die Gebote gegeben: allen Menschen, dem jüdischen Volk, den Christen? – Was ist für Christinnen und Christen verbindlich? – das Gebot der Liebe

30. November 2020
WAS WIR CHRISTLICH GLAUBEN – DAS GLAUBENSBEKENNTNIS
Ein gemeinsames Bekenntnis weltweit – Gottes Wirken als Vater, Sohn und Geist unterscheiden – Kann bzw. muss ich glauben, was ich bekenne?

Wir meinen, dass die drei Abende dazu helfen, den eigenen Glauben besser zu verstehen und ihn auch für andere Menschen verständlich zu machen. Zu den Bibel-Salons treffen wir uns – so wie es die behördlichen Vorgaben zulassen - 'leibhaft' im Kirchgemeindehaus im Saal.

Den Flyer für die drei Abende erhalten Sie gleich hier: 2020-BASICS-FLYER.

Denen unter euch, die Zuhause sind, ermöglichen wir die Teilnahme per ZOOM. ZOOM ist eine ähnliche Internetplattform wie Skype, aber sie ist übersichtlicher. Die Zugangsdaten für die jeweilige Sitzung könnt ihr bei mir erfragen. Entweder per Mail an ulrike.bittner@bluewin.ch oder per WhatsApp an die +41 (0)775208869.

Wolfgang und ich freuen uns darüber, dass dann auch Menschen an den Bibel-Salons teilnehmen können, für die Liestal räumlich zu weit weg ist. Jetzt können auf diese Weise miteinander unterwegs und einander verbunden sein.


Sonntag, 1. November 2020
Wolfgang schreibt: Fürchte dich nicht!
Reformationsgottesdienst in Liestal und Seltisberg. Es gibt Aussagen der Bibel, die man keinesfalls überschätzen kann. Der Befehl Gottes "Fürchte dich nicht!" gehört gewiss dazu. Jesus schickt die Seinen hinaus, die Botschaft von der Herrschaft Gottes zu verkünden. Die Reaktion ist vorhersehbar. Einige werden diese Botschaft annehmen. Andere werden sie und damit die Boten ablehnen. Aber: Gerade das ist Grund genug, sich davon in seinem Verhalten nicht bestimmen zu lassen. — Ulrike nimmt uns in ihrer eindrücklichen Predigt mit, auf dieses entscheidende Wort Jesu zu hören.




Donnerstag, 29. Oktober 2020
Ulrike schreibt: STILLES WOCHENENDE IN RIEHEN: So schnell ändert es. Es haben sich heute viele von euch für 'Stornierung' entschlossen, und so haben wir das Stille Wochenende in Riehen abgesagt. Damit muss man wohl leben zur Zeit, dass sehr unterschiedliche Befindlichkeiten und Einschätzungen der Situation nebeneinander stehen. Wichtig scheint mir, dass wir einander nicht beurteilen.

Wir wollten ja am Wochenende den Trost betrachten, den Johannes im Buch der Offenbarung mit uns teilen will. Der Trost besteht wesentlich darin, dass Johannes zu sehen bekommt, dass Jesus bereits der Sieger ist. Das hätten wir betend angeschaut. Und gefragt, wie es sich dann mit Erfahrungen von Anfechtung und Widerstand in unserem Leben verhält. Wie sind sie einzuordnen? Was steht noch auf dem Spiel und was nicht?

Ich hatte Wolfgang gebeten, dass er am Samstag Abend von Johann Christoph Blumhardt und dessen grosser seelsorgerlicher Tätigkeit erzählt. Blumhards Seelsorge verbindet sich mit dem Ruf, dass Jesus 'Sieger' ist. Es hätte mich sehr gefreut, an diesem Wochenende miteinander von Blumhardt zu lernen.

Am Anfang seiner Seelsorge, als Blumhardt dachte, ihm werde alles zuviel, hat er durch Zufall am Morgen einen Abschnitt im Buch Jesus Sirach gelesen. Man kann das nachlesen in: Die Krankheitsgeschichte der Gottliebin Dittus (enthalten in: Blumhardt, Der Kampf in Möttlingen, 1979).

"Mein Kind, willst du des Herrn Diener sein, so bereite dich auf Anfechtung vor. Festige dein Herz und wanke nicht und lass dich nicht erschüttern in der Zeit der Not. Halt dich an Gott und weiche nicht, damit du am Ende gestärkt bist. Alles, was dir widerfährt, das nimm auf dich, und sei geduldig bei jeder neuen Demütigung (Trübsal). Denn wie das Gold durchs Feuer, so werden auch, die Gott gefallen, durchs Feuer der Trübsal erprobt. Vertraue Gott, so wird er sich deiner annehmen; geh gerade Wege und hoffe auf ihn! Die ihr den Herrn fürchtet, wartet auf seine Gnade und weicht nicht, damit ihr nicht zugrunde geht." (Jesus Sirach 2,1-7)

Das sind erstaunliche Sätze. Die Teilhabe am Sieg Jesu schliesst ein, dass wir angefochten und erschüttert werden und betrübt. Man könnte denken, dass man 'falsch' liegt und möglichst schnell aus Anfechtung, Erschütterung und Betrübnis hinaus muss. Aber Jesus Sirach schreibt: Ihr sollt das entgegen nehmen und in dieser Zeit fest werden. . ... Genau das ist es, was Wolfgang in der Auslegung von Psalm 22 gezeigt hat. Die schweren Zeiten sind nicht dazu da, ihnen möglichst schnell zu entfliehen. Sondern: Gerade in ihnen lernen wir den festen Glauben.


Mittwoch, 28. Oktober 2020:
Wolfgang und Ulrike schreiben: STILLES WOCHENENDE IN RIEHEN: In den letzten Tagen haben wir zusammen mit Claudia Roche und dem Diakonissenhaus Riehen sorgfältig abgewogen, ob und unter welchen Voraussetzungen unser Wochenende zur Offenbarung des Johannes stattfinden kann, darf und soll. Nun ist der Entscheid gefallen: Wir können mit gutem Gewissen das Wochenende durchführen: sowohl vom heutigen bundesrätlichen Entscheid her als auch durch Hilfe und Entgegenkommen des Diakonissenhauses. Herzlichen Dank dafür.

Zur Situation: Wir halten uns selbstverständlich an die Distanzregelung wie an eine durchgängige Maskenpflicht - also auch während unseres Zusammenseins. Auf gemeinsames Singen müssen wir leider verzichten. Die Mahlzeiten nehmen wir mit genügend Abstand an Vierer-Tischen ein. Usw. Mit diesen Vorsichtsmassnahmen sind wir wohl besser geschützt als beim Besuch eines Einkaufszentrums oder einer belebten Quartierstrasse.

Wichtig scheint uns: Zum Glauben gehört die Erfahrung konkreter Gemeinschaft, Begegnung und der Austausch. Es ist für uns alle gut, wenn wir - gerade auch in einer solchen Zeit - gute Erfahrungen von Gemeinschaft machen.

Nun verstehen wir aber auch, wenn bei manchen von Euch weiterhin die Bedenken überwiegen. Wir sind dem Diakonissenhaus Riehen sehr dankbar, dass sie angesichts der besonderen Situation auf die vereinbarte Stornogebühr verzichten. Wer also Bedenken gegen seine Teilnahme hat, der melde sich bitte ab. Es entstehen dafür also keine Kosten.

Wie also sieht es aus? Wir sind jetzt 25 angemeldete Personen. Unser Wochenende wird durchgeführt bei einer Mindestzahl von 10 Personen. Damit wir und das Haus in dieser knappen Zeit planen können, bitten wir ALLE Teilnehmenden UMGEHEND um eine kurze Rückmeldung an Claudia Roche: „JA - Ich komme“ … oder: „Nein – Ich melde mich ab“. Bitte sendet Eure Nachricht an Claudia bis morgen, Donnerstag, um 14:00 Uhr.

In der Vorbereitung auf das Wochenende ahnen wir, wie wichtig das Thema gerade für unsere konkrete Lebenssituation ist. Wie verhalten wir uns in einer solch spannungsvollen Zeit? Wer bestimmt die Situation? In wessen Hand liegt das alles? Wie reagieren wir darauf? — Aktueller könnten die Themen kaum sein.


Montag, 26. Oktober 2020
Ulrike schreibt: Am Mittwoch - also übermorgen - wird Claudia Daniel-Siebenmann in unserer Kirchgemeinde einen Abend dazu leiten, ob und wie man das Abendmahl online feiern kann. Ich finde die Frage in dieser von Corona geprägten Zeit tatsächlich wichtig.

Gemeinschaft ist in erster Linie ein leibhaftes Zusammensein. Egal, ob es um Familie, um Freundinnen, um die Gemeinde geht. Wir müssen einander als reale Menschen erleben. In der Feier des Abendmahls wird uns als realen, sündigen, angewiesenen Menschen von Jesus Vergebung zugesprochen. Es ist so wichtig, dass wir uns nicht ‹idealisiert› wahrnehmen, sondern als Menschen, die gerne auf Gott und aufeinander angewiesen sind.

Zur Zeit aber können wir das oft nicht: einander leibhaft erleben. Manche Gemeindemitglieder verlassen ihre Wohnungen wegen des Corona-Virus nur selten. Sie wollen oder können sich nicht in die Nähe von ihnen fremden Menschen begeben. Was aber dann?

Wir wissen ja schon immer, dass die Gemeinde Jesu eine unsichtbare Dimension hat. Wir sind mit glaubenden Menschen verbunden, die wir nicht sehen und nie kennenlernen werden. Weil sie an anderen Orten leben als wir oder zu anderen Zeiten. Und doch sind wir von Jesus an denselben Tisch geladen. Wir alle treffen uns im Abendmahlssaal in Jerusalem. Wir alle sitzen zusammen mit den ersten Jüngern am Tisch. Wir alle nehmen das Brot aus Jesu Händen entgegen.

Ich lade Sie und euch herzlich ein, am Mittwoch um 19.30 Uhr bei Claudias Vortrag dabei zu sein - mit Mund-Nasen-Schutz im Kirchsaal im Martinshof.

Wenn ihr am Mittwoch Abend dem ZOOM Meeting beitreten wollt, könnt ihr den untenstehenden Link anklicken. Das ist nicht derselbe Link wie beim letzten Mal. Bitte verwendet den neuen Link unten. Wer ZOOM bisher noch nicht installiert hat, der klickt erst auf den Link und dann im nächsten Schritt auf ‹installieren›. Das Programm ist kostenlos und der Download braucht nur wenige Sekunden. Die Meeting-ID und den Kenncode für Claudias Vortragsabend könnt ihr bei mir, Ulrike Bittner, per Mail erfragen: ulrike.bittner@bluewin.ch. Ich schicke euch beides umgehend. Den gebt ihr dann ins vorgesehene Feld bei ZOOM ein.

unibas.zoom.us/j/91668628778?pwd=ZnFpNEFHNWNmeEpzWTZpeUNJUEF6dz09

Das Treffen beginnt am 28. Oktober 2020 um 19.30 Uhr. Einwahl ist ab 19.00 Uhr möglich.


Samstag, 24. Oktober 2020
Ulrike schreibt: Ich freue mich, dass heute und Morgen 'Wochenende' ist. Es scheint sogar die Sonne! Wolfgang und ich haben heute das Buch Hosea zu Ende gelesen und übersetzt. Gottes wirbt um sein Volk. Er will es wieder werden lassen wie es 'am Anfang' war - als die Liebe zueinander frisch und jung war. Als Israel durch die Wüste ging und Gott sie gefunden hat. ... Es sind unglaubliche Bilder der Zuneigung und der Mühe Gottes um sein Volk - und damit auch der Zuneigung Gottes zu uns.

Manch einer fragt, ob das Stille Wochenende in Riehen am nächsten Wochenende stattfindet. Von Wolfgang und mir aus gesehen: Ja. Wir halten uns an das Schutzkonzept des Hauses und wir werden darüber hinaus auch im Saal - das heisst bei den Impulsen zur Offenbarung - den Mund-Nasen-Schutz tragen. Um das Haus herum gibt es viel Grün und einen grossen Garten, da kann man dann wieder unbedeckt sitzen oder herumlaufen.


Sonntag, 18. Oktober 2020
Wolfgang schreibt: Beim Lesen berühren mich dann und wann einzelne Sätze besonders. Manchmal notiere ich sie mir, damit sie nicht so schnell wieder aus dem Blickwinkel meines Bewusstseins entschwinden. Eines davon - gelesen erst in den letzten Tagen: "Auch wenn man spricht, die Währung müsste gedeckt sein durch Stille. Früher hatte man dieses altmodische Wort Betrachtung, das meint: genau hinschauen und lange hinschauen. Immer durch dieselben Straßen gehen und warten, bis man etwas entdeckt. Ich bin nicht für Abwechslung. Ich reise nicht gerne. Betrachtung ist für mich ein äußerst wichtiges Wort. Zu Beginn mag es langweilig sein, weil man es nicht beherrscht. Später kann man erfahren, dass Geist in der Welt ist. Immer die gleiche kleine Menge.“ Ilse Aichinger in einem Interview von Iris Radisch. Zu finden in: Radisch, Iris. Die letzten Dinge: Lebensendgespräche. – Ob das Zitat auch in Euch etwas auslöst?


Samstag, 17. Oktober 2020
Wolfgang schreibt: Die Veranstalter des Studientages vom 14. November 2020 zum Thema "PSALMEN" (mit Prof. Siegfried Zimmer und mir) haben aus Bedenken wegen des Corona-Virus diesen Studientag abgesagt bzw. verschoben. Er wird zum selben Thema im kommenden Jahr am 29. Mai 2021 stattfinden.

Falls Sie sich dafür bereits angemeldet haben oder einen Besuch dieses Studientages überlegen, weisen wir gerne auf den Studientag des LKF (Landeskirchenforum) hin, der ebenfalls am 14. November in Jegenstorf geplant ist und stattfinden soll bzw. wird. Ein anderes Thema, aber mindestens so spannend: "Mittendrin statt nur dabei. Relevant Kirche leben." Referent ist Pfr. Dr. Alex Kurz. Den Flyer für diesen Studientag finden Sie gleich hier: 2020-11-14-Mittendrin statt nur dabei - LKF - Flyer. Die Veranstalter bitten darum, sich umgehend dafür anzumelden, damit sie im Blick auf die Sicherheitsmassnahmen frühzeitig genug und sorgfältig planen können.


Sonntag, 10. Oktober 2020
Ulrike schreibt: Seit zwei Wochen sind wir jetzt aus dem Urlaub zurück und sie kommen mir vor wie zwei Monate. In der Gemeinde war ich für Gottesdienste, Besuche bei Gemeindemitgliedern, Besuche im Pflegezentrum, Beerdigungen, verschiedene Bibelgesprächskreise. Ich fand die meisten Treffen ausgesprochen schön - ein gemeinsames und lebendiges Unterwegssein im Glauben.

Manches ist überraschend. Da bringe ich einem älteren Menschen einen Blumengruss der Kirchgemeinde. Er versteht mich akkustisch kaum, sagt, dass er nichts mit der Kirche zu tun haben will und ‹wedelt› mich schliesslich mit den Armen fort. Ich sage: «Na, dann stelle ich die Blumen mal weg» und bringe die Vase ausserhalb seiner Sichtweite. «Aber etwas interessiert mich: Von woher sind Sie eigentlich?» ... Als ob er nur auf diese Frage gewartet hat, beginnt dieser Mensch zu erzählen. Und es ist wirklich interessant! Als ich ihm eine Viertelstunde später ein zweites Mal die Blumen anbiete, nimmt er sie gern und etwas verlegen. Und tritt dann auf den Flur hinaus und schaut mir hinterher, wie ich weggehe.

Berührend fand ich die Beerdigung von F., einem randständigen Menschen vor ein paar Tagen. Weil ich nicht wusste, ob überhaupt jemand zur Beerdigung kommt - das Sophie Blocher-Haus hatte den Abschied bereits ‹intern› gefeiert - habe ich einen Freund aus der Kirchgemeinde gebeten, dass er Panflöte spielt. Das schätze ich sehr, in der Gemeinde um Mitwirkung bitten zu können. ... Dann kamen nacheinander die Freunde, um Abschied von F. zu nehmen: der Pfarrer der italienisch-sprachigen Gemeinde aus Basel mit einigen Gemeindemitgliedern. Sie hatten den Verstorbenen von Geburt an gekannt. Der Pfarrer hat auf italienisch aus dem Leben des F. erzählt. Der Psychotherapeut war auch da und hat ein Gedicht von F. vorgelesen. So eines, das ich gern ein zweites Mal gehört hätte. Ein Freund hat erzählt, wie die Verkäufer/innen im nahegelegenen COOP - einem Supermarkt - um F. trauern. Dass sie ihn gemocht und geschätzt haben. Also: ohne ein ‹richtiges› vorgängiges Gespräch war die Beerdigung ganz vielfältig und in meinen Augen auch so, dass wir von diesem einen, besonderen Menschen Abschied genommen haben.

Morgen treffe ich mich mit einigen Menschen in der Kirchgemeinde, weil wir über ein Konzept für einen zeitgemässen christlichen Besuchsdienst nachdenken wollen. Das war nicht meine Idee, sondern eine Teilnehmerin aus der Online-in-die-Offenbarung Gruppe hat(te) das auf dem Herzen. ... Die meisten Besuche in der Gemeinde bekommen Seniorinnen und Senioren - und da meist diejenigen, zu denen eh ein Kontakt besteht. Oder diejenigen, die einen hohen Geburtstag feiern. ... Diese Menschen bilden aber nur einen Teil der Gemeinde ab. Ich finde das eine ‹echte› Frage, ob und wie wir als Gemeinde auf unsere Mitglieder zugehen können.

Heute sind Sie um 18 Uhr zur Abendfeier in die Stadtkirche Liestal eingeladen. Es gibt Musik, Stille und Impulse zur Segnung Rebekkas (1. Mose 24). Wir feiern - im Chor der Kirche und mit viel Abstand zueinander - das Abendmahl. Nämlich, dass wir miteinander und mit Jesus Christus auf dem Weg sind.


Sonntag, 4. Oktober 2020
Wolfgang schreibt: Ulrike hat also heute die Predigt zur Speisung der 4000 (Markus 8,1-9) gehalten. Meist überliest man diesen Abschnitt, da die Evangelien kurz zuvor von der Speisung der 5000 berichten. Aber es lohnt sich, den Abschnitt sorgfältig auf sich wirken zu lassen. Worum geht es?

(1) Drei Tage bei Jesus bleiben. Die vielen Menschen haben nicht über Verpflegung nachgedacht. Wo war es bei mir so, dass ich gern geblieben wäre und dass mir alles andere zweitrangig war? Vielleicht bin ich auch geblieben, habe weiter von Gott gehört, von ihm Hilfe empfangen?

(2) Alles, was wir haben. Nicht: alles, was wir entbehren können. Die Jünger geben alles. Sie behalten nichts für sich privat zurück. Was heisst es, wenn ich in einer Notsituation das gebe, was ich gerade habe?

(3) Wir werden beteiligt: Wie Jesus, so auch wir. Die Jünger werden am Verteilen der Brote beteiligt. Jesus beteiligt uns am Tun der Güte.

Die Predigt kann man gleich hier anhören und herunterladen:




nochmals Freitag, 2. Oktober 2020
Ulrike schreibt: Am Sonntag feiern wir in Liestal (9.30 Uhr) und in Seltisberg (11 Uhr) Gottesdienst. Als Gast ist Kathi Kaldewey dabei und stellt ihr neues Buch Herbstproviant (2020) vor. Ich werde euch - die Gemeinde - und Kathy Kaldewey fragen, was euch nährt. Text für die Predigt ist die sogenannte Speisung der 4000 in Markus 8,1-9.


Freitag, 2. Oktober 2020
Wolfgang schreibt: Natürlich ist es unangemessen, das jüdische Laubhüttenfest SUKKOT, das heute Abend beginnt und gut eine Woche dauert, mit einem Camping-Event zu vergleichen. Aber einige Parallelen gibt es. Es ist eine verordnete Zeit der Erinnerung daran, dass der Glaube Israels mit einer Wanderung durch die Wüste begann: 40 Jahre Unterwegs-Sein. Also vierzig Jahre Beweglichkeit, vierzig Jahre Einübung des Aufbruchs, vierzig Jahre unerfüllte Sehnsucht nach einem endgültigen Ankommen, vierzig Jahre Warten auf Heimat. Gleichzeitig sind es 40 Jahre Gotteserfahrung: Gott geht täglich und täglich erfahrbar mit seinem Volk. Im tragbaren Heiligtum (dem Zelt der Begegnung; in anderer Übersetzung ist es die Stiftshütte) ist Gott immer und treu dabei. Er ist ständig erreichbar für sein Volk. Dennoch: Das sind 40 Jahre Glauben und Leben im PROVISORIUM … 40 JAHRE ist die Dauer eines ganzen Lebens.

Die christliche Kirche hat die Feier des Laubhüttenfestes nicht in ihren Festkalender übernomen. Jedoch: Um die Dynamik auch des christlichen Glaubens zu verstehen, sollten wir die Feier des Laubhüttenfestes verstehen. Immer wieder müssen wir an den Anfang zurück, zurück also ins Provisorium. Das Laubhüttenfest spielt sich nicht bloss in Gedanken ab, in Liedern, in Vorträgen usw. Für die Dauer einer Woche wird Menschen zugemutet, ihr festgefügtes äusseres Leben zu ändern: Essen, Trinken und Schlafen im Provisorium einer Laubhütte. Sie begegnen sich anders, arbeiten anders, glauben anders. Die Zeit und die Gemeinschaft gestalten sich anders. Sie leben, arbeiten und beten immer noch jeden Tag. Aber es gibt keine festen Türen, die man vor anderen bzw. hinter sich schliessen kann. Einmal im Jahr dauert das eine Woche.

Was ist es, das man für das Leben lernt? Was ist es, was man da für den Glauben in der Gemeinschaft lernt?


Sonntag, 27. September 2020
Wolfgang schreibt: Gestern waren wir – endlich! – wieder einmal zu einem Studientag zusammen. Thema: "Neuer Leib und neue Erde". Es hat gut getan, sich wieder einmal gemeinsam mit biblischen Texten und einem immer wieder bedeutenden Thema des Glaubens auseinander zu setzen. So bald wie möglich werden wir die Vorträge und einen Teil der Gespräche hier zugänglich machen. Jetzt schon danke allen, die mit dabei waren und sich so lebendig am Gespräch beteiligt haben.

Heute schalten wir eine frühere Predigt frei. Ulrike hat am 30. August über 1. Korinther 3,9-17 gepredigt. Thema: "GEMEINDEBAU: WAS BLEIBT?" Die Predigt kann man gleich hier anhören und herunterladen:




Nochmals Donnerstag, 24. September 2020
Hier gibt es ein paar Bilder aus den letzten Tagen. Für diejenigen, die gern eine Postkarte aus der Steiermark bekommen hätten :-)



Donnerstag, 24. September 2020
Ulrike schreibt: Wir sind zurück in Liestal. Bis Ende der Woche habe ich noch Urlaub. Wir waren nach den Tagen im Hochschwab in der Südsteiermark. Mit dem Auto fährt man etwa 1,5 Stunden an Graz vorbei in Richtung Slowenien. Es gibt da verschiedene Weingegenden, zum Beispiel das Schilcher-Land, die Sausaler Weinstrasse usw. Überall haben Buschenschenken geöffnet und bieten Wein zum Verkosten an. Schön warm war es auch, so dass ich Schwimmen konnte. Das Schwimmen im Sulmsee habe ich genossen, wobei die vielen Karpfen beim Einsteigen ins Wasser schon irritierend sind. Manche baden mit Delphinen, ich mit Karpfen :-)

Wir sind also gut Zuhause angekommen. In Bayern - wir sind über Salzburg und durchs Allgäu zurück gefahren - fand ich es sehr praktisch, dass an einer grossen Raststätte die Autos einzeln angehalten und gefragt wurden, ob die Insassen einen kostenlosen Corona-Text machen wollen. Weil man ja aus dem Ausland eingereist ist. Es gibt dann zwei Spuren für die Autos: entweder fährt man an's Corona-Test-Zelt oder man fährt zurück auf die Autobahn.

Wolfgang und ich kommen an, ich kümmere mich ein bisschen um den Garten und wir bereiten den Studientag für Samstag vor. Apropos Garten: Unser örtliches Gartencenter hat ja leider zugemacht. Mein zweiter Favorit ist Blumen-Kaiser in Rheinfelden, was hinter der Grenze liegt. Ich habe zwei wunderbare Stechpalmen (einen Baum und einen Strauch) und eine Schwarze Apfelbeere gekauft. Wolfgang möchte vor seinem Fenster etwas Vogelfreundliches gepflanzt haben. Mir war klar, dass ich mit den Sträuchern im Auto am Zoll rausgewunken werde. Der Zollbeamte war misstrauisch gegenüber der Einfuhr von invasiven Pflanzen - was o.k. ist. Er selbst hatte aber null Ahnung davon, wie die tatsächlich aussehen, was die Kontrolle dann wieder überflüssig macht. ... Wenn noch jemand schöne, vogelfreundliche Sträucher oder Bäume zu verschenken hat - zum Beispiel Vogelbeeren (Ebereschen) - könnt ihr euch gern melden.


Samstag, 19. September 2020
Ulrike schreibt: Wir haben die erste Nacht in der Steiermark verbracht und sind heute aufgewacht in der Nähe von Sankt Katharein an der Laming. Das Zimmer ist Teil eines Bauernhofs oben am Berg.

Auf der Fahrt in den Süden haben wir uns viel Zeit gelassen. Wir haben einen Abstecher nach Naumburg an der Saale gemacht - das nahe an der Autobahn A9 liegt. Vor 21 Jahren waren Wolfgang und ich das letzte Mal im Dom. Er ist wunderbar, schon das blosse Herumlaufen und Anschauen löst Freude aus: www.naumburger-dom. Wolfgang ist fasziniert von den lebensnahen Darstellungen der Stifter im Westchor. Mich berührt der Zugang zum Westchor. Man geht durch den Lettner unter den Armen des Gekreuzigten hindurch.

Wir waren gestern in Bruck an der Mur, wo Wolfgangs Familie begraben ist, und haben in Kapfenberg eine Freundin besucht. Die Friedhofskirche St. Ruprecht in Bruck ist ausgesprochen schön. Heute wollen wir zum Grünen See, den ich noch gar nicht kenne. ... Miteinander lesen wir die Bibel im Blick auf den Studientag der Fritz-Blanke-Gesellschaft am Samstag: ‹‹Ein neuer Himmel und eine neue Erde›.


Donnerstag, 17. September 2020
Ulrike schreibt: Heute hat Wolfgang den Rundbrief für die Fritz-Blanke-Gesellschaft fertig geschrieben. Die FBG ist ein Freundeskreis von Menschen, die die Arbeit von Wolfgang seit vielen Jahren tragen und begleiten. Im Freundesbrief erzählt Wolfgang von seiner Arbeit. Wenn ihr die FBG nicht kennt und wir euch den Brief schicken dürfen, gebt uns bitte mit einem Mail Bescheid.

EINANDER MEHR BESUCHEN
In Berlin ist mir - auch im Blick auf Liestal - wichtig geworden, dass wir uns mit unsern Geschwistern und Freunden im Glauben mehr verbinden. Dass wir einander mehr besuchen, mehr treffen, mehr füreinander beten. Immer wenn wir das machen, bin ich glücklich und ermutigt. Wir leben nicht in langweiligen Zeiten.

Versteht mich nicht falsch: Im Unterwegssein mit Gott kommt es nicht auf Quantität (‹mehr›) an. Aber darauf,

- dass wir voneinander lernen: wie seid ihr - in den Herausforderungen unserer Zeit - im Glauben unterwegs?
- dass wir uns aufeinander freuen. Immer, wenn ich alte Freunde wiedersehe, erfahre ich auf diese Weise etwas von der Treue Gottes.
- dass wir Leben teilen. Wie sollen andere Menschen sonst dazukommen und mitmachen?

Heute fahren Wolfgang und ich von Berlin aus weiter. Wahrscheinlich bis in die Steiermark, aber mal gucken. Wir sind in den letzten Jahren flexibler geworden und machen das, ‹was geht›. Aber das machen wir wirklich :-)


Dienstag, 15. September 2020
Ulrike schreibt: Heute war ich in der Ausstellung ‹Von Luther zu Twitter. Medien und politische Öffentlichkeit› im Deutschen Historischen Museum. Ich habe gehofft, etwas zu sehen/ zu hören/ zu lesen, was ich selbst nicht weiss. In der Ausstellung zeigen sie nur, was (meines Erachtens) eh selbstvertändlich ist. Da finde ich einen einzelnen Raum im Melanchthon-Haus in Wittenberg interessanter: um zu markieren, wie Umbrüche in der öffentlichen Kommunikation zustande kommen und sich auswirken. ... Na ja. Und irgendwie leer ist es in der Stadt. Ich gehe gern zu Fuss, weil es mir Spass macht und ich mehr sehe. Im Regierungsviertel mit dem Reichstagsgebäude kann man die Touristen fast an der Hand abzählen.

Wolfgang und ich waren am Wochenende bei Freunden im Berliner Umland und haben das sehr genossen. Sie haben wiederum ihre Freunde eingeladen und wir haben miteinander Bibel gelesen, gegessen, geredet, die Sonne genossen. Es ging um die Frage wie Gott führt und wie man Gottes Stimme von anderen inneren und äusseren Stimmen unterscheiden kann (‹Unterscheidung der Geister›). Das war ein gutes Miteinander.

Schwimmen war ich in dieser Woche nur ein einziges Mal: in einem See in einem Wald nahe beim Wohnort meiner Eltern. Der See hat einen Zufluss, und war wirklich kalt. Boah, war der kalt. Gelesen habe ich seit langer Zeit mal wieder einen Krimi: ‹Achtsam morden› von Karsten Dusse. Es geht darum, dass ein Anwalt - um seine Ehe zu retten - einen Psycho-Kurs über ‹Achtsames Leben› belegt. Der führt ihn dazu, dass er das, was er nicht tun will, tatsächlich nicht mehr zu tut, bzw. seinem eigenen Rhthymus folgt. ... Letztlich geht es um die Frage, was mit Menschen, die über andere verfügen, passiert, wenn diese konsequent keine Grenzverletzungen mehr dulden. ... Kann man lesen, muss man nicht :-)


Freitag, 11. September 2020
Ulrike schreibt: Ich stand im Juni dieses Jahres wie vor einem Rätsel und heute, im September, ist das wieder so. Anfang Juni ist der Theologe Dr. Gerald Lauche ganz unerwartet gestorben. Er hatte uns und unsere Gemeinde in Liestal im Februar zusammen mit seiner Frau besucht. Vorher hatte ich Gerald in meinem Studienurlaub (Ende 2018) in Kairo und Assuan kennengelernt - wo er lebte. Er hatte uns am Abend - da pulsierte das Leben auf den Strassen in Assuan - das Evangelische Krankenhaus von innen gezeigt.

Für mich ist es ein Rätsel, dass Gott einen Menschen, der im Blick auf das Reich Gottes voller Möglichkeiten und Begabungen ist, sterben lässt. Heute höre ich, dass Sr. Anna-Maria aus der Wiesche - die frühere Priorin der Communität Christusbruderschaft Selbitz - gestorben ist. Auch sie war 2018 in Ägypten mit dabei. Eine bescheidene und gleichzeitig grossartige Frau.

Das legt nahe, dass Gott beim Bau seines Reiches nicht den Kriterien von Effektivität und Wirtschaftlichkeit folgt. Die wirklich ‹grossen› Menschen sind nicht unbedingt lange unter uns. Sie stehen nicht unbedingt im Rampenlicht und werden nicht unbedingt gehört. .... Aber wer ihnen begegnet, wer sie hört und wer von ihnen lernt, der wird bleibend gesegnet.

Ich bin manchmal merkwürdig berührt davon, wie in den evangelischen Kirchen die mittelmässig begabten Menschen umworben und in Ämter gehoben werden. Es sind diejenigen, die «so sind, wie man selbst ist». In meinen Augen reproduzieren die Kirchen sich damit selbst, auch in unserer Zeit. Es gibt eine Angst vor wirklicher Niedrigkeit und es gibt eine Angst vor wirklicher Grösse. Beides aber muss man erkennen und ehren können. ... Es scheint Gottes Geheimnis zu sein, dass er für seine Leute nicht um den ersten Platz, um das längste Leben, das höchste Amt kämpft. Er baut sein Reich mit ihnen da, wo sie gerade sind. Und: wer ihnen begegnet, wer sie hört, wer von ihnen lernt, wird bleibend gesegnet.


Donnerstag, 10. September 2020
Ulrike schreibt: Wir sind schon den dritten Tag in Berlin. Ich habe Wolfgangs Impulse zu Psalm 22 jetzt alle verschriftlicht - und finde sie richtig gut. Ich habe eine Einleitung geschrieben, damit man weiss, worum es geht:

Der Psalm setzt ein mit einem Ruf aus grosser Verlassenheit: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Der Beter nimmt wahr, was Menschen ihm antun und er nimmt wahr, dass Gott ihm nicht zu Hilfe kommt. Am Tag bekommt er keine Antwort und in der Nacht findet er keine Ruhe.

Wir kennen den Psalm 22 vor allem darum, weil Jesus ihn zu seinem Gebet gemacht hat. Wir entdecken, dass es der ganze Psalm 22 ist, den Jesus betet. Mit der schonungslosen Beschreibung seiner Verlassenheit beginnt das Gebet. Aber es endet nicht damit. Gott ist zuverlässig und sein Weg ist gut – sogar gross –, auch wenn der Beter das im Moment nicht sieht.

Psalm 22 nimmt uns auf einen Weg, in einen Lernprozess mit hinein. Diesen Weg ist auch Jesus gegangen. Wir gehen ihn mit Jesus mit. Für dieses Lernen braucht es die schonungslose Offenheit – «So steht es um mich» –, es braucht die Mütter und Väter im Glauben, die sich an Gott ‹festgeleimt› haben. Es braucht den Lobpreis Israels, in dem Gott zu finden ist.

Mit Psalm 22 lernen wir zu glauben, auch wenn die gegenwärtige Erfahrung gegen uns steht. Wer diesen Weg des Lernens mitgehen möchte, wird in Wolfgang Bittner einen Begleiter finden. Sein Buch ist aus Schweige-Exerzitien heraus entstanden, in denen Menschen Klarheit für ihren Lebensweg suchen. Wolfgang Bittner hilft dabei, Klarheit zu finden: in Bezug auf die eigene Situation, in Bezug auf die Stimmen, die im Innern auftauchen und unterschieden werden wollen, in Bezug darauf, wo die Hilfe zu finden ist.


Es liegen noch ein paar halbfertige Manuskripte auf dem Tisch, da gehe ich jetzt hinter. Wolfgang hat Vorträge über Traumdeutung gehalten - was die sogenannten ‹bedeutsamen› Träume angeht. Die finde ich sehr hilfreich, auch für mein eigenes Träumen. Man findet in der Bibel sowohl Träume, in denen das Unbewusste einem Menschen Bescheid gibt über das, was kommt und worauf er sich vorbereiten soll, als auch Träume, die eine Intervention Gottes von aussen sind. ... Mir ist es noch wichtig, dass auch Träume, in denen mein Unbewusstes mir Bescheid gibt über Dinge, die mein Bewusstes nicht wahrnehmen kann oder will, für den geistlichen Weg wichtig sind. Wie soll Gott mich führen, wenn ich um mich selbst und meine wirkliche Situation nicht Bescheid weiss? Sondern ständig in Fehleinschätzungen festhänge?

‹Berlin› ist natürlich auch mehrmals täglich ein Erlebnis. Gestern war ich die Treppe zur U-Bahn Station hinuntergegangen. Vor mir läuft ein grosser junger Mann afrikanischer Herkunft. Er stellt am Fuss der Treppe einen Einkaufstrolley ab, zieht die Nase-Mund-Maske über und entfernt sich schnell über den Bahnsteig. Ich löse mein Ticket und habe den Trolley am Fuss der Treppe im Blick. Der steht immer noch alleine da. Und meine Phantasie - mit der ich gut ausgestattet bin - sieht schon die Bombe hochgehen. Also gehe ich dem jungen Mann hinterher bis zur Mitte des Bahnsteigs und spreche ihn an. "Entschuldigung, was ist mit dem Trolley, den Sie dahinten abgestellt haben?" Er - genauso selbstbewusst wie ich - "Den habe ich für eine alte Frau hinunter getragen." Ich: "Ah, so. Vielen Dank für die Auskunft." Keine Ahnung, ob die Auskunft stimmte, weil die Frau ja irgendwann hätte auftauchen müssen. Aber jemanden als potenziellen Attentäter zu behandeln, ist auch nicht richtig. Es ist echt schwierig, schnell gute Kriterien zu haben, wann man etwas fragt oder sagt und wann nicht.


Montag, 7. September 2020
Ulrike schreibt: Gefühlt geht der Sommer allmählich zu Ende und es wird Herbst. Heute werde ich ein letztes Mal ins Freibad in Rheinfelden schwimmen gehen. Bei gutem Wetter freue ich mich an der Sonne und wenn es kalt ist, daran, dass das Bad so schön leer ist :-) Ein paar Senioren haben mir angeboten, nach Saisonende mit ihnen im Rhein schwimmen zu gehen, .... mal sehen.

Wolfgang hat allerlei Schreibtischarbeiten erledigt. Jetzt sind wir frei für den Urlaub. Heute Abend wollen wir nach Berlin fahren und dann die erste Woche in Berlin sein. Dieses Wochenende sind wir bei Freunden zu Besuch, die wiederum ihre christlichen Freunde und Freundinnen für einen Tag gemeinsamen Betens und Lernens mit Wolfgang einladen.

Wir überlegen ausserdem, frühere Freunde in Eisenhüttenstadt zu besuchen - wo wir von 2000-2008 gelebt haben und ich Pfarrerin an der Nikolaikirche war. Wahnsinn, wie sich die Region in kirchlicher Hinsicht verändert hat. Falls hier jemand ‹von früher› mitliest und sich über unsern Besuch freuen würde, schreibt mir gern.

STUDIENTAG ZU UNSERER ZUKUNFTSHOFFNUNG

Für Samstag, den 26. September, lädt die Fritz-Blanke-Gesellschaft von 9.45-16.30 Uhr zu einem Studientag ‹Ein neuer Leib - eine neue Erde› ins Nidelbad/ Rüschlikon ein. Der Studientag schliesst gut an die Lektüre der Offenbarung im Frühjahr 2020 an. Wolfgang und ich fragen, was wir genau erwarten fürs Ende/ bzw. die Vollendung unserer Welt. Ich finde, dass es sich absolut lohnt, die Bibel daraufhin zu lesen und zu befragen.

Hier sind die Themen, die Wolfgang und ich mit euch am Studientag bearbeiten werden. Wir machen es so, dass man auch dann gut mitmachen und verstehen kann, wenn man keine christliche Vorbildung hat.

WAS MENSCHEN HEUTE GLAUBEN
Fast jede und jeder hat Vorstellungen von der Zukunft des Kosmos – davon, auf welches Ziel sich die Erde und das eigene Leben zu bewegen. Wir stellen Überzeugungen vor, die im heutigen Glaubensklima häufig anzutreffen sind. Manche dieser Vorstellungen
– wie die vom vergänglichen Leib und der unsterblichen Seele – sehen christlich aus, sind es aber nicht.

JESU AUFERSTEHUNG UND DER JÜDISCHE KONTEXT
Wie ist Jesu Auferstehung von den Toten im Kontext seiner eigenen Zeit zu verstehen? Was glaubte man im frühen Judentum und was in der antiken nicht-jüdischen Gesellschaft über Tod und Jenseits? Mit der Auferstehung Jesu wird der jüdische Glaube an die Aufer- stehung einerseits aufgenommen, andererseits wird er siebenfach modifiziert.

OSTERN UND DIE FRAGE NACH DER WELTANSCHAUUNG
«Historische Argumente allein können niemanden zwingen, an die Auferstehung Jesu zu glauben, aber sie eignen sich hervorragend dafür, das Gestrüpp zu entfernen, hinter dem sich Skeptizismen verschiedener Art seit langem versteckt halten.» Wir kommen um die Frage nach Weltanschauung nicht herum: Die Auferstehung «ist kein absurdes Ereignis innerhalb der alten Welt.» Sie ist der Beginn der neuen Schöpfung. (Tom Wright, Von Hoffnung überrascht, 90 und 94)

JESU AUFERSTEHUNG VERÄNDERT DIE WELT - JETZT
Was wir über das Ende der Erde und unser persönliches Ende glauben, hat Einfluss auf unser gegenwärtiges Leben.
Durch Jesu Sieg über den Tod sind andere Herrschaftskonzepte entmachtet. Das hat die Gemeinde heute beispielhaft vorzuleben.

WIR BEANTWORTEN FRAGEN
Beispiele: Werden wir als Auferstandene dieselben sein wie heute? Was wird neu sein? Sehen und erkennen wir einander wieder? Gibt es eine zeitliche Abfolge der Ereignisse? Spielt die Art der Bestattung eine Rolle für die Auferstehung?

Den Flyer und nähere Angaben finden Sie, findet ihr links unter ‹Studientag›.


Dienstag, 1. September 2020
Ulrike schreibt: Am Sonntag haben wir die Taufe von Marita gefeiert - sie ist ein fröhlicher, verschmitzt lachender Säugling. Hinterher waren wir als Familie in der Kulturscheune in Ziefen - einem benachbarten Dorf - zusammen. Bei "uns zu Hause" ist es in Corona-Zeiten eben doch zu eng, obwohl wir grosszügig wohnen.

Bis gestern hatten wir verschiedene Menschen zu Besuch, die wir zum Teil lange nicht gesehen haben. Sehr schön! Auch heute kommt jemand für Wolfgang zu Besuch. Ich selbst bin - bevor bald unsere Ferien beginnen - viel in der Gemeinde. Fast ausschliesslich, um mich mit Leuten zu treffen.

Gleich jetzt treffe ich mich mit dem Sozialdiakon des Nachbarorts. Er wird eine kirchliche Trauung in Liestal feiern und braucht gemäss der heute geltenden Kirchenordnung - das wird sich bald ändern - eine Pfarrperson, die die Verantwortung übernimmt. Ich will ihn im Gegenzug ein paar Dinge zur Jugendarbeit fragen; wie er es macht: das interessiert mich wirklich.

Meine Meinung ist, dass wir als Kirche es Menschen, denen es ernst ist mit ihrem Engagement, einfach machen müssen. Keine bürokratischen Hürden aufbauen. ... Ich selbst war angenehm berührt, wie zuvorkommend die reformierte Kirche Biel/Bienne auf Maritas Taufe bei uns in Liestal reagiert hat. Da muss man - weil es die Wohnsitzgemeinde ist - nämlich auch fragen vorher. Und die sind durchaus interessiert und sagen nicht einfach "Ja, dann machen Sie das eben so, wenn Sie meinen". Oder: Ich habe eine grosse Stückzahl von Seelsorge-Schriften im Erzbistum München bestellt, die ich kenne und wirklich gut finde. Deren Verwaltung/ Versand ist auch angenehm unkompliziert.

Zwischendurch habe ich Wolfgangs Impulse von den Schweige-Exerzitien zu Psalm 22 fast vollständig verschriftlicht. Wir wollen sie euch und Ihnen zur Verfügung stellen. Und ich gehe immer noch jeden Tag ins Freibad in Rheinfelden schwimmen. Mittlerweile sind es nur noch wenige Schwimmer/innen am Tag, die hingehen. Manchmal habe ich das ganze Becken für mich alleine. Es nieselt sanft, das Wasser ist angenehm halb-warm, und der Blick auf den Rhein einfach nur toll. Der strömt jetzt durch den vielen Regen mit hohem Tempo und viel braunem Schlamm vorbei.


Mittwoch, 26. August 2020



Das kleine Video - es ist wirklich einfach - ist für diejenigen, die Rasa auch kennen, lieben und ebenfalls gern hier unterwegs sind. Der Säugling ist Wolfgangs jüngstes Grosskind. Wir taufen Marita diesen Sonntag in der Stadtkirche in Liestal. Es gibt eine gute Predigt - 1. Korinther 3,9-17 - die Gott mir auf dem steilen Weg hinunter nach Terra Veccia geschenkt hat :-) Herzliche Einladung.


Montag, 24. August 2020
Ulrike schreibt: Ich habe die bisherigen Impulse von Wolfgang verschriftlicht. Schön, dass er so langsam redet: da kann ich gut mitschreiben :-). Hier der achte Impuls zu Psalm 22:

Psalm 22 hat manches, das nach meinem Urteil selten oder einzigartig in den Psalmgebeten ist. Er setzt ein mit einem grossen Ruf der Verlassenheit. Er gibt der Beschreibung der Verlassenheit weiten Raum. Ich denke, das kann man sich schon einmal merken: Die eigene Verlassenheit, die eigene Not, das, was mit einem geschieht, das darf im Gebet Raum haben. Darauf haben wir hingewiesen. Dann endet der Psalm aber in einer völlig anderen Tonlage. Das kennen wir aus anderen Psalmen auch. Die setzen auch mit Klagen ein, dann gibt es so etwas wie einen Umbruch, dann lobt der Psalmbeter. Man weiss nicht so recht, was denn da passiert ist. So ähnlich geht es in Psalm 22 auch zu.

WIE SIEHT DIE ERHÖRUNG AUS?

Vers 20 hören wir die Bitte: „Aber du, Herr, sei nicht ferne. Meine Stärke, eile mir zu helfen. Errette meine Seele vom Schwert, mein Leben von den Hunden. Hilf mir aus dem Rachen des Löwen, vor den Hörnern wilder Stiere.“ Dann der Satz: „Du hast mich erhört.“ Wie sieht das aus, dass der Beter erhört worden ist? Sind die Tiere jetzt weg? Wenn die Tiere Bilder für Menschen sind, für Institutionen: Haben sich die Menschen entschuldigt, haben sie sich geändert? Was hat sich da geändert?

„Du hast mich erhört.“ Was ist die Folge davon? Davon erfahren wir nichts. Wir erfahren nur, dass der Beter jetzt sagt: „Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern. Dich in der Gemeinde rühmen.“ Er ruft auch andere auf: „Rühmet den Herrn, die ihr ihn fürchtet. Höret ihn, ihr alle vom Hause Jakobs." Er lädt also sein Glaubensumfeld, seine Glaubensgemeinde, ein, Gott zu loben. Aber der Grund dafür - was denn genau geschehen ist - bleibt blass in der Beschreibung.

Genannt wird etwas Inneres, eine Erfahrung. Vers 25: „Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen, sein Antlitz vor ihm nicht verborgen. Und als er zu ihm schrie, hörte er es.“ Auf jeden Fall hören wir daraus: Der Beter begegnet Gott erneut als einem, der ‘hört‘. Ich würde interessiert daran sein, wie das denn nun aussieht, dass er hört. Aber vielleicht soll es reichen.

DAS ENDE SEHEN UND DIE WEITE GLAUBEN

Der letzte Teil des Psalms, geht noch einmal weiter. Er scheint weiter zu gehen in die Weite der Welt und in die Weite der Zeit. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie das war, als Jesus am Kreuz hängt. Er weiss, dass nun keine Bewegung mehr möglich ist. Sein Ende ist da. In diesem Ende muss Jesus die kommende Weite gesehen haben.

Dem Schächer am Kreuz sagt er: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Das, was man sieht, was auch Jesus sieht, ist, dass er gekreuzigt ist. Dass das Ende jetzt unwiderruflich kommt. Was er dem Schächer am Kreuz sagt, für ihn und für sich selbst: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Der Blick geht in der Situation der erfahrenen Endes hinaus auf das Kommende. Ich denke, dass das für Jesus zum Glauben dazu gehört hat. Und dass es zur Deutung dessen, was Glauben heisst, unbedingt dazugehört.

GLAUBEN, WO ES NICHTS MEHR ZU GLAUBEN GIBT

Paulus hat das erfasst und am Glauben des Abraham beschrieben, im Römerbrief Kapitel 4. Man lernt glauben, sagt Paulus, wo es nichts mehr zu glauben gibt. Es ist als ob unser Psalm eine Situation beschreibt, in der man gar nicht mehr glauben kann. In der also menschlich kein Weg des Glaubens mehr offensteht. In dieser Situation setzt – so sagt Paulus – für Abraham der Glaube ein. An einer anderen Stelle sagt Paulus: Man glaubt an den, der die Toten auferweckt. Man glaubt nicht einfach an den, der vor dem Tod rettet. Sondern an den, der die Toten auferweckt.

So endet unser Psalm mit einem Blick über das Ende hinaus. Der menschliche Blick geht zum Ende. Was ich aktuell sehen und beschreiben kann, ist die zunehmende Schwäche, das Eingeengt sein, das Leiden, das Sterben. Das Alte und das Neue Testament sagen: Es gibt gerade dort den Blick darüber hinaus. Dieser Blick hat etwas Protestierendes: Nein, ich glaube nicht daran, dass das das Ende ist.

Von diesem Protest her ist der Schluss des Psalms zu verstehen und zu lesen: „Ich werde dich preisen in der grossen Gemeinde.“ Obwohl die Gemeinde überhaupt noch nicht in Sicht ist. „Ich will meine Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten.“ (Vers 26) Der Beter sieht, wie die Armen gesättigt werden. (Vers 27) Das sieht er vor seinem geistigen Auge, nicht im Blick auf das, was menschlich möglich ist. Sondern er sieht mit den Augen Gottes über das menschlich Mögliche in das hinein, das von Gott her kommt. Wir lernen im Alten Testament an vielen Geschichten diesen Blick kennen. Abraham, der seinen Sohn Isaak opfert, den einzigen. Im Glauben daran, dass es von Gott her weitergeht. Und es geht auch weiter.

JESUS SIEHT ÜBER DAS EIGENE HINAUS

Wir lernen es am Kreuz Jesu kennen. Jesus ist am Kreuz nicht der Verzweifelte, der stirbt. Sondern er ist der, der über das Eigene hinaus sieht. Auf das, was von Gott her kommt und kommen wird. Diesen Blick des Glaubens kann man und muss man einüben.

Diese Einübung geschieht, indem ich nicht das, was mich betrifft, als das Ziel ansehe. Das Ziel Gottes setzt immer ein mit dem ‚Trotzdem‘. Auch wenn es mit mir zu Ende geht, trotzdem, Gott, geht dein Weg weiter. Auch wenn mein Mund verstummt und das Lob nicht mehr sprechen kann, trotzdem geht dein Lob weiter. Auch wenn mein Herz nicht mehr glauben kann, trotzdem wird der Glaube, und nur der Glaube weitergehen.

Wer hier betet, der hat gelernt, dass das Glauben mit dem ‚Trotzdem‘ zusammenhängt. Glauben heisst nicht, ich bete und es wird besser und immer besser. Ich bete weiter und es wird noch besser, und dann geht es am Ende schon irgendwie. Sondern Glauben heisst: Ich bin in der Hand Gottes. Und ich weiss, das Heil wird zu seinem Ziel kommen. Auch, wenn ich von dem dahinten, was sich anbahnt, jetzt nichts sehe. Im Unservater enden wir mit dem Lobpreis „denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“. Das ist das Wissen darum, dass das Reich – nämlich alle Herrschaft und damit das letzte Wort – Gott gehört. Das gilt auch dann, wenn uns der Blick dafür genommen wird. „Dein ist das Reich“ ist das Wissen darum, dass die Kraft Gottes ist. Auch wenn ich selbst von dieser Kraft nichts sehe.

ES IST DIE ZUSAGE GOTTES

Dass es weitergeht, ist mein Glaube. Der Glaube lebt aus der Zusage Gottes. Wir sind dankbar, dass dieser Glaube auch immer wieder Erfahrungen macht und zeichenhaft von Gott eingelöst wird. Glauben heisst aber auch, wir haben uns entschlossen, zu glauben, auch wenn unser Weg dahin führt, dass wir nichts sehen. Die Märtyerinnen der Kirche und die Märtyrer Israels, sind in den Tod gegangen, ohne zu sehen. Sie haben gegen alles Sehen, erfahren, was es heisst zu glauben. Auf diesen Weg will uns Psalm 22 mitnehmen.

Was uns der Schluss von Psalm 22 beschreibt, ist eine Schau der Hoffnung. Die Hoffnung ist stärker als alle Erfahrung, die der Hoffnung widerspricht. In anderen Psalmen steht auch der Begriff ‚dennoch‘ da. Psalm 73, den ich mehrmals erwähnt habe, hat dieses ‚dennoch‘: „Dennoch bleibe ich stets bei dir. Du hältst mich bei meiner rechten Hand.“

IN GOTTES ZUKUNFT IST AUCH MEIN PERSÖNLICHER WEG AUFGEHOBEN

Der biblische Gedanke der Hoffnung meint doch, dass es in Gott weitergeht und in Gott auch mit mir weitergeht. Aber ich bekomme in mir, in meinem momentanen Leid, meiner Begrenztheit, meinem Eingesperrtsein und mein Gebundensein, nichts als dieses Wort: Es geht mit dir weiter. Dieses Weitergehen ist ein Weitergehen, das in Gott liegt. Es ist sein Versprechen. Dieses Versprechen führt mich dazu, zu sagen: Ich will nicht glauben, dass das, was mir in mir selbst ansichtig ist, auch mein Letztes ist. Sondern mein Letztes, das auch mich übersteigt, ist in ihm schon da. Das ist nicht symbolhaft gemeint, wie wenn Leute sagen: „In meinen Kindern geht ja mein Leben weiter.“ Das ist nur das Leben der Kinder, das weitergeht, aber nicht meines.

MICH IN DIE ZUSAGE EINÜBEN

In dem Hoffnungsdenken des Alten und Neuen Testaments ist es tatsächlich mein Leben das weitergeht. Aber dass mein Leben weitergeht, ist mir nur als eine Hoffnung zugänglich und nicht als etwas Vorweisbares hier drinnen. Diese Hoffnung kann man nicht einüben. Sie ist ja kein Ergebnis einer Übung. Und doch kann ich üben, es mir immer wieder zuzusagen. In Gott geht das, was mich meint, was mit mir gemeint gewesen ist, weiter. Obwohl es hier, in dem Leben, das ich sehe, nur abbricht.


Samstag, 22. August 2020
Ulrike schreibt: Hier könnt ihr den nächsten Impuls von Wolfgang zu Psalm 22 lesen. Es ist der siebte.

Psalm 22 - Der Name als verdichtete Erfahrung (7)

Kommen wir noch einmal in Fortführung von heute Morgen zum Gespräch mit den Brüdern: „Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen.“ (Vers 23)

Der Beter in Psalm 22 hat zunächst einmal mit sich selbst gesprochen und mit Gott gesprochen. Wir denken daran: Er redet nicht ‘über’ Gott, sondern er redet ‘mit’ ihm. Ich selber bin in meiner Erziehung zum Beten nach meinem Urteil viel zu wenig darauf aufmerksam gemacht worden, dass man zu Gott so offen sein darf. Ich wusste zwar, dass man zu Gott offen sein darf, den Satz hatte ich gehört: Du darfst Gott alles sagen. Aber das zu wissen und es dann auch zu tun – dass ich so offen reden darf wie der Beter es hier tut – das ist noch zweierlei. Vielleicht kann ich dem auch einmal nachgehen: Wie weit ist meine Offenheit Gott gegenüber wirklich offen? Vielleicht habe ich gelernt, dass man mit Gott ‘schön’ reden muss. Dass man Gott gegenüber ‘sehr dankbar’ zu sein hat. Dass man Gott loben soll usw.. Das hat in meinem Weg zum Beten hin einen hohen Stellenwert gehabt. Dann habe ich halt zusammengesucht in meinem Leben, was es da gibt zum Loben. Auch wenn mir nicht zum Loben zumute war, habe ich für vieles gelobt und gedankt. Der Psalmbeter hat hier eine andere Form von Offenheit, das ist das eine. Und nun, nach gut der Hälfte des Psalms, nämlich von Vers 23 an heisst es:

„Ich will (oder werde) von deinem Namen meinen Brüdern erzählen,
inmitten der Versammlung werde ich dich preisen.“

DIE VERLORENHEIT FÜHRT ZUM ERZÄHLEN

Er ahnt, dass seine Erfahrung mit der Verlassenheit, der Verlorenheit – der Verlorenheit innen und der Verlorenheit aussen – so gross ist, dass sie zum Erzählen führen soll. Weil Gott ihm heraushilft. Nun hören wir, wie dieses Erzählen aussehen könnte:

„Ihr die ihr ihn fürchtet; preist ihn, aller Same Jakobs ehrt ihn,
erschauert vor ihm, ihr alle vom Samen Israels!“ (Vers 24)

Er spricht Israel als die Volksgemeinde an: den Samen Jakobs, den Samen Israels. Er nennt sie, „die, die ihn fürchten“. Ich hoffe, dass das unter uns klar ist. Es geht hier nicht um Angst vor Gott, sondern es geht um die Erfahrung, dass man Gott ernst nimmt. Und zwar Gott so ernst nimmt, wie man sonst nichts ernst nimmt. Gott fürchten heisst, ihn über alle Dinge lieben und vertrauen und ernst nehmen. Das begründet der Psalmbeter.

„Denn er hat nicht missachtet, nicht verschmäht die Gebeugtheit der Gebeugten,
nicht die Niedrigkeit der Niedrigen. Er hat sein Antlitz vor ihm nicht verborgen,
er hat gehört, wenn er – der Niedrige – zu ihm gestöhnt hat.“ (Vers 25, Übersetzung von Martin Buber)

GOTT IST BESONDERS

Was lernen wir daraus? Der Psalmbeter erfährt Gott in einem Handeln, das ihm als besonders erscheint. Das Besondere: „Gott hat nicht missachtet und nicht verschmäht den Niedrigen.“ Es kann sein, dass unsere Art, das Leben zu bewerten, auch im Glauben eine Rolle spielt. Wir bewerten einen Menschen hoch und wir werden hoch bewertet, wenn wir tüchtig sind, wenn wir leistungsfähig sind, wenn wir Dinge können und beherrschen. Der Beter macht die Erfahrung, dass Gott darauf nicht achtet.

Der Gebeugte, der im Laufe des Lebens, des Berufes, der Beziehungen, wenig zählt, der übersehen wird, wird von Gott ernst genommen. Der Begriff 'Gebeugtsein' spielt in meinem Wortschatz keine Rolle. Aber ich kann mir überlegen: Wie nenne ich das? Eine Lebenshaltung, die unter den Menschen nicht viel zählt. Eine Lebenshaltung, aus der ich selber aussteigen möchte, damit ich wertvoll bin. Damit ich überhaupt ‘etwas‘ bin.

Das Besondere verdichtet der Psalmbeter jetzt in diesem einen Satz. Wie würde ich das Besondere - wie Gott Menschen begegnet – für mich in einem Satz zusammenfassen? Dem Psalmbeter scheint das wichtig, weil er seine Brüder, also die Mitglieder seiner Glaubensgemeinschaft, daran erinnern will. Er will sie daran erinnern, nicht auf den Irrtum hereinzufallen, dass Gott Menschen bewerten könnte, so wie wir Menschen bewerten.

DIE ANGST, ÜBERSEHEN ZU WERDEN

Welche Erfahrungen tauchen da bei uns auf? Ich kann es auch umgekehrt sagen: Wo habe ich Angst, dass ich bei Menschen nicht zähle? Nicht vorkomme, übersehen werde? Wo habe ich Angst, dass ich bei Gott nicht vorkomme, nicht zähle, übersehen werde? Wo bin ich froh, wenn es mir jemand immer wieder zuspricht: Bei Gott ist das nicht so.

In unserem Psalm formuliert der Psalmbeter in Vers 23 das auf eine merkwürdige Art und Weise. Auch Martin Buber schleicht sich da ein bisschen drum herum. „Ich will meinen Brüdern erzählen“. Wörtlich heisst es: zählen, aufzählen. Ich will meinen Brüder etwas aufzählen. Was will er aufzählen? Seinen Namen.
Das ist eine merkwürdige Formulierung. Was steckt dahinter? Der Name Gottes ist eine verdichtete Erfahrung, die ich mit Gott mache. Wir kennen das, wenn wir einen Menschen lieben oder von einem Menschen geliebt werden. Wir haben dann das Bedürfnis, diesem Menschen einen Namen zu geben. Einen Kosenamen, einen Liebesnamen. Von diesem Namen wissen dann nur wir beide, er und ich. Wenn dieser Name ausgesprochen wird, dann klingt etwas ganz Besonderes an. Das lässt sich mit dem Verstand nicht analysieren. Das ist auch nicht nötig. Ich bin froh, wenn ich einen solchen Namen auch vom andern bekomme, und dann sage ich dem andern vielleicht: Du hast mich schon lange nicht mehr so genannt. So geht es dem Menschen auch mit Gott.

HAGARS ERFAHRUNG UND DER NAME

Es gibt eine wunderschöne Geschichte, 1. Mose 16. Sara wird nicht schwanger und gibt darum ihre ägyptische Magd dem Abraham zur Frau, damit sie anstelle von Sara schwanger wird. Sie wird schwanger und der Bibeltext erzählt sehr nüchtern, ohne grosse Umschweife, dass die Hagar sich nun der Sara gegenüber überhebt. Sara beschwert sich bei Abraham. Abraham sagt: „Das ist deine Magd.“ Hagar ist Privatbesitz von Sara. „Du kannst ja mit ihr machen, was du willst.“ Abraham mischt sich in dieses Verhältnis nicht ein. Der Bibeltext erzählt nicht gross. Er sagt nur, dass Sara hart mit Hagar umgeht. Wir erfahren, dass es so schwer ist, dass Hagar davon läuft. Sie flieht und will nach Hause, nach Ägypten. Auf dem Weg findet sie ein Engel und fragt sie: „Woher kommst du Hagar und wohin gehst du?“ Hagar antwortet: „Meine Herrin ist hart gegen mich.“ Der Engel sagt ihr: „Hagar, geh zurück.“ Sie bekommt das Versprechen, dass ihr Sohn, den sie Ismael nennen soll, eine grosse Nachkommenschaft bekommen wird. ‚El‘ heisst Gott und ‚schama‘ hören, also: Gott hat gehört. Dann verschwindet der Engel. Hagar ist an einem Brunnen. An diesem Brunnen gibt sie Gott einen Namen. Das ist nach meinem Wissen die einzige Geschichte, in der ein Mensch Gott einen Namen gibt. Sie macht die Erfahrung, dass Gott sie sieht, dass Gott sie in ihrer Not sieht. Diese Erfahrung Gottes verdichtet sie zu einem Namen, mit dem sie Gott nun anspricht: „Du bist der El Roi, der Gott meines Ansehens; der Gott, der mich sieht.“ Wir erfahren damit, was ein Name ist. Ein Name ist eine erhoffte oder eine verdichtete Erfahrung.
Wir kennen das. Ich gebe einem Kind einen Namen, weil ich mir diese Erfahrung, zum Beispiel, dass Gott hört, oder dass Gott gibt, für dieses Kind wünsche. Ich nenne mein Kind vielleicht Nathan – das heisst: Gott hat gegeben – weil dieses Kind mir von Gott gegeben ist. Meine Erfahrung verdichtet sich zum Namen, den ich diesem Kind gebe.

DER PSALMBETER MACHT EINE ERFAHRUNG UND MUSS ERZÄHLEN

Was wir in Psalm 22 lesen, ist etwas ganz ähnliches. Der Psalmbeter macht in seiner Not des Verlassenseins, des Nicht-Gehörtwerdens, eine Erfahrung mit Gott. Diesen Namen, diese Erfahrung verdichtet sich zu einem Namen. Wir wissen nicht zu welchem. Den gibt er seinen Brüdern weiter. Jedes Mal wenn der Name genannt wird, erinnert man sich daran: Diese Erfahrung habe ich mit Gott gemacht.

Ich lade ein, dem selbst einmal nachzugehen: welche Erfahrung habe ich mit Gott gemacht? Was hat meinen Weg im Glauben auf besondere Weise geprägt? Welche Erfahrung brauche ich, dass ich sie mit Gott mache? Was wünsche ich mir an Erfahrung, die mir dringend ist für meinen Weg im Glauben? Wenn ich diese Erfahrung oder diesen Wunsch zu einem Namen verdichte, wie lautet dieser Name? „Du bist der Gott, der ...“ Soweit die Anregung, dem eigenen Erfahren und dem eigenen Sehnen nachzugehen, auch für das Gespräch mit den Schwestern und Brüdern im Glauben.


Freitag, 21. August 2020
Ulrike schreibt: Heute bin ich sehr früh nach Rasa zurück gekommen. Ich mag es, nachts Auto zu fahren, wenn die Strassen noch leer sind. Und wenn ich ohne Wartezeit durch den Gotthard fahren kann. Hier teile ich mit euch Wolfgangs Impuls von gestern Vormittag. Ein Impuls 'fehlt' also - ich habe den Mitschrieb in Liestal liegen gelassen.

PSALM 22 - GEBET ALS ANTEILNEHMEN (6)

Etwas zum Aufbau des Psalms. In der ersten grossen Hälfte des Psalms spricht der Beter, die Beterin über sich und seine bzw. ihre Not. Das klingt nach einem Menschen, der sich in seiner Not isoliert weiss und sich als einsamer Mensch an Gott wendet. Die anderen Menschen, die in der ersten Hälfte des Psalms (Verse 1-22) vorkommen, sind die, die der Beter als Gegner, als Angreiferinnen, als seine Not erfährt.

HINWENDUNG ZUR GEMEINSCHAFT

Von Vers 22 an – „du hast mich erhört“ - geht der Psalm in einen zweiten Teil über. Der ist wesentlich kürzer. Dort tauchen die Brüder auf und damit sind auch die Schwestern gemeint. Der Beter wendet sich gedanklich, betend, an die nahe Gemeinschaft, zu der er gehört. Diese Wende an die Gemeinschaft ist damit verbunden, dass er „erhört“ worden ist. Er will die Erfahrung des Erhörtseins mit den glaubenden Menschen teilen, zu denen er gehört.

WELTWEITE GEMEINDE

Dann haben wir einen dritten Teil des Psalms, der mit Vers 26 beginnt und bis zum Ende geht. Auch hier gibt es eine Wende. Es heisst: „Ich will dich preisen in der grossen Gemeinde“ (Vers 26). Die grosse Gemeinde, das sind die Glaubenden in der ganzen Welt. Hier geht die Dimension über die eigene Glaubensgemeinschaft weit hinaus. Und zwar so weit, dass sogar die Verstorbenen darin eingeschlossen sind. "Es werden gedenken und zum Herrn umkehren aller Welt Enden (...) Vor ihm werden die Knie beugen alle, die zum Staube hinabfuhren" (aus den Versen 28-30). Auch diejenigen Menschen, die uns in der Geschichte als Glaubende vorausgegangen sind, gehören in dieses Gebet mit hinein. Soweit zum Aufbau.

Wir merken: der Psalm beginnt zwar mit einer Erfahrung der Isolation („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“). Aber er endet nicht damit. Sondern er geht in die grösste mögliche Weite des Betens und Glaubens hinein.

JESUS BETET DEN PSALM

Wir haben damit den Weg Jesu vor Augen. Jesus betet am Kreuz diesen Psalm, er teilt diese Erfahrung der Isolation mit vielen anderen. Es gibt wahrscheinlich keinen Ort, der so in die Isolation führt wie diese Kreuzeserfahrung. Aber indem Jesus diesen Psalm betet, bettet er seine Isolationserfahrung ein in den Glauben, dass sein Weg

- zur Erhörung führt
- zu den Brüdern und Schwestern in der Gemeinde führt
- bis ans Ende der Welt reicht, also die letzte und grösstmögliche Dimension hat

Man könnte sagen: der Psalm 22 ist auf alle Seiten hin extrem. Extrem in der Isolation und extrem in der Weite. beides miteinander. Gestern habe ich versucht, darauf aufmerksam zu machen, dass die Erfahrung, die der Psalm im ersten Teil beschreibt, befragbar ist, ob der Beter/ die Beterin nicht übertreibt.

Ich glaube ich würde so manchen, der das Gespräch mit mir sucht, daraufhin ansprechen. Es ist im Erleiden der eigenen Not möglich, dass einen die Not zur Übertreibung führt. Das darf auch sein. Denn ich erlebe mich und meinen Weg, den Gott mich führt, als derart extrem, dass ich ihn nur noch so ausdrücken kann, wie der Beter es hier tut. Aber es gibt tatsächlich Erfahrungen im Glauben, die nicht zur Übertreibung gehören, sondern die tatsächlich derart schwerwiegend, derart extrem sind. Das gilt auch für die anderen Psalmen. Es gibt Psalmen, die im Ausdruck des Leidens, der Angst und der Anfechtung, aber auch in der Erfahrung des Jubels, des Lobes Gottes so gross sind, dass ich nicht weiss, ob ich mit meiner Erfahrung da hinein passe.

WENN DER PSALM ‚ZU GROSS‘ IST

Auch ich erlebe Anfechtung. Aber ich muss sagen, dass meine Anfechtung nicht so gross ist, wie sie der Psalm formuliert. Ich erlebe Freude und Jubel, aber so gross wie die Freude und der Jubel im Psalm ausgedrückt wird, ist meine Erfahrung nicht. Das gehört mit zu den Psalmen. Die Psalmen bieten mir eine Sprache an, die grösser ist als meine Erfahrung. Ein Theologe (Fulbert Steffensky) hat einmal die Psalmen mit einem Paar zu grosser Schuhe verglichen. Ich will lieber von einem zu grossen Kleid reden. Es ist, als ob die Psalmen 'Kleider' sind. Die Kleider, die mir angeboten werden, sind ein paar Nummern zu gross. Aber ich ahne, dass ich, wenn ich sie erst einmal anziehe, hineinwachsen kann.

Es ist verhängnisvoll, wenn ich glaube, ich dürfte nur das beten, was meiner jetzigen ‚Kleidergrösse‘ entspricht. Um diese Erfahrung verständlich zu machen, sollte man an die Erfahrung in Gethsemane denken. Jesus bittet drei seiner Jünger, mit ihm zu kommen. Er sagt: „Bleibt hier und wacht mit mir.“ Die Erzählung macht deutlich, dass Jesus seine Jünger damit hoffnungslos überfordert. Sie schlafen ein. Was Jesus in seiner Not braucht und erbittet, ist ‚gross‘. Das ist eine grosse Nummer. In diesen Stunden mit ihm zu beten, ist die Einladung Jesu, an seinem Leiden mit Teil zu nehmen. Auch dann, wenn es im Moment nicht das Leiden der Jünger/ nicht mein Leiden ist.

ANTEILNEHMEN AN DER NOT DER ANDEREN

Psalm 22 ist eine solche Einladung. Es wäre nicht aufrichtig, wenn ich sagen würde, dass Psalm 22 ‚mein‘ Gebet ist. Ich erfahre im Moment nicht, dass Gott schweigt oder dass er mich verlassen hat. Das ist nicht meine Erfahrung.

Aber ich weiss, dass es diese Erfahrung gibt, dass es Menschen gibt, die diese Erfahrung machen. Ich darf im Gebet an die Seite dieser Menschen treten und mit ihnen in ihrer Not mitbeten. Bei mir geschieht das so, dass ich, wenn ich Psalm 22 bete, mir vorstelle, wer das ist. Ich kenne diese Menschen zum Teil nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie in einer psychischen Isolation oder einer menschlichen Isolation an diesen Punkt geraten sind. An dem sie nur noch so beten können. In einem geistlichen Sinn trete ich an die Seite dieser Menschen und bete mit ihnen.

So wünsche ich es mir auch für mich selber. Wenn ich einmal in diese Not gerate, würde ich gern die Erfahrung machen, dass andere auch an meine Seite treten. Hier schliesst sich uns eine Dimension des Betens auf, die manchen Menschen fremd erscheint.

Der Philosoph Blaise Pascal hat viel über Gethsemane nachgedacht. Auf französisch spricht er von l'agonie. ‚Agonie‘ meint den Todeskampf. Pascal sagt, dass Gethsemane, die Agonie Jesu, bis an das Ende der Welt geht. Was meint er damit? In den nicht christlich-jüdischen Vorstellungen ist es so, dass wir Menschen in der Not ‚unten‘ sind. Die Götter sind ‚oben‘ und sind unberührt. Beten heisst dann, dass ich in der Not versuche, diese Götter dort oben zu erreichen, um sie aus ihrer Unberührtheit herauszulocken und sie für meine Not zu engagieren.

ES IST GOTTES LEIDEN

Im jüdisch-christlichen Bereich ist das Denken anders. Auch wenn mancher Christ, manche Christin eher auf heidnische Weise denkt. In den biblischen Erzählungen ist es vor allem Gott, der vom Leiden und der Not seiner Menschen berührt ist. Wenn Menschen hungern und leiden in der Welt, dann ist Gott betroffen.

Es ist zunächst einmal nicht mein Leiden. Es ist sein Leiden. Es ist ja seine Welt, es sind seine Menschen. Das ist es, was Blaise Pascal meint: Mache die Augen auf für das Leiden Gottes an dieser Welt und in dieser Welt.

So kann ich Psalm 22 beten als meinen Versuch, in Gethsemane an die Seite Jesu zu treten. Ich bete dann diesen Psalm zusammen mit ihm. Psalm 22 ist wie kein anderer Psalm der Bibel eine Beschreibung des Leidensweges, wie ihn Jesus geht. Man kennt die Leiden, die in Psalm 22 genannt werden, aus den Evangelien: den Spott, die Menschen, die den Kopf schütteln und sagen: „Gott soll dir helfen, du hast ja auf ihn vertraut“ und die Kleider, um die gewürfelt wird. All das taucht in der Passionsgeschichte auf.

Wichtig ist die Einsicht, dass die Passion nicht etwas ist, was für Jesus nur Vergangenheit ist. Es ist wie Blaise Pascal sagt: Die Agonie Jesu geht bis an das Ende der Welt. Sie zeigt mir die Aktualität von Psalm 22.

Es gibt ein paar Stellen in den Psalmen, die ich für mich als Ausdruck meiner Situation nur schwer beten kann. Ich hatte auf Psalm 73 hingewiesen, einen Psalm, der für mich einige Ähnlichkeit hat. Dort betet der Psalmbeter: „Was immer kommt, will ich ertragen um deinetwillen.“ Ich weiss nicht, ob ich das beten kann. Ich wünsche es mir, dass, wenn es soweit ist, ich in solcher Erfahrung Gott treu sein kann. Aber ich weiss es nicht.


IN GOTTES ANLIEGEN EINSTIMMEN

Soweit zu unserem Psalm 22. Heute Vormittag haben wir eine bestimmte Dimension dieses Psalms kennengelernt. Beten heisst nicht zuerst „für sich zu beten“, sondern beten heisst „Anteil zu nehmen“. Damit beginnt übrigens auch das Vaterunser: Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe.

Wenn Jesus uns Beten lehrt, lehrt er zunächst das Gebet als Anteilnehmen. Damit öffnet sich mir eine Möglichkeit, Anteil zu nehmen, und das in zwei Richtungen. Zum einen nehme ich Anteil am Leiden Jesu - bis heute. Zum anderen begreife ich die Not dieser Welt als eine Not Gottes. Die Einsamkeit in der Welt begreife ich als eine Einsamkeit Gottes. Den Hunger in der Welt, die Erfahrung von Lieblosigkeit, von Hass und Brutalität usw. begreife ich als Leiden Gottes am Hunger, am Hass, an der Lieblosigkeit. Und dann trete ich an seine Seite, um ihn nicht allein zu lassen. Christliches Beten gibt es nur als solches Anteilnehmen. Wenn ich Anteil nehme an ihm, dann führt mich das hin zu den Brüdern und Schwestern. Darauf kommen wir heute am Nachmittag.


Mittwoch, 19. August 2020
Ulrike schreibt: Ich bin heute mit dem Auto nach Liestal zurückgefahren. In der Kirchgemeinde haben wir morgen nicht-verschiebbare Sitzungen. Wolfgangs Impulse zu Psalm 22 habe ich heute noch gehört. Beide Impulse (4 und 5) beschäftigen sich mit der Wirklichkeitswahrnehmung des Psalmbeters und mit unserer eigenen Wirklichkeitswahrnehmung. Woher weiss ich, dass ich Gott, sein Handeln und meine Lage 'richtig' wahrnehme? Woher weiss ich, dass ich nicht meinen persönlichen Empfindungen, Ängsten usw. aufsitze? ... Den zweiten mehr praktischen Impuls veröffentliche ich dann morgen. Wolfgang nennt Hilfen zur Unterscheidung. Was kann ich dafür tun, nicht mir selbst - meiner inneren Stimme - aufzusitzen und mich täuschen zu lassen? Hier also der erste Impuls:

DIE WIRKLICHKEIT UND MEIN INNERES ECHO

Wir wenden uns einer Frage zu, die das biblische Denken grundsätzlich durchzieht. Wie stelle ich fest, dass das, was ich glaube - wovon ich überzeugt bin - 'wirklich' ist? Was ist Wirklichkeit?

Wir schauen noch einmal die Fotos der Stadt Cordes-sur-Ciel an. Die Stadt liegt auf einem Berg. Man sieht auf den Bildern nur den oberen Teil der Stadt. Der untere Teil der Stadt und der gesamte Berg sind im Nebel verborgen. ... Auf einem anderen Foto beginnt sich der Nebel bereits zu lichten: er wird durchsichtig. Der Betrachter ahnt, dass es im Nebel ‚mehr‘ gibt als er sieht. Vielleicht kennen wir das Dahinterliegende sogar und wissen: Da ist nur für den Moment etwas verdeckt.

Wir schauen weitere Fotos von Cordes-sur-Ciel an. Sie sind zu verschiedenen Tageszeiten gemacht. Die Stadt ist einmal in klares Morgenlicht getaucht, ein anderes Mal in warmes Abendlicht. Auch unser eigenes Leben kann wie in unterschiedliches Licht getaucht sein. Das gilt auch für unsere Beziehung mit Gott. Manchmal ist sie wie von hellem Morgenlicht überstrahlt, manchmal wie in warmes Abendlicht getaucht, manchmal liegt sie versteckt wie im Nebel.

WAS LÄSST SICH ERZÄHLEN?

Im Hebräischen legt man Wert auf die Frage: "Was geschieht wirklich?" Heisst: Was lässt sich erzählen? Es gibt Vorgänge, die ‚draussen‘ sind, und es gibt mein inneres Echo auf diese Vorgänge. Wolfgang rät, sich nicht zu sehr auf sein inneres Echo einzulassen. Es sagt mir nicht das Entscheidende über die Wirklichkeit. Wesentlich ist das, was draussen geschieht, was auch von anderen wahrgenommen und erzählt werden kann.

Manche Menschen haben eine sehr scharfe Wahrnehmung davon, was draussen vorgeht. Andere sind sehr scharf im Wahrnehmen dessen, was in ihrem Inneren vorgeht. Im seelsorgerlichen Gespräch kommt es dann oft zur Frage, was denn 'wirklich' ist. Welches Gewicht muss ich den äusseren Vorgängen geben und welches Gewicht soll mein inneres Empfinden haben?

Wie geht man zum Beispiel damit um, wenn das eigene innere Echo im Moment nur ‚Nebel‘ wahrnimmt? Wenn man aber weiss: Da war einmal etwas. Man fragt sich: Ist das immer noch so? Gibt es das noch und ist es im Moment bloss verdeckt?

WOHER WEISST DU DAS?

Der Psalmist betet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.“ (Psalm 22,2) Wir können die Rückfrage an den Beter stellen: Woher weisst du, dass Gott dich verlassen hat? Ist das eine Wahrnehmung oder ist das dein persönliches Empfinden, dein inneres Echo? Das ist nicht leicht zu unterscheiden.

Der Psalmbeter fährt fort und gibt die Antwort (Vers 3): „Ich rufe, aber du gibst keine Antwort.“ Dass er keine Antwort bekommt, ist eine Wahrnehmung und kein Empfinden bzw. inneres Echo.

WIE KANN ICH UNTERSCHEIDEN?

Wie kann ich Wahrnehmung und inneres Echo/Empfinden unterscheiden? Woher weiss ich, wer Gott ist und was er tut? Und woher weiss ich, was mein inneres Empfinden ist? Wir sind in unserer Kultur sehr daran gewöhnt, auf unser inneres Empfinden zu hören. Wir fragen uns: Welchen Eindruck macht ein Mensch auf mich? Gefällt mir etwas, spricht es mich an? usw. Wir schliessen aus unserem inneren Echo, was 'wirklich' ist.

Die biblischen Berichte erziehen uns in dieser Hinsicht zu Vorsicht und sogar zur Kritik. Das hebräische Denken ist in dieser Hinsicht radikal: ‚Wirklich‘ ist das, was du wahrnehmen kannst, was auch andere wahrnehmen, was du miteinander teilen kannst.

Die alttestamentlichen Propheten sind in einer schwierigen Position, weil sie ihre Wahrnehmung nicht teilen können. Sie sehen bzw. hören etwas, was die anderen so nicht sehen bzw. hören. Die Propheten gehen darum zurück zu Gott und er bestätigt ihnen ihre Wahrnehmung. Wenn ich in meinem Sehen alleine bleibe, heisst das nicht, dass es nicht Wirklichkeit sein kann. Es wird dann aber schwierig.

Wolfgang lädt ein, den Psalm 22 auf die Aussagen des Beters hin zu lesen und eine Unterscheidung zu versuchen

- Was davon ist wahrnehmbar?
- Was davon ist sein inneres Echo?

Es ist zum Beispiel die Wahrnehmung des Beters, dass Menschen ihn verspotten, das Maul aufsperren und den Kopf schütteln (Vers 8). Das werden ihm auch andere Menschen so bestätigen. Wenn er aber sagt „Ich bin ein Wurm und kein Mensch“, dann ist das sein Empfinden/ sein inneres Echo. Oder: Es ist eine Wahrnehmung, dass die anderen seine Kleider unter sich teilen und das Los um sein Gewand werfen (Vers 19). Wahrnehmungen solcher Art machen Menschen heute in gleicher Weise.

MEIN EMPFINDEN AN DEM FESTMACHEN, WAS GESCHIEHT

Wir fragen also wieder: Woher weiss der Beter von Psalm 22 von Gott und seinem Tun?

(1) Er weiss von Gott aus seiner eigenen, früheren Erfahrung, seiner Wahrnehmung, die er oft mit anderen Menschen geteilt hat.
(2) Er weiss von Gott durch die Väter. Im Lesen der Bibel bekommen wir Anteil an dem, was die Mütter und Väter des Glaubens wahrgenommen haben. Sie haben auf Gott gehofft, sich haben sich mit Gott „verklebt“ (Vers 5). Auch ihnen gibt ihr Inneres ein Echo, selbstverständlich. Aber sie begründen es und erzählen: Dies und jenes ist geschehen und darum empfinde ich so.

Die Bibel ist kein Buch, das zu guten Empfindungen anleiten will. Wir sollen vielmehr lernen, unser Empfinden an dem fest zu machen, was tatsächlich geschehen ist.

DIE LOBGESÄNGE ISRAELS

In Vers 4 heisst es: „Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.“

- ‚Heilig‘ meint, dass etwas grundsätzlich anders ist.
- Du thronst, heisst wörtlich: du sitzt. Du hast dich dauerhaft niedergelassen (jaschab)
- Im Hebräischen steht nicht 'auf' und nicht 'über'. Sondern da steht: „Du (bist) heilig, thronend – die Lobgesänge Israels.“

Man stellt sich vielleicht vor, dass Gott 'auf' den Lobgesängen wie auf einer Wolke sitzt. Aber das steht nicht da. Der Satz ist rätselhaft. Wolfgang bietet sein eigenes Verständnis an:

Im Alten Testament ist die Frage von Bedeutung, wo Gott wohnt. Darum: Wohnt Gott in den Lobgesängen Israels? Wolfgang: Die Lobgesänge Israels erzählen mir von Gott und seinem Handeln. Ich lausche auf die Lobgesänge Israels. Der Psalmbeter lauscht auf die Lobgesänge Israels. Wir sind eingeladen, in sie einzustimmen.

Die Lobgesänge erzählen nicht meine Erfahrung, auch nicht mein Empfinden davon, wer Gott ist. Die Lobgesänge erzählen von den Vätern und Müttern des Glaubens. Sie erzählen von dem, was diese wahrgenommen haben - miteinander und als einzelne. Die Lobgesänge Israels sind keine protokollarischen Mitschriften. Sie sind eine glaubende und lobende Stellungnahme. Sie erzählen davon, wie es zugegangen ist: wie sich die Väter und Mütter „festgemacht“ haben und „verklebt“ worden sind mit dem Gott Israels (Vers 5). Auch die Väter haben den Glauben an Gott lernen müssen.

ES MUSS NICHT DURCH EIGENE ERFAHRUNG GEDECKT SEIN

Wolfgang sagt, dass wir uns frei davon machen sollen zu meinen, alles müsse unser eigenes Echo sein, damit es ‚wirklich‘ ist. Viele von uns haben vieles von dem, was die Väter Israels erfahren haben, nicht selbst erfahren. Aber wir stimmen in den Lobgesang Israels mit ein. Das sollen wir auch, dazu lädt uns der Lobgesang ein.

Wenn Gott so beschaffen wäre, wie er in meinem kleinen persönlichen Echo vorkommt, dann könnte mein Glaube davon nicht leben. Es kann Zeiten im Leben geben, wo es im Innern kein Echo mehr auf Gott und sein Handeln gibt. Wir sollten nicht meinen, das unser eigenes Echo die Wirklichkeit erzählt. Es sind die Lobgesänge Israels, die die Wirklichkeit erzählen.

Frage: Was ist, wenn eine Glaubensgemeinschaft heute viele persönliche Erfahrungen mit Gott macht? Wenn sie viel inneres Echo haben? Können sie sich darauf beziehen und davon leben? Wolfgang meint, dass auch das Echo, das ein starker Jubel ist, daraufhin befragbar sein muss, ob es der Wirklichkeit entspricht. Stimmt es mit dem überein, was die Lobgesänge Israels uns erzählen?


Dienstag, 18. August 2020
Ulrike schreibt: In Rasa scheint die Sonne, aber es ist kühler als in Liestal. Sehr angenehm. Wolfgang hat den zweiten und dritten Impuls zu Psalm 22 gegeben. Ich stelle Ihnen und euch meine Mitschrift zur Verfügung.

Wir haben festgestellt, dass wir unseren Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft richten können. Es geht dabei nicht darum, dass die eine Blickrichtung besser wäre als die andere. Es geht nicht um 'richtig' oder 'falsch'. Sondern um die Frage: Was bringt mir der Blick auf meine gegenwärtige Situation? Und was kann dieser Blick nicht leisten?

Wir erinnern uns: In Psalm 73 sagt der Betende: „Beinahe wäre ich gescheitert. Denn ich sah, dass es den Gottlosen gut geht“ (Vers 2f). Da passiert etwas mit ihm. Er ist versucht, seine gegenwärtige frustrierende Erfahrung für das Endgültige zu halten. Das ist sein Fehler. Die gegenwärtigen Erfahrungen sind da – die Gegenwart hat im Hebräischen einen starkes Gewicht. Aber sie ist nicht das Endgültige. Was ist es, das dem Betenden in seiner Anfechtung hilft? Er tritt in das Heiligtum und sieht "auf ihr Ende" (Psalm 73,17).

Manchmal entwickeln wir aufgrund einer gegenwärtigen Erfahrung eine innere Vorstellung davon, wohin unser Weg uns führen wird. Zum Beispiel: Weil jetzt eine bestimmte Sache gut geht, wird Gott es immer so mit mir machen. Das kann ein Irrtum sein: das jetzige Erleben für das Bleibende zu halten.

JESU GEBET AM KREUZ

Jesus betet am Kreuz den ganzen Psalm 22. Wolfgang fragt, warum so viele Christinnen und Christen die "Verlassenheit Jesu" in der Vordergrund stellen. Warum hat sich in der Tradition der Ruf der Verlassenheit dermassen festgeschrieben? Zum einen beginnt dieser Satz – nämlich Vers 2 – nicht mit der Verlassenheit. Er beginnt mit der Anrede an Gott: „du, mein Gott“. Wie würden wir die Kreuzigungsgeschichte erzählen, wenn wir unser Hören auf Jesu Anrede richten: „Du, mein Gott“? Jesus ist am Kreuz im Gespräch mit seinem Gott.

Zum anderen beginnt der Psalm 22 mit Verlassenheit und Verzweiflung, aber er endet nicht damit. Der Psalm mündet dahinein, dass viele Menschen kommen und Gott für das loben, was er getan hat. Wenn der ganze Psalm gelesen sein will: Warum lesen so viele Christinnen und Christen die Kreuzigungsgeschichte nicht „vom Ende“ des Psalms her? Vom gemeinsamen Lob der Völker für diese besondere Tat Gottes?

"MEIN GOTT" - WIE SPRICHT SICH DAS AUS?

Wolfgang lädt ein, die Aussage „mein Gott“ im Innern zu bewegen und klingen zu lassen. Er fragt, ob die Anrede "mein Gott" uns vertraut ist. Oder ist sie uns fremd? Spielt diese Anrede in unserem Gebetsleben eine Rolle? Vielleicht kann man einen Spaziergang machen und Gott dabei auf diese Weise anreden, immer wieder. Was löst das bei mir aus? Was bleibt? Klar ist, dass es um etwas Ungeheures geht: Gott ist Schöpfer dieser Welt. Und der Mensch redet ihn an: „Mein Gott“.

MIT GOTT REDEN

Der Psalmbeter spricht nicht über Gott – in der dritten Person -, sondern er spricht mit Gott. „Warum hast du – mein Gott – mich verlassen?“ (Vers 2) Er sucht sich nicht eine Gruppe von Menschen, Freunde usw., um mit ihnen über seine Not mit Gott zu reden. Er redet direkt mit Gott darüber.

Jesus redet mit Gott über seine Not des Verlassenseins. Er erfährt die Verlassenheit, aber das Gespräch bricht nicht ab. Wie ist das mit meinem Gespräch mit Gott? Wie ist das mit Gesprächsabbrüchen? Vielleicht nehme ich die gar nicht wahr.

WENN ES ANDERS IST ALS FRÜHER

Der Beter von Psalm 22 ruft aus seiner Verlassenheit um Hilfe. Er bekommt – am Tage – keine Antwort und in der Nacht findet er keine Ruhe (Vers 3). Der Beter kennt es aber anders. Er kennt es aus seinem bisherigen Leben so, dass er Antwort bekommt und dass er zur Ruhe findet. Aber jetzt ist es nicht mehr so. Was er aus seiner Erfahrung kennt, tritt jetzt nicht ein. Das ist seine Gegenwart. Er weiss: Gott kann reden, er kann helfen, er kann befreien. Aber jetzt ist er in einer Situation, in der Gott ihm nicht antwortet, sondern fernbleibt.

Wolfgang lädt ein, dabei stehen zu bleiben. Das, was wir hier hören, gehört zu den Grunderfahrungen biblischen Glaubens. Die Not des Psalmbeters ist nicht alltäglich. Aber sie gehört zu den Grunderfahrungen biblischen Glaubens. Wir lernen: Gott ist 'da', auch wenn er in meiner gegenwärtigen Erfahrung 'nicht da' ist. Wir lernen: Gott ist 'gut', auch wenn seine Güte für mich gegenwärtig nicht erfahrbar ist.

LERNEN WIR ZU GLAUBEN – ODER WOLLEN WIR NUR SCHNELL RAUS?

Im Hebräerbrief heisst es, dass Jesus seinen Brüdern und Schwestern gleich werden musste, um Barmherzigkeit zu lernen. Um ihnen - das heisst auch 'uns' - dienen zu können. „Daher musste der Sohn in allem seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes" (Hebräer 2,17). Das war ein Lernprozess. Diesen Weg des Lernens gehen wir als glaubende Menschen mit Jesus mit. Wir lernen zu glauben: und zwar auch dann, wenn die Gegenwart anders aussieht, als wir es uns im Glauben wünschen.

Jeder von uns kennt Menschen, die aus einer Situation der Verlassenheit und der fehlenden Hilfe „nur schnell heraus“ wollen. Das aber geht nicht. Was wir tun können, ist, mit Gott über unsere Verlassenheit und die fehlende Hilfe zu reden.

DAS VERGANGENE ERINNERN

Der Psalmbeter weiss von früher her, dass Gott ihm antwortet. Er kennt es, dass es nachts ruhig wird in ihm. Jetzt aber ist es nicht so. Damit sind wir beim Phänomen der Vergangenheit. Die Vergangenheit birgt einen Schatz an guten Erfahrungen mit Gott. Den brauche ich, wenn meine Gegenwart plötzlich anders auf mich zukommt.

Es ist aber nicht nur der Schatz der eigenen Erfahrung, den wir brauchen. Es sind die biblischen Zeugen, die mich in die Erfahrung herein nehmen, wie Gott mit Menschen umgeht. Sie erzählen: „So macht es Gott." Und sie sagen: "So macht es Gott nicht.“

„Unsere Väter hofften, und als sie hofften, halfst du ihnen heraus.“ (Vers 5) Das Wort hoffen, heisst eigentlich „sich festmachen“. Im Deutschen wird es oft mit „glauben“ übersetzt. Wörtlich heisst es: Unsere Väter machten sich an dir fest.

Man kann sich zwei Stück Holz vorstellen, die aneinander geleimt werden. Wenn das Holz übermässig belastet wird und bricht, dann bricht es nicht an der geleimten Stelle. Es ist so fest, dass es dort nicht mehr bricht. Die geleimte Stelle bleibt zusammen. Es ist das Zeugnis der Väter und Mütter im Glauben, dass ihre Verbindung mit Gott so fest ist, dass sie nicht brechen wird.

ES IST EIN LERNEN

Der Psalmbeter hat also mit seiner eigenen gegenwärtigen Erfahrung begonnen. Er steht dazu, er macht sich selbst nichts vor. Das Gebet ist nicht der Ort, an dem 'schön geredet' wird. Das Gebet ist der Ort, an dem 'wahr geredet' wird. Nun hält der Beter seine Gegenwart zusammen mit der Erinnerung der Väter und Mütter im Glauben. Das ist ein Lernen. Ich lerne: So wie ich meine Gegenwart erfahre – dass Gott mir nicht antwortet – ist es nichts das letzte. In meiner Verzweiflung könnte ich denken, dass es nicht weitergeht mit mir.

Darum brauche ich das Zeugnis der Väter und Mütter im Glauben. Kenne ich Menschen, die mir nichts vormachen? Die mir sagen: „Das gibt es wirklich, aber es ist nicht das letzte“? Sie bezeugen mir, dass es ein „Zusammen-geleimt-sein“ mit Gott gibt, das nicht mehr auseinander bricht.



Montag, 17. August 2020
Ulrike schreibt: Heute haben die Schweige-Exerzitien in Rasa - im Tessin - begonnen. Die Teilnehmenden sind alle gut angekommen. Das kommt mir in diesem Corona-Zeiten gar nicht selbstverständlich vor.

Wolfgang lädt in diesen Tagen zur Betrachtung von Psalm 22 ein. Für die Vorstellungsrunde hat er eingeladen zu sagen - wenn man möchte -, was die Anrede "mein Gott" (Vers 2) in einem auslöst. Der Psalmbeter, die jüdische Gemeinde und dann auch Jesus reden Gott auf diese Weise an: "mein Gott, mein Gott".

AUFSTIEG DURCH DEN NEBEL

Die Teilnehmenden haben ein sehr schönes Foto mit einer Stadt auf einem Berg bekommen. Der Berg ist in Wolken getaucht, so dass man den Aufstieg zur Stadt nicht sehen kann. Erst die mittelalterliche Stadt selbst schaut oben aus den Wolken heraus. In dieser Stadt waren Wolfgang und ich übrigens wirklich einmal, sie heisst Cordes-sur-Ciel. Wolfgang nennt die Stadt, deren Berg von Wolken umhüllt ist, ein Bild für einen Ort der Ruhe. Die Beziehung zu Gott ist zur Ruhe gekommen und klar geworden und auch die Beziehung zu mir selbst.

MIT DEM ANFANGSSATZ IST ALLES GEMEINT

Jesus hat den Psalm 22 am Kreuz gebetet. Dieses Gebet ist so wichtig, dass es im Neuen Testament auf aramäisch überliefert ist. Viele heutige Leser/innen des Psalms meinen, dass Jesus nur den ersten Satz des Psalms gebetet hat: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen." Es ist aber anders gemeint.

Mit dem Zitieren des ersten Satzes ist der ganze Psalm gemeint. In der Antike und bis ins Mittelalter hinein hat man den Anfangssatz genannt, wenn man einen Textabschnitt oder ein literarisches Werk gemeint hat. Kein literarisches Werk der Antike hat einen Titel; man kennt und zitiert die Eingangsworte. Das erste Buch Mose beispielsweise heisst "Be'reschit" ("Am Anfang").

Wir können davon ausgehen, dass Jesus am Kreuz nicht nur den ersten Satz von Psalm 22, sondern den ganzen Psalm 22 gebetet hat. Der Ruf "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" erzählt davon, wie es dem Betenden, gegenwärtig geht. Hier wird vom gegenwärtigen Abschnitt eines Weges erzählt und nicht vom Ende des Weges. Der Psalm 22 - und damit auch der Weg des Betenden - endet anders. Da heisst es zum Beispiel: "Ich will von deinem Namen meinen Brüdern erzählen. Inmitten der grossen Versammlung will ich dich preisen" (Vers 23). Das, was Gott getan hat, wird einem Volk erzählt werden, das noch geboren wird. (Vers 32)

Wenn wir es mit Gott zu tun haben, haben wir es im hebräischen Denken immer mit einem Weg zu tun. Auf einem Weg treten drei Aspekte in Erscheinung:

Wie hat der Weg begonnen?
Wo stehe ich jetzt?
Wohin führt mich der Weg?

Wolfgang meint, dass die Frage "wie es mir jetzt geht", nicht aus dem Moment heraus zu beantworten ist. Wie es mir wirklich geht, sehe ich, wenn ich es vom Ziel, vom Ende her sehe. Ich muss meinen Weg verstehen und wissen, wohin er mich schliesslich führt. Wie wird er enden? Wolfgang macht das von Psalm 73 her deutlich. Mit Blick auf seinen gegenwärtigen Zustand ist der Psalmbeter verzagt. Es geht ihm nicht gut. Während die Gottlosen "jetzt" ein gutes Leben haben, wird es beim ihm, der sich so sehr um Gott bemüht, "jetzt" immer schlechter. Was hilft dem Betenden? Er "ging hinein in das Heiligtum Gottes und sah auf ihr Ende" (Psalm 73,17). Er findet Klarheit und Ruhe, indem er vom Ende her aufs Leben schaut.

DREI MÖGLICHKEITEN, DEN EIGENEN LEBENSWEG ANZUSCHAUEN

Es gibt drei Möglichkeiten, den eigenen Weg anzuschauen. Wolfgang fragt, wovon wir anderen Menschen am liebsten erzählen - auch in Bezug auf unser Unterwegssein mit Gott? Von dem, was wir bereits erfahren haben? Von dem, was gerade ist? Von dem, was wir schlussendlich erwarten?

- Wie hat es angefangen? Ich sehe auf die Vergangenheit. Wie war das bei mir? Wie hat der Weg Gottes mit mir begonnen? Ich erzähle die vergangene Geschichte.
- Was liegt drin? Ich sehe auf den Moment. Vielleicht gibt es da viel Beglückendes. Zum Beispiel die Erfahrung dessen, was mir alles anvertraut ist. Oder es gibt vielleicht viel Schweres und mir Unverständliches. Der Moment kann sich sehr unterschiedlich darstellen.
- Was ist versprochen? Ich sehe auf das Ende. Am Ende zeigt sich, wie es gemeint war. Wie das, was ich jetzt erfahre, gemeint war.

Der Blick zurück auf den Anfang und hinein in den Moment hat seinen Wert. Aber ich darf mich nicht dazu verleiten lassen, das Gegenwärtige für das Ziel zu halten. Auf das Ziel müssen wir warten. Der Ruf "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" (Vers 2) ist ein Blick auf das Gegenwärtige. Er wird aber erst vom Ziel her verstanden.


Sonntag, 16. August 2020
Mit der heutigen Predigt »SEHEN UND BLINDHEIT« hat Ulrike wie angekündigt die Erzählung von der Heilung des Blinden (vom 2. August) aufgenommen und weiter geführt: Johannes 9,13-41. Wer ist eigentlich blind? Wer kann sehen? Wie wird man sehend? So einfach, wie das klingt, ist es nicht …

Die Predigt kann man gleich hier anhören und herunterladen:



Ulrike schreibt: Hier hat mir ein Gemeindemitglied ihre Gedanken/ Beobachtungen zur Predigt geschrieben. Danke dafür!! Ich denke, dass sie für den einen oder anderen sehr anregend sind:

"Ich habe dreimal etwas Neues gelernt:

- Erstens, dass es einen Israelsonntag gibt,
- zweitens, dass die Pharisäer Laien waren – also eine Art „Besserwisser“ aus dem Volk ;-)
- drittens, dass der Sabbat ein Vorfreudenfest für die kommende Welt ist. Ich weiss, dass der Sonntag aus Freude über die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird, aber er könnte noch schöner sein, wenn ich auch an das ewige Leben im Himmelreich denken würde. Das ist mir bis jetzt noch nie in den Sinn gekommen.

Das Wörtchen „fand“ (Johannes 9,35) hätte ich völlig überlesen – so schön, was du daraus gemacht hast!

Die Stelle „und er betete ihn an“ passte für mich nicht richtig; es fühlte sich an wie Götzenanbetung, bis du sagtest, dass dieses Wort ursprünglich bedeutet „sich der Länge nach hinzuwerfen“. Das wirkt auf mich viel demütiger.

Über den letzten Teil habe ich noch lange mit anderen diskutiert. Wir sind zum Schluss gekommen, dass nur Jesus oder Gott entscheiden kann, wer blind und wer sehend ist. Wenn wir das Gefühl haben, ein Mensch sei auf überhebliche Art sehend – d.h. in Gottes Augen blind - dann sind wir vielleicht genau wie die Pharisäer solche Sehende, die blind sind, weil wir nicht erkennen können, wie GOTT diesen Menschen sieht."

Ich danke für die sorgfältigen Beobachtungen und Ergänzungen! Wiederum eine Reaktion von mir: Die Pharisäer sehe ich deutlich positiver als du. Sie sind Menschen, die sich um das Kommen des Reiches Gottes mühen. Sie wollen ja, dass der Messias/ der Christus endlich kommt. Und sie versuchen - so gut sie es können - das Volk darauf vorzubereiten. Jesus hat sie ernst genommen. .... Und dann würde ich sagen, dass die "Hoffnung auf die Erneuerung von Himmel und Erde" mit "Leben im Himmelreich" etwas missverständlich formuliert wird. Es geht wirklich um eine Neuschöpfung, die mit dem Kommen Jesu bereits begonnen hat.


Donnerstag, 13. August 2020
Ulrike schreibt: Gestern wurde ich an meine eigene Jugend erinnert. Laetitia, die mein Patenkind ist, ist mit ihrer Freundin zum Campen in der Schweiz und sie haben einen Halt bei uns in Liestal gemacht. Als ich damals mit 19 Jahren meinen Führerschein gemacht habe, sind meine beste Freundin und ich auch in den Urlaub gefahren. Und zwar nach Amsterdam. Aus dem einfachen Grund, dass man von Berlin aus immer nur geradeaus fahren muss ... Das erschien uns als machbar :-)

Gestern hatten wir zwei Bibelgesprächskreise in der Gemeinde. Ein Kreis beginnt jetzt - nach den Sommerferien - mit der Lektüre des Philipperbriefs, der andere mit dem Römerbrief. Die Teilnehmenden hatten mich eingeladen, eine Einführung in den Römerbrief zu geben. Ich habe für mich selbst zuvor die ersten Kapitel gelesen und dann einen Abschnitt aus Kapitel 3 für den gemeinsamen Einstieg gewählt - gleich ins Zentrum.

Gestern war ich - als Vertreterin des Seelsorgeteams - eingeladen zur Sitzung des Palliative Care Teams im örtlichen Pflegezentrum Brunnmatt. Ich finde es interessant und bereichernd, die Fragen/ Herausforderungen anderer Berufsgruppen im Blick auf den Umgang mit alten und sterbenden Menschen kennenzulernen. Heute Vormittag bereiten wir mit einigen Pastoren in einem übergemeindlichen Treffen einen Weiterbildungs-Nachmittag für eben dieses Pflegzentrum vor.

Vorher haben wir heute noch unsere "eigene" Pfarrteamsitzung, die erste nach den Ferien. Danach bin ich mit einer jungen Frau für ein Kircheneintrittsgespräch verabredet. Am Nachmittag feiere ich Gottesdienst im Pflegezentrum Brunnmatt. Einer der Senioren, die dort wohnen, wird Geige spielen und hat bereits mit der Organistin geprobt. .... Bei den meisten Sachen in diesen Tagen muss man sagen, dass es voraussichtlich so sein wird. Ob Weiterbildungen tatsächlich stattfinden (wegen Corona), ob der demente Mann tatsächlich spielen wird, ob ..... , das weiss ja niemand. Ich stelle mich langsam darauf ein, dass manches vielleicht auch anders sein/ kommen wird.

Am Sonntag feiern wir in der Stadtkirche Liestal um 9.30 Gottesdienst und um 11 Uhr in Seltisberg. Beide Male werde ich über den Schluss von Johannes 9 predigen:

"Jesus hörte, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Und als er ihn fand, fragte er: Glaubst du an den Menschensohn? Er antwortete und sprach: Herr, wer ist's, auf dass ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn ja gesehen, und der mit dir redet, der ist's. Er aber sprach: Herr, ich glaube. Und er betete ihn an.

Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden. Das hörten einige der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind? Jesus sprach zu ihnen: Wärt ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; weil ihr aber sagt: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde." Die Frage ist bis heute spannend: Reicht es zu meinen, dass man sehen kann? Wer kann es wirklich? Wer ist tatsächlich blind?

Um 18 Uhr ist dann unsere monatliche Abendfeier in der Stadtkirche. Wir betrachten Lukas 6,27-33: "Segnet, die euch fluchen." Und wir feiern im Chorraum der Kirche in grosser Runde das Abendmahl – natürlich mit genügend Abstand und mit Einzelkelchen. Herzliche Einladung!


Mittwoch, 5. August 2020
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich bereiten verschiedene Veranstaltungen vor. Für Wolfgang beginnen am 17. August die Schweige-Exerzitien zu Psalm 22 in Rasa. In der zweiten Woche (ab dem 22. August) gibt es noch einige freie Plätze.

Wolfgang und ich haben es in dieser Woche ruhig und ich finde das sehr schön. Ich gehe regelmässig ins Freibad nach Rheinfelden. Gestern und vorgestern war ich wegen der niedrigen Temperaturen und des Regens zeitweise der einzige Badegast. Das ist wunderbar, bei Regen zu schwimmen, wenn das Wasser von unten und von oben kommt. Im Hintergrund fliesst der Rhein, der jetzt Hochwasser hat, und die Gänse, erobern sich die Liegewiesen zurück, sobald die Menschen ausbleiben.

Heute Abend sind wir zum Ferienausklang mit einem unserer Bibelgesprächskreise in einem Freiluftlokal im Baselbiet. Eigentlich stehen da nur ein paar Tische und Stühle unter grossen Bäumen und ein Kühlschrank, aus dem man sich mit Getränken und Desserts bedienen kann. Der "Ideengeber" für heute bestellt am Abend Pizza für alle. Ich freue mich auf das Zusammensein an diesem schönen Ort.


Sonntag, 2. August 2020
Johannes 9,1-12 war der heutige Predigttext: Die Heilung eines Blinden. Vertieft man sich in diesen Bericht merkt man schnell, dass es sich dabei um Weltliteratur handelt. Es sind elementare und vielschichtige Lebensfragen, die hier aufgeworfen werden: Wer ist schuld? Wer hat geheilt? — Wie gut, dass es in zwei Wochen (also 16. August) mit demselben Bibel-Abschnitt weiter gehen wird.

Die Predigt kann man gleich hier anhören und herunterladen:




Mittwoch, 29. Juli 2020
Ulrike schreibt: Sommerferienzeit ist immer auch Vorbereitungszeit. Heute haben wir uns als Leitungsteam der Gruppe Matthäus 11:28 getroffen. In dieser Gruppe sind Menschen miteinander unterwegs, die in irgendeiner Weise in einer «schweren Lebenslage» sind: das kann eine Krankheit sein, der Verlust eines nahen Menschen o.ä.. Wir haben also die zweite Jahreshälfte geplant und eine Probeeinheit vorbereitet. Wir werden den Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi lesen und dazu - als Hilfe - die Predigten von Christoph Ramstein lesen: Im-Leben-Sterben-Philipperbrief-ausgelegt Ramstein - der ja lange mein Kollege im Baselbiet war - schreibt sorgfältig und lebensnah.

Heute am Abend kommen - wie auch in der letzten Woche - einige Menschen zum Bibellesen zu uns nach Hause. Wegen der Corona-Krise teilen sich die Gruppen, aber wir treffen uns weiterhin. Wir lesen heute miteinander Johannes 9,1-12. Das ist der Predigtabschnitt für den kommenden Sonntag in der Stadtkirche Liestal (9.30 Uhr) und in Seltisberg (11 Uhr). Jesus heilt einen Blinden. Die Geschichte ist grossartig. Es scheint ein Zufall zu sein, dass gerade dieser blinde Mann geheilt wird:

«Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?»

Der blinde Mann ist Auslöser und Gegenstand einer Frage. Die Jünger sind interessiert, wie es sich verhält. Wie ist der Zusammenhang zwischen unserem Tun - oder dem Tun unserer Vorfahren - und unserem jetzigen Leben?

Wir wissen alle, dass unser Tun Folgen hat. «Was der Mensch sät, das wird er ernten.» Oder: «Wie du in den Wald hineinrufst, so schallt es heraus.» Diese Zusammenhänge zur Kenntnis zu nehmen, fällt unter Lebensweisheit. Das ist nichts Religiöses.

Hier in der Geschichte ist die Frage eine andere: Kann man vom «Zustand» eines Menschen darauf schliessen, dass er seinen Zustand (mit) verursacht hat? Hier sagt Jesus ein klares «Nein». Dieser Rückschluss ist nicht möglich. «Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern.» Vor solchen Rückschlüssen wird bereits im Alten Testament gewarnt: in den Psalmen, in der Person der Naomi (im Buch Ruth), in der Person des Hiob. Es kann einen Zusammenhang geben; aber es muss ihn nicht geben.

Interessanterweise nimmt Jesus die Krankheit des Blinden nicht einfach zur Kenntnis. Mit einem bedauernden «Das ist halt so» und einem Verweis auf die beschädigte Schöpfung, die gefallene Welt. Jesus stellt nicht einfach einen Zustand fest. Er verändert ihn. Er schafft Neues. Jesus sagt: An diesem Menschen soll etwas sichtbar werden. «Es sollen die Werke Gottes an ihm offenbar werden.» (Joh 9,3) Offenbar werden heisst sichtbar werden. Man soll Gottes Handeln am Leben dieses Menschen wahrnehmen.

Sollen die Werke Gottes nur an diesem einen blinden Menschen offenbar werden? Nein, sie sollen an jedem von uns sichtbar werden. Auch an mir und an dir. Dazu ist Jesus in die Welt gekommen: dass an uns und mit uns etwas Neues beginnt. Weil mit dem Kommen Jesu etwas bleibend Neues begonnen hat. Die neue Schöpfung bricht mit dem Kommen Jesu - und explizit mit seiner Auferweckung von den Toten - an. Das soll man an dem jetzt noch blinden, bald aber sehenden Mann entdecken. Das soll man an uns als Gemeinde in Liestal-Seltisberg wahrnehmen.


Freitag, 24. Juli 2020
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich lesen seit einigen Wochen die beiden Briefe des Petrus an die Gemeinden in Kleinasien. Es sind Briefe an Menschen, die in der ‹Zerstreuung›, in der Diaspora, leben. Petrus antwortet auf die Frage: Wie lebt man als Christin, als Christ, als kleine Gemeinde in einer überwiegend ‹heidnischen› Gesellschaft? Einer Gesellschaft, die eigenen Gesetzmässigkeiten und ihrer eigenen Dynamik folgt?

Wolfgang und ich möchten den ersten Petrusbrief - so wie wir es von März-Juni mit der Offenbarung getan haben - mit euch gemeinsam lesen. Per WhatsApp und über unsere Homepage. Vielleicht können wir uns diesmal noch mehr als Gemeinschaft verstehen - als Christen, die sich für einige Woche miteinander auf den Weg machen. Wir geben euch den Startpunkt rechtzeitig bekannt.

In unserer Kirchgemeinde in Liestal bin ich jeden Tag zu Besuchen unterwegs. Es sind nicht viele Veranstaltungen, so dass ich Zeit für Besuche habe. Ich glaube, dass Menschen sich vor allem nach Barmherzigkeit sehnen. Dass jemand gut mit ihnen umgeht, und nicht noch mehr oder neue Forderungen an sie stellt. Ich finde es ein grosses Vorrecht, mit Jesus unterwegs zu sein und den Glauben an Jesus mit anderen Menschen zu teilen.

Am letzten Wochenende haben Wolfgang und ich übrigens unseren 19. Hochzeitstag gefeiert. Wir waren in Solothurn, das wir beide sehr mögen. Direkt am Ufer der Aare sind mehrere Lokale und wir haben einen freien Tisch gefunden und dort zu Mittag gegessen. Mit Blick auf das dunkelblaue Wasser und einige Schwimmer, die sich flussabwärts treiben liessen. Die Sonne knallte nur so vom Himmel und es war eine leichte Stimmung wie in Südfrankeich oder Spanien. Auf dem Rückweg sind wir durch Wangen a.d.Aare gefahren, wo wir geheiratet haben.


Freitag, 17. Juli 2020
Ulrike schreibt: Hier ist sie: die Einladung zu unserer Israelreise im nächsten Jahr. Wie manche von euch wissen, war ich im November 2019 in Israel und habe daraufhin Assaf Zeevi gefragt nochmals mit «unseren» Leuten - das seid ihr! - diese Orte anzuschauen.

Wir besuchen bekannte Orte (Beersheba, Bethlehem, Jerusalem, Kapernaum, Megiddo, Nazareth), sowie eine Reihe von Landschaften und Orten, die selten in einem Reiseprogramm vorkommen (Maon, Gilgal, Bethel, Schilo, Garizim, Sichem). Auch wer Israel gut kennt, wird Neues entdecken.

Als christliche Gemeinschaft beginnen und beenden wir die Reisetage mit einem Lob Gottes. Assaf Zeevi stellt die historischen, archäologischen und biblischen Bezüge vor Ort her. Inhaltliche Fragen zur Reise könnt ihr/ können Sie gern an Wolfgang und mich richten. Für alles, was die Organisation und die Anmeldung betrifft, ist Kultourreisen der Ansprechpartner.

Wir sind uns bewusst, dass wir nicht wirklich wissen, welchen Einfluss die Corona-Pandemie im nächsten Jahr haben wird. Wir wollen aber nicht 'vorsorglich' Reisen wie diese vermeiden, sondern wir laden im Wissen um manche Unsicherheit ein.


Hier findet ihr den Flyer: ISRAEL-2021-Flyer
und hier den Anmeldetalon: ISRAEL-2021-Anmelde-Talon


Freitag, 10. Juli 2020
Ulrike schreibt: Die Ferienzeit teilt sich gerade für mich auf in Gemeinde, in Gartenarbeit und in "ins Schwimmbad gehen". Ich habe ein Saison-Abonnement gelöst und versuche, etwa jeden zweiten Tag meine Bahnen zu schwimmen. Ich mag das Freibad in Rheinfelden (CH), weil man auch im Rhein schwimmen kann. Was nicht ungefährlich ist, aber erfrischend und schön.

In der Kirchgemeinde mache ich gehäuft Besuche. Es gibt manchmal sehr anrührende Szenen. Ein alter Mensch, den ich zum ersten Mal besuche und dem ich Blumen mitbringe, zieht seine Brieftasche. Er zeigt mir einen dicken Batzen Geld. Er hätte genug Geld, und jedem, der ihm etwas Gutes tut, würde er 50,- CHF schenken wollen. Ob er mir etwas geben darf? ... Da wird deutlich, wie wichtig es ist, dass unsere Aufmerksamkeit füreinander umsonst und aufrichtig ist. Und nicht bezahlt werden will. Ein äusserst heikles Thema für unsere Kirchen, deren Leben auf Mitgliedsbeiträgen und der Entgeltung der Hauptamtlichen beruht.

Ich habe in den kommenden Wochen Abdankungsbereitschaft. Das heisst: Wenn jemand in Liestal-Seltisberg stirbt, der zur reformierten Kirche gehört, werde ich angerufen. In den Ferien mache ich das wirklich gerne, weil ich Zeit und innere Ruhe habe. Und ich merke natürlich, dass ich schon fast 12 Jahre in Liestal bin. Da sagt mir die Tochter des Verstorbenen am Telefon: "Sie haben vor sechs Jahren mein Mami beerdigt. Das haben Sie schön gemacht." Heisst: Da ist Vertrauen entstanden, und darum ist das Miteinander einfach.

Mit dem Kreis für Menschen mit Depression haben wir am Mittwoch einen längeren Spaziergang über Land mit Einkehr in einem Restaurant gemacht. Peter - einer aus dem Leitungsteam - hat das vorbereitet. Das Baselbiet ist unglaublich schön: mit den sanften Hügeln, dem abwechslungsreichen und weiten Blick bis in den Schwarzwald. Es gefällt mir, wie freundlich der Umgang der Gruppe miteinander ist: auch mit den Eigenarten der Anderen. Ich habe zum Beispiel nach drei Stunden des Zusammenseins gesagt, dass ich allein zurücklaufe. Ob das für jemanden ein Problem sei? Sagt B.: "Wir kennen dich doch, Ulrike." :-)

Wolfgang bereitet die Schweige-Exerzitien zu Psalm 22 vor. Es gibt - besonders in der zweiten Woche - noch freie Plätze in Rasa. Wer mit hinhören möchte auf Gottes Reden, kann überlegen, ob das etwas für ihn/ für sie wäre. Die näheren Angaben finden Sie links unter: RASA - Schweigen im Tessin.


Sonntag, 5. Juli 2020
Heute hat Ulrike in der Stadtkirche Liestal sowie im Gemeindezentrum Seltisberg den Gottesdienst gefeiert. Thema: "NICHT VERGELTEN". Was Paulus in Römer 12,17-21 in drei Anweisungen verdichtet, das entfaltet die Geschichte, wie Josef mit seinen Brüdern, die grosses Unrecht an ihm getan haben, umgeht (1. Mose 50,15-21). Spannend! - und gleichzeitig: Die Predigt ist sehr praktisch! Man kann sie gleich hier anhören und herunterladen:




Freitag, 3. Juli 2020
Ulrike schreibt: Wir sind schon eine Weile zurück in Liestal. Unser Garten ist ein grüner Dschungel: dabei hatten wir den Gärtner im Februar da und haben alle Hecken und Pflanzen zurückschneiden lassen.

Gestern habe ich zusammen mit unserem Klavierspieler Werner Spinnler den ersten Gottesdienst nach der Corona-Pause im Pflegezentrum Brunnmatt gefeiert. Ich hatte die Befürchtung, dass nach der monatelangen Pause fast niemand kommt. Das war - Gott sei Dank - ein Irrtum. Der Gottesdienst war überraschend gut besucht: das ist schön, dass die Gemeinde ‹da› ist!!

Ich habe in diesen Tagen einige Vorbereitungstreffen für die zweite Jahreshälfte und ich besuche Gemeindemitglieder. ... Und vielleicht kaufe ich einen anständigen Rasenmäher und Heckenschere.


Samstag, 27. Juni 2020
Ulrike schreibt: Morgen ist unser letzter Urlaubstag in Berlin. Schon komisch, mitten in der Stadt Urlaub zu machen, auf dem Balkon oder im Café zu sitzen und im Tiergarten spazieren zu gehen. Heute haben Wolfgang und ich bereits den Predigttext für den Gottesdienst am kommenden Sonntag [5. Juli 2020] in Liestal gelesen. Für Sonntag ist Römer 12,14(17)-21 vorgeschlagen. Ich freue mich über diesen Text.

«Gebt niemandem Böses mit Bösem zurück. Seid auf Gutes bedacht gegenüber allen Menschen. Ist es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Schafft euch nicht selbst Recht, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): ‹Mein ist das Recht-Schaffen; ich werde vergelten, spricht der Herr.›»(V.17-19)

Ich war in der Ausstellung über Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert im Deutschen Historischen Museum. Ich finde die Ausstellung sehr gut gemacht: sie hilft zur Meinungsbildung und Kriterienfindung. Grossartig finde ich die Sitzecken in jedem Raum, wo man Hannah Arendt im Original hören kann. Für die, die sie gar nicht kennen, eine kurze Zusammenfassung:


WER IST SIE?
Hannah Arendt, am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren und am 4. Dezember 1975 in New York gestorben, studierte Philosophie, Theologie und Altgriechisch unter anderem bei Heidegger, Bultmann und Jaspers, bei dem sie 1928 promoviert wurde. 1933 emigrierte sie nach Paris, 1941 nach New York. Von 1946 bis 1948 war sie als Lektorin, danach als freie Schriftstellerin tätig. Sie war Gastprofessorin für Politische Theorie in Chicago und lehrte ab 1967 an der New School for Social Research in New York. Zuletzt erschien bei Piper ‹Was heisst persönliche Verantwortung in einer Diktatur?›. [Zusammenfassung abgeschrieben bei: amazon]


DIE KOSTEN DER ANPASSUNG
Interessant fand ich, dass Hannah Arendts erste Buchveröffentlichung eine Auseinandersetzung mit Rahel Varnhagen war. Arendt war skeptisch gegenüber den Versuchen der jüdischen Bevölkerung in Preussen, sich zu assimilieren. Sie meinte, dass man sich Erfahrungen von Zugehörigkeit nicht durch Selbstverleugnung erkaufen darf. ... Hannah Arendt selbst hat nach dem 2. Weltkrieg nur unter der Bedingung in Deutschland publiziert - sie war 1941 vor der NS-Herrschaft in die USA emigriert -, dass sie als Jüdin gefragt und gehört wird. Andernfalls verzichtet sie.


MENSCHEN IHR MENSCHSEIN ABSPRECHEN
Berührt hat mich auch, dass Hannah Arendt in der europäischen Kolonialpolitik zwischen 1880 und 1914 eine Voraussetzung für den Holocaust sieht. Die europäischen Kolonisatoren haben die Menschen Afrikas nicht einfach als von ihnen unterschiedene Völker angesehen. Sie haben ihnen ihr Menschsein abgesprochen. Sie haben sie aus ihrer Definition des Menschseins ausgeschlossen. Damit haben sie das jüdisch-christliche Weltbild hinter sich gelassen.


DAS BÖSE IN SEINER UNGEHEUERLICHKEIT - UND IN SEINER BANALITÄT
Vielen bekannt geworden ist Hannah Arendt dadurch, dass sie 1961 den Prozess in Jerusalem gegen Adolf Eichmann als Kommentatorin begleitet hat. Als ich in der Ausstellung in Aufnahmen gehört habe, in welcher Weise Hanna Ahrendt vom Bösen spricht, habe ich die Offenbarung des Johannes wieder im Ohr gehabt. [Wir haben sie mit der Gemeinde und mit Freunden drei Monate lang bis Mitte Juni gelesen.] Es gibt eine Schuld, die jede Rechtsordnung übersteigt. Die sich durch ihre Ungeheuerlichkeit der Möglichkeit von Strafe und Vergebung entzieht. ... Karl Jaspers meinte, dass Schuld - wenn man auf diese Weise von ihr redet, wie Arendt es tut - als eine satanische Grösse erscheint. Dann aber sei der Mensch nicht mehr dafür zu behaften. Darum müsse man gleichzeitig das Böse in seiner Banalität ansehen. Nur so kann man Menschen in die Verantwortung für ihr Handeln nehmen. ... Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum geht noch bis zum 18. Oktober 2020.


Freitag, 26. Juni 2020
Ulrike schreibt: Berlin hat für mich viele persönliche Seiten. Weil meine Familie hier lebt – mittlerweile im Umland – und weil ich die Stadt (immer noch) gut kenne.

Weil ich zufällig vorbeigelaufen bin, war ich im Hamburger Bahnhof. Der liegt – anders als der Name vermuten lässt – nicht in Hamburg, sondern nahe beim Hauptbahnhof und ist ein Museum für Moderne Kunst. Zur Zeit kann man sehen: Katharina Grosse: It wasn’t us. Die Idee ist sehr einfach und gut umgesetzt: Die Künstlerin hat die Böden innerhalb und ausserhalb der Ausstellungshalle grossformatig und farbig besprayt (auf durchsichtiger Folie). Sehr dynamisch. Man kann über die Farbfelder drüber laufen. Am Ende der Halle heben sich Skulpturen aus dem Boden - wie eine grosse Eisscholle oder wie ein riesengrosses gesplittertes Stück Holz. Sehr wuchtig, sehr organisch und mit klaren Linien. Man sieht erst beim genauen Hinschauen, dass es aus Styropor gesägt ist. Einen guten Bericht mit Bildern findet man hier: https://www.apollo-magazine.com/katharina-grosse-it-wasnt-us

Das Kunstwerk setzt sich im Freien fort. Es überschreitet den Ausstellungsraum, ergiesst sich ins Öffentliche hinein. Das ganze Gelände ist in Farbe getaucht. Mittendrin gibt es eine Wiese, wo manche Besucher/innen sitzen und sich sonnen, picknicken, reden ...

Das Kunstwerk nimmt Raum ein, will betreten, erlaufen, von verschiedenen Seiten angesehen werden. Mir gefällt, dass es kein symbolisches Erlaufen ist, sondern durch seine Dimensionen ein tatsächliches. Es geht zu, wie bei jedem ganz normalen Lebensvollzug: Schau hin, lass dir Zeit. laufe um die Sache herum und sieh sie dir von verschiedenen Seiten an. Und wenn du ‹raus› gehst, weg von ihr, dann ist sie immer noch da.




Donnerstag, 25. Juni 2020
Ulrike schreibt: Heute haben Wolfgang und ich das Lesen des 1. Briefes des Johannes beendet. Also: jeweils einen Abschnitt übersetzen, darüber sprechen, uns den Kommentar von N.T. Wright für den entsprechenden Abschnitt vorlesen.

Johannes schreibt am Ende des Briefes über das Gebet. Er schreibt, dass wir wissen, wenn Gott unser Gebet hört. Es gibt ein Wissen darum.

"Und darin besteht die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er auf uns hört,
wenn wir nach seinem Willen um etwas bitten.
Und wenn wir wissen, dass er auf uns hört bei dem, worum wir bitten,
so wissen wir, dass wir das Erbetene wirklich besitzen, das wir von ihm erbeten haben." (1. Joh 5,14f)

Es gibt ein Wissen darum, dass Gott unser Gebet hört. Also die Frage an euch: Wie ist das bei euch? Wisst ihr es, wenn euer Gebet von Gott erhört ist? Wie "fühlt" sich dieses Wissen an? Wie fühlt es sich bei euch an?

Wolfgang hat mir dazu eine Legende erzählt. Hier ist sie: Sie sagten von Rabbi Chanina ben Dosa, dass er für die Kranken betete. Er sagte dann immer: "Dieser wird sterben, dieser wird leben." Sie fragten ihn: "Woher weisst du das?" Der Rabbi antwortete: "Wenn mein Gebet leicht fliesst, dann weiss ich, dass es angenommen wurde. Und wenn nicht, dann weiss ich, dass es abgelehnt wurde." (in der Mischna, Traktat BERACHOT 5,5)

Chanina ben Dosa lebte zwischen 40 und 75 n.Chr. in Galiläa und ist auch in Galiläa begraben. Er war Schüler von Jochanan ben Zakkai. Dieser Jochanan ben Zakkai soll zur selben Zeit wie Paulus bei Gamaliel II studiert haben. Chanina war weit herum bekannt als Beter und Wundertäter. Mit ihm, so sagt die Tradition, habe die Reihe der „Männer des Tuns“ (des Wunder-Tuns), also die Reihe der „vollmächtigen Beter" im Judentum aufgehört. Wolfgang und ich würden eher von den „Männern des hinhörenden Betens“ reden. — Spannend sich deutlich zu machen, dass Chanina nahe bei den ersten Jüngern in Galiläa gewohnt hat. … Bekannt war neben seinem Beten seine grosse Armut.


Samstag, 20. Juni 2020
Ulrike schreibt: Heute früh ein typisches Beispiel für Berliner Mentalität. Ich will Blumen kaufen. Im Netz steht, dass der Blumenladen um die Ecke um 7 Uhr öffnet. Als ich da bin, steht am Eingang 10 Uhr als Öffnungszeit. Gehe ich also in den nächstbesten Supermarkt, wo im Eingangsbereich auch immer Pflanzen stehen. Es sind nicht die schönsten, aber ich suche mir die Sträusse heraus, aus denen ich etwas machen kann.

Da ruft mir eine Angestellte von der Infotheke des Supermarktes her zu: "Ey, Sie, komm'se mal her!"
Ich (irritiert) gehe zu ihr. Die Angestellte: "Die kann ick Ihnen billijer machen. Die loofen bald ab." Und pappt mir "Verbilligt-Kleber" auf zwei der fünf Sträusse. Dann schaut sie zu den Blumengestellen hinüber und sagt: "Und stimmen tun die Preise ooch nich." Ich: "Mir ist das egal, ich zahle gern mehr." Sie: "Nöö, is jut so."


Donnerstag, 18. Juni 2020
Ulrike schreibt: Die Urlaubstage füllen sich wie von alleine, obwohl wir nichts Besonderes machen. Zuerst habe ich den Balkon gewischt - eine Stadt macht viel Schmutz -, um im Freien sitzen zu können. Mittlerweile wird der Balkon wunderschön von einer Baum-Hasel überschattet. Schräg unter dem Balkon stehen die Tische von Athenas Lokal. Die Gäste, es ist immer voll, sitzen bis in die Nacht hinein und es ist immer eine gute Atmosphäre.

Heute war ich touristisch unterwegs. Auch, um die Stadt wieder einmal zu spüren. In der U-Bahn tragen >90% der Leute eine Gesichtsmaske und auch auf der Strasse ist sie viel mehr in Gebrauch als in der Schweiz. Ich war im Martin-Gropius-Bau, der eigentlich immer gute Ausstellungen hat. Die eine ist von Akinbode Akinbiyi. Er ist Strassen-Fotograf aus England/Nigeria und erläuft Städte um ihre Menschen und ihre soziale Dynamik zu erfassen. Akinbode Akinbiyi geht zu Fuss durch unterschiedliche Städte der Welt (Lagos, Kairo, Berlin, Johannesburg ...) und bemüht sich um grösstmögliche Offenheit gegenüber dem, was er sieht. Weil ich selber gern zu Fuss unterwegs bin, kamen mir die Bilder überwiegend vertraut vor. Fast ein bisschen klischeehaft. Es wird ein Film gezeigt, in dem Akinbode Akinbiyi auf seinem Weg durch Berlin begleitet wird: den fand ich sehr schön. Die Ruhe, mit der der Fotograf auf das wartet, was sich ihm zeigen wird.

Es gibt im Gropius Bau noch eine zweite grosse Ausstellung von Lee Mingwei. Ich vermute, dass sie die ‹mehr populäre› ist. Es geht im wesentlichen um Erinnerungskultur. Unsere Geschichte formt unser Leben jetzt. Lee Mingwei fragt in mehreren einzelnen Installationen nach der Biografie der Besucherinnen und Besucher. Und lädt dazu ein, sie zu ‹reparieren› (ein kaputtes Kleidungsstück nähen zu lassen), sie ‹dankbar zu erinnern› (die Geschichte eines einzelnen wichtigen Kleidungsstücks zu erzählen), sie ‹abzuschliessen› (einen Brief zu schreiben, den man lange schon schreiben wollte) usw.. Er macht das, in dem er als Künstler in ‹Vorleistung› geht und einem etwas zum Anschauen oder Anfassen gibt. Ich empfinde das mehr als Einladung zur kollektiven Biografiearbeit und weniger als Kunst. Aber das ist Ansichtssache.

Zwischendrin habe ich meinen Ehering zum Goldschmied gemacht und ein Paar Schuhe gekauft. In Berlin gibt es deutlich mehr Menschen mit grossen Füssen als in der Schweiz. Und ich habe in einem Strassenlokal gesessen und die Leute angeschaut. Allerdings ohne zu fotografieren.

Nachdem Wolfgang und ich die Lektüre der Offenbarung abgeschlossen haben, lesen und übersetzen wir nun ein anderes biblisches Buch. Parallel dazu lesen wir einen Kommentar von N.T. Wright.


Mittwoch, 17. Juni 2020
Wir haben versprochen, euch unsere Impulse zur Offenbarung des Johannes zur Verfügung zu stellen. Hier könnt ihr sie als PDF herunterladen und - wenn ihr mögt - ausdrucken: IMPULSE ZUR OFFENBARUNG BITTNER 2020 Sie sind für den persönlichen Gebrauch bestimmt und dürfen nicht weiter veröffentlicht werden, auch nicht in Auszügen.


Mittwoch, 17. Juni 2020
Ulrike schreibt: Letzte Nacht sind Wolfgang und ich in den Urlaub gefahren. Das passt ganz gut, denn ab morgen kommen Bauarbeiter/Gärtner an den Küngelbrunnenweg. Der ‹untere Garten› am Pfarrhaus bekommt (endlich) einen Zugang. Er war bisher nur durch das Haus zu erreichen. Wolfgang und ich sind mit dem Auto nach Berlin gefahren. Das ist immer wieder erstaunlich, wie schön die gemeinsamen nächtlichen Fahrten sind. Es sind ein bisschen viele Baustellen, wenn man über Heilbronn, Nürnberg, Leipzig fährt, aber nachts sind die Strassen frei und man kommt gut durch. Für mich ist es verblüffend, mit wie vielen Orten, die wir auf einer Fahrt durch Deutschland passieren, sich mein Leben mittlerweile verbindet.

Wir haben auf der Fahrt das Hörspiel ‹Das Unternehmen Wega› von Friedrich Dürrenmatt (1954) gehört. Man findet es als Podcast bei ‹SRF Hörspiele›. Es spielt im Jahr 2255: Die Welt ist in zwei Lager geteilt, und eine Delegation der ‹Vereinigten freien Staaten Europas und Amerikas› fliegt zur Venus. Die Venus ist mittlerweile eine Strafkolonie der Erde und soll für eine Zusammenarbeit gegen ‹die Russen› gewonnen werden. Die Bewohner der Venus haben aber kein Interesse daran, sich einspannen zu lassen. Sie sind, obwohl sie auf einem unwirtlichen Planeten wohnen, innerlich unabhängig. ... Nach dem Lesen der Offenbarung scheint mir die ‹Venus› auch ein Bild für die Gemeinschaft der Glaubenden zu sein. Dürrenmatt war Sohn eines Pfarrers.

Wolfgang und ich haben in der letzten Woche die Impulse zur Johannes Offenbarung abgeschlossen, einen Reader stellen wir bald zur Verfügung. Ich fand das gemeinsame Unterwegssein absolut lohnend und schön und wünsche mir, dass die Gemeinschaft, die entstanden ist, in irgendeiner Weise bleibt. Die Abendfeier in der Stadtkirche am Sonntag habe ich als einen Ausdruck für unsere Gemeinschaft in Jesus Christus empfunden.


Donnerstag, 11. Juni 2020
Ulrike und Wolfgang schreiben: Wir sind ein wenig verwundert, dass wir es tatsächlich geschafft haben, gemeinsam die ganze Offenbarung zu lesen! Zwölf Wochen waren wir mit Menschen aus der Gemeinde und weit darüber hinaus unterwegs. Heute stehen wir also vor dem letzten Abschnitt und lesen Offb 22,6-21. Den letzten Impuls findet ihr hier.

Wolfgang und ich planen im Herbst ein ähnliches Projekt – ein zweites gemeinsames Bibellesen mit Impulsen per WhatsApp bzw. über unsere Homepage. Für uns war es das erste Mal, und wir können einiges verbessern und weiter denken.

Wir möchten euch über drei Dinge Bescheid geben. Diesen Sonntag, 14. Juni, beginnen wir nach der ‹Corona-Pause› wieder mit den Abendfeiern in der Stadtkirche Liestal, 18 Uhr. Herzliche Einladung und wir freuen uns, wenn wir einige von euch sehen!

Im August finden im wunderschönen Bergdorf Rasa im Tessin die Schweige-Exerzitien von Wolfgang statt: NOT UND VERZWEIFLUNG ... beide haben – bis zum Kreuz - nie das letzte Wort (Psalm 22) Die Teilnahme ist entweder für zehn Tage möglich (17.-27. August 2020) oder für fünf Tage (7.-22. bzw. 22.-27. August). Mehr Angaben findet ihr links auf unserer HP oder könnt sie bei uns erfragen.

Vom 3.-11. Oktober 2021 (im nächsten Jahr!) werden wir mit unserer Kirchgemeinde und mit Freunden – auch ihr seid eingeladen! – eine Israel Reise machen. Der Flyer erscheint in den nächsten Tagen. Wir haben Assaf Zeevi als Reiseleiter gewinnen können. Wir werden bekannte Orte besuchen (Beersheba, Bethlehem, Jerusalem, Kapernaum, Megiddo, Nazareth), sowie eine Reihe von Landschaften und Orten, die selten in einem Reiseprogramm vorkommen (Maon, Gilgal, Bethel, Schilo, Garizim, Sichem). Auch wer Israel gut kennt, wird auf dieser Reise Neues entdecken.


Sonntag, 7. Juni 2020
Ulrike schreibt: Heute beginnt die zwölfte Woche, in der wir mit der Gemeinde und mit Freunden die Offenbarung lesen. Wolfgang und ich haben die Impulse weitgehend fertig geschrieben und gehen jetzt nochmals auf Fragen von Einzelnen ein. Wer mitlesen möchte, kann das hier tun: OFFENBARUNG-ONLINE

Ich bin manchmal über Wolfgangs Beobachtungen und Deutungsangebote überrascht. Den Impuls für heute zum sogenannten tausendjährigen Reich (Offb 20,1-10) hat er geschrieben. Wolfgang schlägt vor, diese Zeit als einen ‹Erfahrungszeitraum› zu verstehen. So wie man von Krankheitszeiten, Krisenzeiten, Ferienzeiten usw. spricht, gibt es auch Zeiten, in denen einzelne Völker und Kulturen erfahren, dass Menschenwürde und Rechtsstaaltlichkeit geschützt werden. Dass grundsätzlich jeder Mensch willkommen ist, gefördert und geschützt wird. Wir würden dann sagen, dass die ‹Welt› etwas von dem widerspiegelt, was mit der Herrschaft Gottes gemeint ist. Versteht man das tausendjährige Reich derart, dann kann es zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Regionen der Welt anbrechen - und auch wieder zu Ende gehen.

Heute habe ich mir eine Saison-Karte im Freibad Rheinfelden (dem Bad auf der Schweizer Seite) geholt. Ich mag es, dass man im Becken und im Rhein schwimmen kann. Weil es heute kalt war, war das Bad fast leer und das habe ich sehr genossen. Das Wasser im Rhein ist überraschend warm, vom Gefühl her ca. 19°C. Dann habe ich mir im Kiosk einen Kaffee geholt, mit jemandem geplaudert und dabei den Tauchern beim Üben zugesehen.

Diese Woche - also ab morgen - ist eine normale Arbeitswoche in der Kirchgemeinde. Ich will versuchen, manche Begegnungen und Gespräche der "Corona-Zeit" abzuschliessen. Mit Beginn der nächsten Woche haben Wolfgang und ich dann vierzehn Tage Ferien.


Dienstag, 2. Juni 2020
Ulrike schreibt: Die letzten Wochen und Monate waren eine dichte und in mancher Hinsicht schöne Zeit: vor allem durch das gemeinsame Lesen der Offenbarung in der WhatsAppGruppe. Heute haben wir den 53. Impuls bereitgestellt.

In unserer Kirchgemeinde kehren Abläufe in ihre früheren Bahnen zurück. Seit Pfingsten ist in der Schweiz die Feier von Gottesdiensten im Kirchgebäude wieder möglich. Mit dem katholischen und dem methodistischen Kollegen bereite ich eine Weiterbildung für das Personal unseres örtlichen Pflegeheims vor (Arbeitstitel: Vergebung - Versöhnung - Schalom). Morgen Nachmittag feiere ich eine Abdankung, die wegen der Zahl der Teilnehmenden nochmals unter freiem Himmel stattfinden wird. Ich feiere die Abdankung zusammen mit der Cellistin Annina Voellmy, was mich sehr freut. Am späten Nachmittag trifft sich dann der erste Bibelgesprächskreis wieder Face-to-Face im Kirchgemeindehaus. Wir treffen uns erst einmal wöchentlich statt vierzehntägig: um wieder zueinander zu finden.

Ich bin gespannt, wie der Wiedereinstieg ‹nach Corona› aussieht. Überrascht bin ich, dass das Stille Wochenende Ende Oktober bereits voll ist. Das war so früh noch nie der Fall. Wenn sich die Versammlungsregeln ‹wegen Corona› ändern, können auch mehr Menschen teilnehmen. Wir haben grosse Räume gebucht. Heute stelle ich die Einladungshefte für die Israel-Reise mit Wolfgang, mir und Assaf Zeevi von Kultour-Reisen fertig (3.-11. Oktober 2021).


Donnerstag, 21. Mai 2020 - Christi Himmelfahrt
Wolfgang schreibt: Unsere besten Wünsche erreichen Sie zum Fest Christi Himmelfahrt. Ulrike hat dazu eine überraschende Predigt über Apostelgeschichte 1,1-11 gehalten. Sie können sie gleich hier anhören:




Mittwoch, 20. Mai 2020
Ulrike schreibt: Gestern waren ein Mitglied unserer Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg und ich im Geistlich-Diakonischen Zentrum in Riehen. Die Sonne schien, und wer Riehen kennt, weiss, dass es unglaublich grün und gepflegt dort ist. Wir haben uns von den Diakonissen die Räume für das Stille Wochenende vom 30. Oktober bis 1. November 2020 zeigen lassen. Diesmal werden Wolfgang und ich das Wochenende gemeinsam leiten. Nach dem Lesen – dem Verstehen von Sprache, Hintergründen, biblischen Bezügen – der Offenbarung des Johannes, laden wir nun zum Beten ein. Wir wollen uns den „grossen Trost für unsere Zeit“ (Titel des Wochenendes) schenken lassen. Den Flyer zum Wochenende finden Sie links bei RIEHEN. Wenn Sie sich anmelden möchten, tun Sie das bitte bald; die Häuser/ Hotels sind darauf angewiesen, gut zu planen und möglichst wenig Leerstand zu haben.

Dann habe ich auf Einladung hin ein Mitglied unserer Kirchgemeinde besucht. Schön mit Abstand – und mit Kaffee und Kuchen – auf dem Balkon. Das war interessant, denn mein Gesprächspartner hatte einige – gut begründete – Anfragen an unser Gemeindeleben in der Corona-Zeit. Wir sind als Gemeinde wenig sichtbar und unsere Online-Gottesdienstangebote bleiben in ihrer Ausführung hinter denen anderer Gemeinden zurück. Ich finde, dass er recht hat. Aber es hat seine Gründe. Das ist eine meiner Hauptentdeckungen in diesen Wochen, dass ‚Corona‘ ans Licht bringt, wie es um uns als Gemeinde steht. Die Krise bringt uns ans Licht. Das ist Titel meines Beitrags im Buch von Ulrich Eggers (Hg). Es ist jetzt diese Woche erschienen und man kann hier ins Buch hinein lesen: Eggers: Glauben in der Krise

Gestern Nachmittag war ich im Pflegezentrum Brunnmatt, das heisst im Innenhof. Am Dienstag organisieren wir Kirchen immer eine Musik bzw. einen Gottesdienst. Gestern hat ein junger Schüler und Musiker – Colin Schmidlin – gesungen: eigene Lieder und moderne Balladen. Hut ab, er hat das richtig gut gemacht!!! Das ist nicht leicht, wenn die Leute versteckt hinter den Fenstern sitzen oder auf den Balkonen.

Am Abend haben wir dann in einer Skype-Sitzung die Abendfeier für Sonntag, den 14. Juni, vorbereitet. Es geht mit den Abendfeiern also in drei Wochen wieder los in der Stadtkirche Liestal (18 Uhr). Bitte notiert euch das und kommt - herzliche Einladung!

Ganz am Abend habe ich Wolfgangs Impuls zu den beiden Erntebildern (Offb 14,14-20) durchgesehen. Wir bereiten ja gemeinsam vor und schreiben dann die Texte im Wechsel. Endlich korrigieren und helfen wir uns gegenseitig bei der Anfertigung der Endfassung, die Ihr dann zu lesen bekommt.

Das mächtig wirkende Bild von der »Kelter des Zornes«, aus dem das Blut bis zum Zaum der Pferde hoch und 1‘600 Stadien weit steigt, hat von früher Zeit an dazu geführt, darin die Darstellung eines schrecklichen Blutgerichtes zu sehen. Statt darin ein Bild innerhalb der apokalyptischen Bildsprache zu erkennen, hielt man es für die Beschreibung der Wirklichkeit. Diese Deutung hat sich derart verbreitet, dass sich auch heutige Ausleger kaum davon lösen. Dabei weisen viele Einzelheiten des Bildes in eine andere Richtung.

Wolfgang bietet als Deutung an, dass in Offb 14,14-20 nicht – oder nicht nur – das vor uns liegende Endgericht gemeint ist, sondern das hinter uns liegende Gericht, das sich in Jesu eigenem Sterben „draussen vor der Stadt“ (vgl. Offb 14,20 mit Hebr 13,12f) vollzogen hat. Die Anklänge von Offb 14,14-20 an die Jesusworte in Joh 12,23f sind deutlich: (1) Das Bild vom Menschensohn (Offb 14,14), (2) der Hinweis auf die Zeit bzw. die Stunde, die gekommen ist (Off 15,15), (3) das Bild vom Weizen, (3) vom Sterben, (4) vom Fruchtbringen, also von der reichen Ernte. „Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Jesu Worte wurzeln in den Ankündigungen des Propheten Jesaja. Er selbst hat die Kelter getreten (Jes 63,1-6), wobei Gottes Zorngericht ihn selbst getroffen hat, freiwillig und stellvertretend für alle (Jes 53,4-5).




Sonntag, 17. Mai 2020
Ulrike schreibt: Einen frohen und gesegneten Sonntag wünschen wir euch. Beim gemeinsamen Lesen der Offenbarung setzen wir heute mit Kapitel 14,9ff ein. Angesichts der schlimmen Bedingungen, in denen Menschen auch heute weltweit leben, werden wohl die meisten Leserinnen und Leser zustimmen, dass es Gericht braucht. Gericht ist notwendig – es sei denn, wir meinen, dass es kaum etwas Falsches gibt oder dass Gott das alles nichts ausmacht. Das aber wäre eine blasphemische Ansicht. Es würde allem widersprechen, was wir von Gott wissen.

Der jüdisch-christliche Glaube hat viele und deutliche Aussagen dazu, dass Gott seine Welt wieder ins Lot bringen wird. Diese Aussagen sind gute Nachricht, lösen Jubel aus. "Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit." (Psalm 96,11-13) Solches Ins-Lot-Bringen muss notwendigerweise die Beseitigung all dessen beinhalten, was Gottes gute und schöne Schöpfung verzerrt, insbesondere alles, was seine ebenbildlichen menschlichen Geschöpfe entstellt.

In den nächsten Tagen werden wir uns mit Fragen zum Gericht Gottes auseinandersetzen. Der heutige Abschnitt - klickt links auf OFFENBARUNG-ONLINE - ist einfach zu verstehen. Die Offenbarung nimmt hier 1:1 die Verkündigung Jesu auf. Es gibt aber auch Fragen, die schwer zu beantworten sind: weil die biblischen Schriften selbst kein Interesse an ihnen haben, bzw. keine Lehraussagen machen. Das ist zum Beispiel die Frage, ob es Verdammnis von Menschen gibt und wie man sich das vorstellen kann. Diese Fragen versuchen Wolfgang und ich mit der notwendigen Achtsamkeit zu beantworten. Denn ihr stellt uns diese Fragen im WhatsAppChat sowieso.


Mittwoch, 13. Mai 2020
Ulrike schreibt: Heute hatten wir ein Bibelgespräch der Kirchgemeinde per Skype. Es ist total schön, einander zu sehen. Aber es ist gar nicht leicht, als Gruppe miteinander zu reden. Es hat eine andere Dynamik als ein Face-to-Face-Treffen. Ein Teilnehmer steht auf, weil es an der Tür klingelt, und verschwindet erstmal. Der nächste sinniert darüber, warum er manche Gesichter nur "halb" sieht und bittet die anderen, sich "richtig" vor die Kamera zu setzen. Der dritte ist plötzlich "weg", weil der Akku leer ist, usw.... Das führt schon zu sehr besonderen Gesprächen. Ich habe heute an diese nette Parodie denken müssen. (Ihr könnt bei dem Video im unteren Bildrand "Untertitel" aktivieren.)




Der Pastor will einen ZOOM Gottesdienst feiern. Damit ihm nicht ständig alle Leute reinquatschen, bittet er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer "to mute yourself" - also ihr eigenes Mikrofon auf stumm zu schalten. Was aber niemand versteht. Bis er schliesslich sagt: "The Lord wants everybody to klick on that little mikrophone with the red line through it and when it says 'mute', hit yes. Amen?" Als es endlich funktioniert und alle stumm-geschaltet sind, ist der Chor an der Reihe...


Montag, 11. Mai 2020
Ulrike schreibt: Gestern hat die Sonne vom Himmel gebrannt - es waren 26°C in Liestal - und heute ist es regnerisch und diesig. So üppig wie in diesem Jahr war unser Garten selten: Tulpen, Narzissen, alles in Fülle. Sie sind jetzt schon lange verblüht und ich habe in den letzten Tagen die Blumenbeete gejätet und aufgeräumt. Auf der Terrasse blühen die Rosensträucher, ebenfalls üppig und mit handtellergrossen Blüten.

Seit Beginn der Pandemie gehe ich viel mehr ins Freie als früher, fast jeden Tag. Wir haben hinter unserem Haus den Schleifenberg mit dem Aussichtsturm. Das ist für mich ein Geschenk dieser Zeit, dass ich den Wald so regelmässig und so nahe erlebe. Ich glaube, das war zuletzt in meiner Kindheit so. Ein anderer grosser Gewinn ist, dass ich begonnen habe, regelmässig zu kochen. Ich habe nie gelernt zu kochen, aber ich bin richtig gut. Meistens hole ich mir grundlegende Infos von Wolfgang ("Wie macht man eine Steinpilz-Sauce? Eine Sauce Hollandaise? ...) oder aus dem Internet. Wobei ich es gar nicht zu genau wissen will. Meist reicht es mir, die "Hauptidee" des jeweiligen Rezepts zu kennen. Ich decke dann für Wolfgang und mich den Tisch: oft draussen auf der Terrasse.

Der dritte grosse Gewinn dieser Zeit besteht für m
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